Für die Darstellung des Holocaust im Film gibt es zwei Lieblingsmethoden: Entweder wird die Geschichte mit unendlich viel Pathos und Melodramatik erzählt, oder aber sie wird schlicht und faktenorientiert umgesetzt.

Erstere Variante machte sich beispielsweise das Drama "Die Kinder von Paris" (2010) zunutze, das die Deportation tausender französischer Juden in das Vélodrome d'Hiver 1942 thematisierte – lange ein Tabu in Frankreich. Für das Drama "Sarahs Schlüssel", das im selben Jahr entstand und den gleichen Ausgangspunkt hat, wählte Regisseur Gilles Paquet-Brenner hingegen zweitgenannte Vorgehensweise und erreicht, was "Die Kinder von Paris" nicht schaffte: Sein Film erschüttert bis ins Mark. Die ARD wiederholt den Film nun im Zuge seiner Reihe "KinoFestival im Ersten" zu später Stunde.

Regisseur Paquet-Brenner erzählt seine Geschichte unspektakulär, geradezu nüchtern und verzichtet auf dramaturgisch überspitzte Szenen, um seine Botschaft zu vermitteln. Vielmehr nimmt er den Zuschauer mit der Kamera mit ins Geschehen, mitten unter die Menschen, die sich im Velodrom verzweifelt aneinanderdrängen, mitten unter die panischen Mütter, die im Zwischenlager nicht von ihren Kindern ablassen wollen. Es sind diese Rückblenden, aus der Perspektive der kleinen Sarah (Mélusine Mayance) erzählt, die die Schrecken von damals erlebbar machen.

Untrennbar verbunden

Doch das Vergangene erstreckt sich bis in die Gegenwart. Die amerikanische Journalistin Julia (Kristin Scott Thomas), die mit ihrem Mann (Frédéric Pierrot) in Paris lebt, schlägt einfühlsam die Brücke zu dem, was 1942 passierte. Als sie bei Recherchen zu einem Artikel herausfindet, dass ihre Wohnung damals Sarahs Familie gehörte, beginnt sie, tiefer in die Geschichte vorzudringen – und entdeckt, dass das Schicksal des Mädchens untrennbar mit dem ihrer eigenen Familie verbunden ist.

Paquet-Brenner verknüpft die Lebenswege seiner beiden Protagonistinnen so geschickt, dass die Beziehung zu keinem Zeitpunkt konstruiert wirkt. Die Entwicklung der Figuren bleibt stets nachvollziehbar, wenngleich Sarah gelegentlich zu erwachsen für ihr Alter anmutet. Das ändert jedoch nichts daran, dass man mit diesem überaus willensstarken und sturen Mädchen leidet, kämpft und letztendlich verzweifelt. Ohne einen Anflug von Pathos oder Melodramatik.


Quelle: teleschau – der Mediendienst