Vor fünf Jahren schrieb Thomas Hitzlsperger Fußballgeschichte – aber nicht auf dem Rasen: Der ehemalige Nationalspieler gab öffentlich bekannt, homosexuell zu sein und war damit der erste deutsche Profifußballer, der dies tat. Seine aktive Karriere hatte er damals schon beendet. Nun, fünf Jahre später, meint der heute 36-Jährige in einem Interview mit ARD-Radio-Recherche Sport, es habe viele Fortschritte gegeben "was das Thema Diskriminierung, Vorbehalte, Toleranz angeht".

"Auch mich wollten Leute beschützen", erklärt "Hitz" heute. "Aber das war falsch, weil ich gemerkt habe, auch danach ging mein Leben sehr, sehr gut weiter", so der Sportler, der sich durch seine enorme Schusskraft den Spitznamen "The Hammer" einhandelte. Von den Fans hätten die Spieler, die ihre Homosexualität öffentlich machen möchten, seiner Ansicht nach heutzutage gar nicht so viel zu befürchten.

Der 52-malige Nationalspieler betont: "Ich glaube, dass die Fankurven definitiv nicht das Problem sind, dass die Fußball-Fans viel aufgeklärter, viel aufgeschlossener sind". Beleidigungen gäbe es im Alltag immer. "Aber grundsätzlich: Spieler, die mit dem Gedanken spielen, sich zu outen, haben von den Fans nicht soviel zu befürchten." Es gäbe viele Befürchtungen, "die nur in den Köpfen einiger existieren, die aber nicht real sind", macht der nun unter anderem als TV-Experte arbeitende Ex-Profi klar.

Einer sieht das allerdings anders: Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer. Er bestätigt im selben Format: "Ich würde heute sagen – und dafür muss man sich einfach schämen und dafür schäme ich mich für die Gesellschaft: Wenn jemand zu mir kommt, ein junger Sportler mit 24 oder 25 Jahren, so mitten in seiner Karriere und ob ich ihm das raten würde, und wenn ich dann ganz tief in mich hinein schauen würde, müsste ich im Prinzip auch nein sagen." Und er fügt hinzu: "Dazu ist die Zeit nicht reif." Thomas Hitzlsperger entgegnete in dem Format, er würde sich einen positiveren Ansatz wünschen.

Die Fans im Netz diskutieren kontrovers: Einige unterstützen den ehemaligen Profisportler, andere meinen, die Sexualität sei sowieso Privatsache. Ein User schreibt auf Facebook: "Warum sollte er sich überhaupt outen? Wo steht das geschrieben? Egal ob Promi oder nicht, er hat ein Privatleben und fertig!" Ein anderer User ärgert sich, dass auch Hitzlsperger sein Coming-out erst nach seiner aktiven Karriere hatte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst