Die Griswolds, inzwischen in der zweiten Generation, versprechen in der Klamotte "Vacation – Wir sind die Griswolds" (2015) ein weiteres Mal schrägen, abgedrehten Humor, nur wollen die Pointen nicht so recht zünden. ProSieben zeigt die Komödie, in der auch Chevy Chase einen Gastauftritt hat, nun als Free-TV-Premiere. Die perfekte Programmalternative am Finalabend – für alle, die die Fußball-WM schon abgehakt haben.

Rusty Griswold (Ed Helms) verdient seine Brötchen recht mühselig als Pilot einer Billigfluglinie. Er kommt gar nicht auf die Idee, sich oder den Seinen mal eine Abwechslung vom Alltag zu gönnen. Während befreundete Familien nach Paris jetten, bleiben die Griswolds zu Hause. Bis Rusty beim Anschauen der Familienfotos bewusst wird, wie unglücklich seine Frau (Christina Applegate) wirkt. Da kommt ihm der Einfall, mit Debbie und den Jungs schlappe 2500 Meilen in den Freizeitpark Valley World zu fahren, in dem er schon mit seinen Eltern war.

Wie oft bei tollen Ideen hinkt die Ausführung hinterher. Die albanische (!) SUV-Variante, die Rusty für den Urlaubstrip besorgt hat, setzt sich bei falschem Knopfdruck selbsttätig in Bewegung, zerstört die eigenen Fenster oder sprengt sich gar in die Luft. Unterwegs spinnt das Navi-Gerät auf Japanisch herum. Darüber hinaus werden sie beklaut, baden nichtsahnend im Gülleteich und fahren bei der Stippvisite auf Schwager Stones (Chris Hemsworth) Ranch schon mal eine Kuh zu blutigem Brei.

Hier rauscht die Klospülung

Unter dem programmatischen Titel "Vacation – Wir sind die Griswolds" feiert besagte Familie in der Nachfolgergeneration ihr Blödelcomeback. Chevy Chase und Beverly D'Angelo starteten als Griswold-Eltern erstmals 1983 als "Die schrillen Vier auf Achse" in den katastrophalen Urlaub, machten zwei Jahre später mit "Hilfe, die Amerikaner kommen!" Europa, mit "Schöne Bescherung" (1989) Weihnachten und schließlich 1997 auch Las Vegas unsicher. Ed Helms mimt im neuen Film, in dem neben Chase auch D'Angelo einen Gastauftritt hat, den erwachsenen männlichen Sprössling, der auf ihren Spuren wandelt.

Nimmt man die Freizeitattraktion, nach der sich die Griswolds sehnen, als Illustration, dann gleicht die Fortsetzung des Regie-Gespanns John Francis Daley und Jonathan M. Goldstein einer äußerst holprigen Humor-Achterbahn mit wenigen Höhen und vielen tiefen Ausschwingungen unter die Gürtellinie. Frohsinn mit Fäkalbezug und Penis-Exhibitionismus sind Trumpf. Hier knallen keine Pointen, hier rauscht die Klospülung. Und bevorzugt tut Kindermund die dreckigen Wörter kund. Am besten schneidet noch die Darbietung von Ed Helms als Dad Rusty ab. Mit einem unerschöpflichen Repertoire peinlicher Ticks und Plattitüden parodiert er unermüdlich zwanghaften Optimismus und die hohle Vater-weiß-es-besser-Attitüde heiler Fernsehwelten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst