Die ganz großen Namen sucht man vergeblich, wenn man sich die Liste der diesjährigen "Dschungelcamp"-Bewohner anguckt. Aber es gibt noch Hoffnung für RTL.

Marc Terenzi brachte es auf den Punkt: "Die Tiere waren schwer, aber die Menschen waren ein bisschen auch schwer", erklärte der Amerikaner im Interview mit der Agentur teleschau, nachdem er 2017 zum Dschungelkönig gekrönt worden war. "Ein paar from die Menschen waren nervig, vor allem am Anfäng. Aber: Es gibt immer eine Weg", philosophierte der Musiker am Morgen nach dem Sieg in wunderbarstem Denglisch. Auch in diesem Jahr, wenn die RTL-Dschungelshow "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!" in die 13. Staffel startet (ab Freitag, 11. Januar, 21.15 Uhr), steht man als Zuschauer, daheim im winterlichen Wohnzimmer, wieder vor der Frage: Was ist eigentlich schlimmer – Mensch oder Getier?

Am besten, man hält es mit Erich Kästner: "Bei Lichte betrachtet sind sie im Grund noch immer die alten Affen", schloss der 1974 verstorbene Schriftsteller sein Gedicht über "Die Entwicklung der Menschheit". Heißt: Mensch und Getier sind dann doch nicht so verschieden, wie man gemeinhin denkt. Wenn es hart auf hart kommt, erwachen auch im Homo Sapiens die niedersten Instinkte.

Was Kästner in einer Betrachtung zum Dschungelcamp zu suchen hat? Nun: Glaubt man diversen Erhebungen, dann ist es eben nicht das vermeintlich archetypische RTL-Prollpublikum, das sich fast zwei Wochen diebisch vor den Fernsehgeräten freut, wenn im australischen Dschungel wieder einmal an Känguru-Hoden genuckelt wird. "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!" lockt, das zeigen Analysen, ein überraschend gebildetes Publikum vor die Glotze.

Viel wurde sich darüber den Kopf zerbrochen, warum das so ist, woher diese deutsche Lust an der Leidkultur stammt. Eskapismus vielleicht. Aber Flucht vor was? Uns geht es so gut wie selten. Vielleicht Schadenfreude? Schon eher. Der bekannte Hamburger Diplom-Psychologe Michael Thiel erklärt es – und ist dabei nahe an Kästner – mithilfe der Biologie: "Ich bin ein Star" biete "eine Kombination, der die menschliche Psyche kaum widerstehen kann", sagt er gegenüber der Agentur teleschau. "Schadenfreude ist ja eine Emotion, vergleichbar mit Lachen oder dem Gefühl, wenn man guten Sex gehabt hat – es werden Hormone freigesetzt, die uns entspannen, uns in eine gute Stimmung versetzen."

"Nur Möpse ist auch langweilig"

Das funktioniert freilich nur, wenn die Dschungelbewohner (gedreht wird wieder im kleinen Örtchen Dungay, nahe der Ostküste des Landes) auch ordentlich auf Krawall gebürstet sind. Denn: "Wenn jemand nur Möpse zu bieten hat, ist das auch ein bisschen langweilig", weiß Daniel Hartwich, der in diesem Jahr die Show zum siebten Mal zusammen mit Sonja Zietlow kommentiert. "Wichtig ist, dass die Leute unterhaltsam sind."

Ob das auf die Gurkentruppe zutrifft, die RTL diesmal für seine Dschungelsause verpflichten konnte? Auch diesmal treffen Privatfernseh-Eigengewächse wie die ehemalige "Bachelor"-Kandidatin Evelyn Burdecki, der "Bachelor"-Teilnehmer Domenico de Cicco und "GNTM"-Heulsuse Gisele Oppermann auf Soap-Darsteller (Felix van Deventer, Doreen Dietel), Ex-Sportler (Sandra Kiriasis) und Pornostars (Sibylle Rauch). Am meisten Krawallpotenzial steckt wohl in Proll-Millionär Bastian Yotta (bekannt von ProSieben) und Currywurstverkäufer Chris Töpperwien (bekannt von VOX).

Leila Lowfire, laut "RTL" eine "Sex-Experin", verspricht immerhin, für die richtige Dosis nackter Haut zu sorgen. "Ich denke, bei den Temperaturen werde ich schon etwas freizügiger rumlaufen", trötet die 26-Jährige. Auch zwei Silberrücken ziehen ins Lager – der 74-jährige Schlagersänger Peter Orloff ("Ein Mädchen für immer", 1971) und Tommi Piper, 77 Jahre alt. Der Camp-Älteste stand in den 70-ern kurzzeitig bei den Krautrockern von Amon Düül II hinterm Mikrofon, dürfte aber vor allem als Synchronstimme von Alf bekannt sein.

Auch die 100.000 Euro Siegprämie, die dem Dschungelkönig oder der Dschungelkönigin in diesem Jahr erstmals winken, konnten offenbar nicht für mehr Glamour sorgen. "Es können die großen Namen genauso funktionieren wie die kleinen", gibt sich Moderator Hartwich trotzdem sicher. Wobei "funktionieren" für RTL bedeutet: Zuschauer vor die Bildschirme locken. Denn gewinnen können die Dschungelsause – im letzten Jahr bewies das Jenny Frankhauser eindringlich – meist die eher zahmen Kandidaten. Für die Quoten hingegen ist ein Mindestmaß an Krawall entscheidend. Und genau damit hatte das betagte Format (schon 2004 ging "Ich bin ein Star" erstmal auf Sendung – nur das britische Orginal ist älter) zuletzt zu kämpfen. Nur 6,7 Millionen Zuschauer sahen 2018 das Finale – zwei Jahre zuvor waren es noch eine Million mehr.

Vielleicht hilft ja das Wetter den Quoten auf die Sprünge. Maximal 24 Grad Celsius, leichter Regen, nur eine Stunde Sonne – das versprechen die Vorhersagen fürs Dschungelcamp. Und Promis, die im Regen stehen, sind immerhin eine gute Basis für ein bisschen dicke Luft. Oder, wie Daniel Hartwich es ausdrücken würde: könnte funktionieren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst