Nach "Tod eines Mädchens" ermitteln Heino Ferch und Barbara Auer erneut im hohen Norden. Das Erfolgsrezept des Zweiteilers ist dasselbe wie vor vier Jahren.

Vor ziemlich genau vier Jahren ging es im ZDF schon einmal ins fiktive Ostseestädtchen Nordholm. Ein 14-jähriges Mädchen war im Zweiteiler "Tod eines Mädchens" ermordet worden, eine örtliche Kommissarin und ein aus Kiel herbeigeeilter Ermittler machten sich an die Aufklärung des traurigen Falles. Jetzt ist schon wieder was passiert im hohen Norden, wie es bei Wolf Haas heißen würde: Diesmal wird ein Familienvater tot aufgefunden, seine Frau und Tochter sind verschwunden. Mord oder erweiterter Suizid?

Auch in "Die verschwundene Familie" lässt sich Autor und Regisseur Thomas Berger viel Zeit für seine Kriminalgeschichte: satte 180 Minuten, aufgeteilt auf zwei Filme (Teil zwei am Folgetag), nimmt er sich. Das ermittelnde Personal ist dasselbe wie einst, wieder geben Barbara Auer als Hella Christensen und Heino Ferch als Simon Kessler das ungleiche Kommissarsduo. "Die meisten heutigen Fernsehkommissare haben viel Charisma, sind spezielle, oft gebrochene Typen mit einem Geheimnis. Heino Ferch spielt einen solchen Kommissar", analysierte Barbara Auer schon vor vier Jahren die Rollenverteilung. "Hella ist dagegen sehr normal, fast schon langweilig."

Also die typische Aufteilung, wie man sie aus dem deutschen TV-Krimi kennt – und auch diesmal knirscht es ordentlich zwischen den beiden Ermittlern, die im Fall des toten Vaters zusammenarbeiten müssen. Zumal Hella – ohne zu viel verraten zu wollen – auch privat verwickelt ist in das Familiendrama (wie übrigens schon vor vier Jahren). Als Kollege Kessler herausfindet, was Hella ihm verschweigt, knallt es gewaltig. Überhaupt menschelt es einmal mehr in Nordholm. "Wir wollen erzählen, welche Auswirkungen das Verbrechen auf Nordholm und seine Einwohner hat", erklärt Regisseur und Autor Thomas Berger seine Herangehensweise.

Der Fall, er tritt angesichts all der zwischenmenschlichen Dramen, die sich hier abspielen, in den Hintergrund. Was nicht weiter stört, ist die Kriminalgeschichte doch ziemlich simpel gestrickt. Da helfen auch all die Fallstricke, über die der Zuschauer in den drei Filmstunden stolpern soll, wenig. Dass der erste Ausflug nach Nordholm, Anfang 2015, beim Publikum so gut ankam, lag auch damals schon nicht an der kriminalistischen Knobelei.

"Ich vermute, dass die Zuschauer von der Normalität dieses kleinen Ortes an der Ostsee und seiner Menschen berührt waren, einer kleinen, sehr überschaubaren Welt", meint Barbara Auer rückblickend. Und Heino Ferch ergänzt: "Das Ganze ist sehr nah am realen Leben. Der Zuschauer kann sich damit identifizieren." Genau das dürfte es auch diesmal sein, was den Zuschauer über doch sehr lange 180 Minuten an der Stange hält: dieser Blick in den Spiegel, nur eben ein klein wenig aufregender als im realen Leben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst