Mehr gute Laune geht nicht: Der neue Song von Johannes Oerding bringt jedem ein Lächeln ins Gesicht – und macht auch nachdenklich. prisma -Chefredakteur Stephan Braun hat ihn gefragt: Was hast du dir dabei gedacht?

"AN GUTEN TAGEN"

Wie entstand die Idee zu diesem Gute-Laune-Song?

Die Idee war – wie so oft bei mir – eigentlich ein egozentrischer Ansatz. Ich habe mich wieder einmal gefragt, weshalb bin ich als Mensch oft so unzufrieden, wenn ich zum Beispiel zehn Kritiken bekomme, von denen dann neun gut sind aber die zehnte irgendwie ein bisschen doof. Und warum bleibt nur diese eine doofe so sehr hängen? Da ärgere ich mich immer selbst über mich, dass ich da so anfällig bin und die negativen Dinge einfach länger hängen bleiben als die schönen Dinge. Ich muss mich selbst daran erinnern, dass auch ganz viele schöne Kleinigkeiten ein schönes Gefühl auslösen können und man sollte das auch im Kopf behalten. So entstand dann "An guten Tagen". Da habe ich versucht, einfach ein paar Kleinigkeiten aufzuzählen, um sich ein bisschen darauf zu besinnen und zu sagen "Hey, so schlimm ist unser Leben gar nicht." Es gibt viele schöne Kleinigkeiten, man muss sie nur sehen, dann lösen sie schon ein gutes Gefühl aus. Manchmal vergisst man einfach wie gut es einem eigentlich geht.

An guten Tagen leuchtet alles so schön hell.

Das ist für mich ein schöner Einstieg, um eine Bilderwelt aufzumachen, in der jeder sofort weiß, was gemeint ist. Das passt doch, wenn man morgens aus dem Fenster guckt und sieht blauen Himmel, und der Tag lädt einen förmlich dazu ein, ein guter zu werden. Ich bin ein großer Freund von Helligkeit und von Vitamin D, bin eigentlich eher eine Art Winterflüchtling.

An guten Tagen steh' ich einfach nie im Stau.

Ich stehe sehr oft im Stau, weil ich sehr viel unterwegs bin, zum Beispiel auf langen Strecken auch mit dem Tourbus. Deshalb gerät man oft in die unglücklichsten Situationen. Ich gebe zu: Ich bin kein Mensch, der es im Stau gut aushält. Ich werde ja schon nervös, wenn ich nur an der roten Ampel stehen muss. Das stresst mich und ein Stau ist für mich unterwegs das schlimmste der Gefühle. Wenn ich dann freie Fahrt habe, ist das ein tolles Gefühl von Freiheit.

An guten Tagen gibt es nur hier und jetzt, schau ich nicht links und rechts, vielleicht nach vorn, doch nie zurück.

Das ist global und plakativ formuliert: Carpe Diem! Man sollte sich manchmal einfach auf diesen Moment besinnen, in dem man sich gerade befindet. Das kann ein ganz kleiner sein, zum Beispiel wenn Du morgens aufwachst und den blauen Himmel siehst und dann denkst: Oh, schön! Oder wenn Du mit deinen Freunden zusammen bist und im Park sitzt. Es geht mir da um diesen einen Moment, den man möglichst für sich abspeichert - und ihn vielleicht auch mal nicht mit dem Smartphone verbringt.

An guten Tagen ist unser Lachen echt.

Mit dieser Zeile möchte ich zum Ausdruck bringen, dass man wirklich ein gutes Gefühl haben sollte und nicht nur so tut als ob. Ich schließe mich da nicht aus, denn oft genug mache ich auch gute Miene zum bösen Spiel. Wir alle sind hier und da doch alle einmal gefangen, uns auch verstellen zu müssen. Zum Beispiel wenn jemand fragt, wie es dir geht, sagt man ja oft ganz einfach nur "Ja, ganz gut." Auch wenn es einem eigentlich gar nicht gut geht.

An guten Tagen strahlen die Straßen nur für uns – grauer Beton wird plötzlich bunt.

Bei meinen Texten versuche ich immer ein bisschen ein gewisses weltoffenes Gefühl mit reinzubringen. Ich lebe seit 18 Jahren in der Großstadt (in Hamburg, die Red.) und finde es gibt nichts Schöneres als ein buntes Straßenbild: wenn alle draußen sind, einer spielt Straßenmusik, irgendwo läuft eine Gruppe vorbei, die vielleicht für mehr Menschlichkeit demonstriert. Das ist für mich buntes Leben. Also ausdrücken will ich damit: Uns kann heute keiner was, wir gehen heute einfach raus und genießen den Tag und das Leben.

An guten Tagen pumpt das Herz wie frisch verliebt, die Zeit wird wertvoller je weniger es gibt.

Bei diesem Satz dachte ich, das kann dir mit vielen Sachen passieren. Nicht nur, wenn du gerade jemanden siehst und du frisch verliebt bist. Mir geht es darum, dieses Gefühl für alle möglichst nachvollziehbar zu beschreiben. Und außerdem habe ich da auch einen kleinen Nostalgieeffekt mit drinnen: Ich merke an mir selbst, dass es mir guttut, die vorhandene Zeit gut zu nutzen und mich nicht mit zu viel belastenden Dingen vollzuballern. Irgendwann kommt für uns alle die Zeit, in der wir darüber nachdenken sollten. Klingt vielleicht ein bisschen klischeehaft, aber ich denke jeder weiß genau, was damit gemeint ist.

Kompliment, ein richtig frischer Gute-Laune-Song! Ist das der Vorbote auf Dein neues Album?

Ja, total. Ich habe hier ganz bewusst einen positiven Song ausgewählt, der ein bisschen Sehnsucht in sich hat. Und so viel kann ich schon verraten: Auf meinem nächsten Album wird noch viel mehr unsere Gesellschaft in den Vordergrund rücken und das aktuelle Zeitgeschehen angesprochen. Es wird nicht alles nur schön und bunt sein. Deshalb ist es mir wichtig, jetzt vorab einmal die Tür aufzumachen und alle einzuladen, mit dieser positiven Nummer mit auf die Reise zu gehen.

Wann ist das Album fertig?

Auf jeden Fall noch im Herbst.

Was erwartet Deine Fans bei Deinen Live-Auftritten jetzt im Sommer ?

"An guten Tagen" werde ich auf jeden Fall spielen, klar. Und die ein oder andere Nummer vom neuen Album sicherlich auch. Wir werden schon ein neues Programm haben, auch mit einigen bekannten älteren Songs. Ich versuche schon alleine deshalb ein völlig neues Programm zu bieten, damit es sich wirklich auch für alle Fans lohnt. Sie bezahlen ja schließlich genug für ihre Tickets.

Ab dem 7. Mai bist Du für mehrere Wochen fester Bestandteil von "Sing meinen Song" bei VOX. Wie erleben wir Dich da?

Ich hatte schon immer Lust auf diese Sendung. Denn wenn es ein Format im deutschen Fernsehen gibt, das gut zu mir passt, dann ist es "Sing meinen Song." Man sitzt da mit anderen Musikern am Lagerfeuer, wirft sich die Bälle hin und her, singt und macht ganz viel miteinander – das ist irgendwie auch ein bisschen back to the roots für mich: Da komme ich her, genau so habe ich meine Musik gelernt und entwickelt. Zum Beispiel am Lagerfeuer, nur mit einer Gitarre. Das wird alles in dieser Show so gemacht und man vergisst da fast schon, dass da ganz viele Zuschauer zugucken. Man fühlt sich ganz in Ruhe gelassen, hat einen schönen Abend unter Musikern und jamt da ein bisschen rum.

... vor einem großen Fernsehpublikum!

Ich war bislang nie so der Fernsehmusiker gewesen, habe mich eher auf meine Liveauftritte konzentriert. Das wird für mich also auch der erste riesengroße mediale Aufschlag, ich bin gespannt wie die Leute das so wahrnehmen.