Komödien und Romanzen, die in Kriegsgebieten spielen, haben es nicht leicht: Mal wird kritisiert, dass sie das Elend einer Krise verharmlosen, mal kommt die Liebe zu kurz. Doch mit der richtigen Besetzung kann man den Balanceakt durchaus schaffen und das Publikum unterhalten, ohne eine humanitäre Katastrophe kleinzureden. Geschafft haben das die Regisseure John Requa und Glenn Ficarra, die schon 2015 mit der Gaunerkomödie "Focus" überzeugten. Jetzt schicken die beiden Ausnahme-Komödiantin Tina Fey ("30 Rock") als ahnungslose Reporterin in "Whiskey Tango Foxtrot" nach Afghanistan. Die Free-TV-Premiere wird auf ProSieben ausgestrahlt.

Fey gibt die naiv-frustrierte Journalistin Kim Baker, deren Leben zu Beginn der Nullerjahre in der Belanglosigkeit zu versinken droht. Weil sie zu den wenigen kinderlosen und unverheirateten Mitarbeitern ihres TV-Senders gehört, darf sie sich für eine Afghanistan-Mission "freiwillig melden". Kim ergreift die Chance, vertröstet ihren Freund (Josh Charles) und fliegt los. In Kabul angekommen, ist sie zunächst schockiert von den Zuständen vor Ort. Doch ihr afghanischer Betreuer Fahim (Christopher Abbott) und Kollegin Tanya Vanderpoel (Margot Robbie) machen ihr den Start leichter.

Zwischen Feuergefechten des Militärs mit den Taliban, ausschweifenden Partys mit Kollegen und der ständigen Suche nach der nächsten großen Story findet Kim langsam aber sicher wieder zu sich selbst – und zu dem schottischen Fotografen Iain MacKelpie (Martin Freeman). Gleichzeitig muss sie sich der Avancen des Politikers Ali Massoud Sadiq (unterfordert: Alfred Molina) erwehren, ohne ihn als Quelle zu verlieren. Im Vergleich dazu sind Kims Wortgefechte mit Marine-General Hollanek (Billy Bob Thornton) ein Kindergarten.

"Whiskey Tango Foxtrot" ist die vornehme Umschreibung von "What the fuck" ("Was zur Hölle...?") mithilfe des phonetischen Alphabets der NATO. Diese Frage steht Feys Reporterin Kim mehrmals ins Gesicht geschrieben, ein schöner Tribut an die klassische "Fish Out Of Water"-Story. Weshalb der Verleih den Film als Komödie vermarktet, bleibt schleierhaft, denn eigentlich besitzt er hauptsächlich dramatische Qualitäten. Trotz der guten Gags und schlagfertigen Dialoge geht es hier um abgebrühte und doch mitfühlende Medienvertreter, die jeden Tag aufs Neue versuchen müssen, ihren Chefredakteuren die Schrecken des Krieges schmackhaft zu machen – in der Hoffnung, dass die Welt das Elend vor Ort nicht vergisst.

Fey ist diejenige, die den Film von Anfang bis Ende zusammenhält: Ihre Kim ist nicht nur sympathisch, sondern auch ziemlich schlau und ehrlich. Vor allem ihre Freundschaft mit Fahim gibt "Whiskey Tango Foxtrot" eine Wärme, die den Film zugänglich und unterhaltsam macht. Zusammen mit dem großartigen Soundtrack (etwa "Take On Me" von a-ha, "Jump Around" von House Of Pain) ergibt das einen Film, der bestens unterhält.


Quelle: teleschau – der Mediendienst