Wenn's ein "Tatort" wäre, man würde diese Ausgabe des "starken Teams" sicher einen Themen-"Tatort" nennen. Es geht in "Eiskalt" um einsame Menschen in Berlin, um Alte und Betrogene. Doch im Zentrum steht bei allen Diebes- und Mordgelüsten letztlich die Einsamkeit.

Enkeltrick, Briefkastenhilfe oder Catering: Vielfältig sind die Schlüssellöcher, durch die das Böse dringt. Mit dem Untertitel "Eiskalt" ist nicht nur das dunkle Treiben der Täter gemeint, sondern auch die Gefühlslage einer Stadtgesellschaft. Jörg Lühdorff, der Regisseur, setzt die Unwirtlichkeit – nicht zuletzt mit vielen Drohnenflügen über den Betonsilos der Vorstädte – immer wieder eindrucksvoll ins Bild.

Wie gut, dass es aber auch den Berliner Mutterwitz gibt, den vor allem Otto Garber (Florian Martens) pflegt. Die knappen Kommentare (Drehbuch: Leo P. Ard), mit denen er die Recherchen der immer mehr zum Idealduo auflaufenden Berliner Kommissare kommentiert, sind ebenso schlicht wie stimmig.

Einer ist besonders einsam: Sein Hobby besteht darin, dass er allerlei Kriminelle, Randalierer, Dealer, bei ihren Vergehen heimlich fotografiert und anschließend die Bilder an die Wand in seiner Wohnung hängt. Aber er hat auch hundert Kollegen von den Berliner Verkehrsbetrieben beobachtet und denunziert – und so jede Menge Hassmails auf sich gezogen. Sollte er aber deshalb auch aus dem Fenster geflogen sein?

So einfach ist das nicht, erkennen Linett (Stefanie Stappenbeck) und Otto bald. Ist nicht auch jener Enkel-Trickbetrüger höchst verdächtig, dem eine einsame Witwe eben auf den Leim zu gehen droht? Otto verkleidet sich als Penner, um den Betrüger bei der Geldübergabe zu fassen. Doch der Mann ist kein Mörder – leider, sozusagen.

Es ist ja immer das Problem der Kriminalautoren: Mord muss es sein, viele andere Straftaten, die möglicherweise viel spannender wären, eignen sich für Krimis nicht. Die Tricks und Diebereien haben auch hier letztlich nicht so viel mit dem Mord zu tun. Doch wie Otto und Linett im Betonbau nach dem Täter schürfen – merke: Es gibt oft Ohrabdrücke an der Tür von lauschenden Tätern! -, ist sehenswert. Skeptische, leichtgläubige, misstrauische Nachbarn – ein trostloses Berliner Vorstadtbild.

Und, ja: Ottos alter Freund Sputnik (Jaecki Schwarz) ist auch wieder dabei. Diesmal bietet er Anzüge für Polizeibeamten feil, denn es läuft ein Wettbewerb um den bestgekleideten Berliner Polizisten. Chef Reddemann (Arnfried Lerche) geht trotz größten Einsatzes leer aus bei der Bekanntgabe des Siegers. Verdienter Lohn für den fleischgewordenen Running Gag und Moralisten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst