In Kiel wurde ein Chirurg ermordet. Hängt sein Tod mit dem Tod eines kleinen Jungen zusammen, der nach einer Mandel-OP starb? Nora Weiss wird allerdings durch eine interne Ermittlung gegen sie abgelenkt.

In ihrem vierten Fall, "Für immer schweigen", ist Nora Weiss, die Zielfahnderin aus Kiel, deren Aufgabe es ist, Schwerkriminelle zu stellen, in Lübeck hinter einem Sexualstraftäter her. Mit Erfolg: Der Verfolgte hängt schon am Gerüst eines Rohbaus und fleht um Hilfe, doch Nora (Anna Maria Mühe) bietet ihm nicht ihre Hand. Der Mann fällt in die Tiefe, doch er überlebt. Es wird noch zu mehreren Treffen zwischen dem Straftäter und der LKA-Ermittlerin kommen – ein schier endloser Zweikampf, symbolisch geradezu für einen wiederkehrenden Kampf zwischen Mann und Frau.

Die Vergewaltiger-Geschichte ist dabei nur eine Nebenstory im ächzenden Gerüst dieses ZDF-Montagsfilms. Ein Sidekick mit Halskrause ist fortan der Verbrecher, wenn er da so hilflos und von der Kommissarin verflucht im Krankenhaus liegt. Nora muss allerdings um ihre Degradierung fürchten. Zu viel habe sie schon auf dem Kerbholz, so behaupten die Kollegen.

Das "Solo für Weiss"-Drehbuch von Mathias Klaschka will es, dass zugleich das Auto eines Klinikarztes exploldiert. Der Chrirurg stammte aus Syrien. Er habe dort Menschen im Widerstand gegen das Regime geholfen, erklärt die Witwe. Als Freunde des Arztes getötet wurden, habe man die Flucht ergriffen. Man sei hier in Deutschland sehr offen aufgenommen worden. "Auf Wiedersehen!", sagt die LKA-Frau Nora, die Anna Maria Mühe unter der Regie von Maria von Heland mit Stakkato-Effet als MG auf zwei Beinen spielt, nach dem Gespräch ziemlich abrupt. Das war's dann mit Syrien. Eine verheißungsvolle Blindspur wird leichtfertig hergeschenkt.

Weil aber im Krankenhaus viele Menschen zusammenkommen, Ärzte, Pfleger und zuweilen auch pastorale Sterbebegleiter, wird Nora vom eigenen Vater, der nun mal Pastor ist, auf eine ganz andere Spur gesetzt. Pastor Weiss (Rainer Bock) kennt die Mutter eines Jungen, der vor kurzem nach einer Mandel-OP (!) verstarb. Der ermordete Arzt hatte den Jungen zu früh aus dem Krankenhaus entlassen. Offensichtlich war er dem Druck des Klinikmanagements erlegen, das auf Profit zielen muss und daher zuweilen "blutige Entlassungen" betreibt, wie Noras Vater, der Pastor, das nennt.

Im Kern ist es also eine kriminalistische Mulloper, die hier abläuft. In ihr hat Hanns Zischler, der durchaus unverwüstliche Intellektuellendarsteller des jungen deutschen Films seit vielen Jahren, den zwielichtigen Dunkelmann zu geben. Keine leichte Rolle, muss er als Chefchirurg doch zur Verteidigung des Krankenhauses und seiner selbst allerlei Statistiken hersagen, welche den Nutzen gängiger Entlassungspraktiken belegen sollen. Sehr selten, so geht seine Rede, komme es zu Nachblutungen und Infektionen bei entlassenen Patienten. Die frühe Entlassung sei allemal besser als ein im Krankenhaus eingefangener restistenter Keim.

"Was ist der Unterschied zwischen Gott und einem Chirurgen? – Gott hält sich nicht für einen Chirurgen!" Diesen Witz gibt allerdings ein Security-Mann zum Besten, der die Frau des toten Arztes vor Übergriffen schützen soll. Ansonsten gibt es viele schräge Sätze. Es wird viel erklärt, und es gibt zweifelhafte Beziehungen: zwischen Nora und ihrem Vorgesetzten, der immerhin mit einer Klinikärztin verheiratet ist, aber auch zwischen dem Herrn Pastor und Noras alter Freundin, die mitsamt ihren Kindern in Rainers Wohnung zieht.

Nicht alle Wege führen bekanntlich nach Rom, und so bewegt sich dieser Krimi auf vielfach irritierenden Pfaden. Zu viele Aha-Erklärungen, zu viele Nebenschauplätze werden aufgetan. So gerät der zentrale Plot eines lange Zeit eher plakativen erscheinenden Krankenhausskandals ins Hintertreffen. Immerhin: Es gibt einen dann doch recht überraschenden Schluss – und einen einigermaßen spannenden Showdown. Wer durchhält in Lübeck, wird belohnt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst