Ein Telefonanruf schockiert im März 2014 Großbritannien und die Welt. Es ist ein Anruf bei der Polizei, unter der Notrufnummer 999, und schon kurze Zeit später wird er öffentlich. Zu hören ist der 19-jährige Nicholas Robinson. Er flucht, sagt, er sei niedergestochen worden, atmet schwer, flucht noch einmal. Dann ist Stille. Nicholas ist tot.

Der Fall aus Bristol wird die britische Polizei 18 Monate lang beschäftigen. Doch nicht nur die Ermittler werden tief eintauchen in die Hintergründe dieses Verbrechens. Auch der Sender Channel 4, ausgestattet mit einer "access-all-areas"-Berechtigung, wird dabei sein, wenn das vonstatten geht, was Polizeiarbeit alles ist.

Herausgekommen ist eine dreiteilige Dokumentation, die ZDFinfo jetzt ausstrahlt ("The Murder Detectives", Samstag, 24. Juni 2017, ab 20.15 Uhr). Und die ist nicht halb so glamourös, wie man es aus diversen Krimiserien gewöhnt ist. Hier gibt es keine hintergründigen Geschichten, kein Privatleben der Ermittler, das den Fall überdeckt, keinen Mörder, dessen Psychologie auf dem Seziertisch auseinandergenommen wird.

Stattdessen ist da Andy Bevan, ein leitender Polizeibeamter, der seine Arbeit macht. Und die ist nervenzehrend, aber manchmal auch nervenzehrend banal. Sie ist routiniert – und professionell. Sie wertet Spuren aus wie die Bänder von Überwachungskameras, DNA-Material oder ein Messer, das die Beamten in einer Kanalisation finden.

Und dann ist da noch die Gesellschaft, die Nachbarn, die in der Gegend wohnen, in der Nicholas erstochen wurde, die Familie, die Freunde, ihre Reaktionen. Das alles ist emotional, manchmal zu emotional für eine Doku. Und doch ist "The Murder Detectives" eine großartige TV-Produktion, weil sie in den meisten Szenen ungefiltert das Leben darstellt, wie es ist. Und das aus einem Blickwinkel, den die allermeisten so noch nicht gekannt haben. Denn das Leben ist kein Krimi.