Aus Kommissar Hanns von Meuffels wird "Bessie" Eyckhoff, aus dem erfahrenen Kommissar wird die junge Polizeioberkommissarin – in Uniform.

Sie ist die Neue: Verena Altenberger (31) übernimmt die Hauptrolle im Polizeiruf aus München. Für die Österreicherin hat Cornelia Ackers, verantwortliche Redakteurin des Bayerischen Rundfunks, das Konzept verändert: Sie wird mehr die Ermittlerin als die Kommissarin spielen. Nachdem sie sich ihre erste Folge als Polizeioberkommissarin "Bessie" Eyckhoff in voller Länge angeschaut hat, spricht Verena Altenberger mit uns über ...

... ihren Aufstieg in die deutsche Top-Krimiliga:

Ich bin totale Tatort- und Polizeiruf-Schauerin und habe viele Folgen gesehen. Ganz klassisch, sonntagabends um 20.15 Uhr auf der Couch. Erstaunlicherweise fand ich gerade die Münchener Polizeirufe schon immer sehr interessant, weil sie mutig sind und auch einmal unkonventioneller. Es war für mich schon eine Art Schock im Sinne von Ehre, als ich erfahren habe, dass ich im Gespräch bin für diese Rolle. ...

eine Österreicherin in München:

Ich als Verena freue mich, dass ich jetzt mehr Zeit in München verbringen darf. Denn ich komme aus dem Salzburger Land, und da ist München für mich fast schon so eine Art Sehnsuchtsort, weil es für mich schon immer die nächstgrößere coole Stadt gewesen ist, in die man ab und zu mal am Wochenende fährt. Ich habe es damals sehr genossen, zum ersten Mal größer auszugehen – das war auch in München. Jetzt darf ich die Stadt durch meine neue Rolle noch mehr kennenlernen und auch viel Zeit dort verbringen. Und aus Elisabeths Sicht: Sie ist ja eine deutsch-österreichische Mischung. Das passt schon.

... das "Streifenhörnchen Bessie":

(Lacht.) Also Bessie will ich ja gar nicht genannt werden, denn ich bin die Elisabeth. Bessie ist der Spitzname, den ich sehr früh in der Polizeiausbildung bekommen habe und den ich polizeiintern nicht mehr loswerde. ...

... ihr Schicksal, bei anstehenden Beförderungen dummerweise immer ganz unten auf der Liste zu stehen:

Das hat mit dem Spitznamen nichts zu tun sondern eher damit, dass ich eine Frau bin. Es war im Film eine spannende Szene, als ich mit dem Chef der Kripo auf dem Krankenhausflur sitze und er mir sagt, dass er meine Personalakte gelesen habe. Und dazu fragt er mich, weshalb ich bei anstehenden Beförderungen immer übergangen wurde. Frech, oder? Wir haben lange überlegt, wie wir das aufklären sollen. Die einzig mögliche Antwort darauf war für mich: Na dann sagen Sie es mir doch bitte! Und das, obwohl er mir es nicht ehrlich beantworten kann. Denn die wahre Antwort wäre gewesen, dass der Hans und der Peter nach Dienstschluss mit dem Chef auch mal ein Bier trinken gehen. Die Elisabeth geht nach Dienstschluss mit dem Chef eben kein Bier trinken. Wenn sie das tun würde, dann würde das vielleicht auch etwas anderes bedeuten. Ich finde Frauen werden seltener befördert als Männer. Und ich glaube viele Frauen werden diese Szene im Polizeiruf gut verstehen.

... ihren übergewichtigen Halbbruder Cem:

An Cem finde ich es so interessant, dass er durch seine Auftritte auch einen Teil von mir, also Elisabeth, miterzählt. Wir leben ja in einer WG und er gibt dem Zuschauer das Gefühl, er sei der Bruder, der zu Hause nicht aufräumt, auf den Elisabeth auch noch aufpassen muss, für den sie sich auch noch verantwortlich fühlt. Es ist kein einfaches Verhältnis zwischen uns, aber welches Geschwisterverhältnis ist das schon.

... die unkonventionelle Neue:

Ja, die Elisabeth ist eine recht emotionale, bodenständige Figur, die unbürokratisch ist und die gerne in flachen Hierarchien arbeitet. Eigentlich erwartet man eher die Kommissarin, die im Hosenanzug oder in der Lederjacke den Raum betritt, sofort Autorität ausstrahlt, offensichtlich zuständig ist und ganz sicher den Fall lösen wird. Das alles bin ich nicht: Ich bin nicht wirklich zuständig, ich trage die Uniform, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden, bin jung und werde gerne mal unterschätzt. Dann handle ich auch oft emotional motiviert und nicht unbedingt nach Dienstbuch. Das ist das Unkonventionelle an Elisabeth.

... darüber, dass es die erste Leiche im Polizeiruf erst nach mehr als einer Stunde gibt:

Moment, wer war das nochmal?

Darüber sollten wir jetzt nicht sprechen!

Ok, jetzt fällt es mir wieder ein. Ja, so ist dieser Polizeiruf nicht. Erstmal keine Leiche, deshalb auch nicht die Suche nach einem Täter. Die Motivation ist ja eher die, das Kind zu begreifen und ihm zu helfen. Später kommen ja schon noch ein paar Leichen hinzu.

... das schreckliche Thema Kindesmisshandlung in ihrem ersten Polizeiruf:

Als Schauspielerin habe ich große Lust auf schwere Kost, als Zuschauerin übrigens auch. Es macht mir auch Freude einzutauchen in ein Verständnis für diese schweren Stoffe, da zieht es mich generell hin.

... den heimlichen Star dieses Polizeirufs, Polou:

Er ist fantastisch! Dennis Doms ist ein unglaublich toller Mensch, er spielt so hochprofessionell, als wäre es schon sein 20. Film. Vielleicht war es sogar hilfreich, dass ich in meinem ersten Polizeiruf so intensiv mit einem Kind oder Jugendlichen zu tun habe, weil man einfach unmittelbarer ist im Umgang mit Kindern. Elisabeths Drive ist es ja auch, diesem Kind zu helfen.

... die Welt, die sie Polou erklärt:

Es ist doch Wahnsinn, dass man einem Kind die Welt erklären muss, weil es sie einfach nicht kennt. Außer einem kleinen Loch oben links im Fenster.

... die Farbe Gelb:

Das ist ein Stilmittel, mit dem wir langsam aufbauend schrägere Elemente in den Film einbauen wollten. Das hat mir in meiner Rolle Futter gegeben. Es geht ja los mit einem gelben Stift im Mund der Psychologin, später kommt die gelbe Krawatte auf der Raucherterrasse hinzu, und es geht ja noch weiter. Das war sozusagen eine kleine Spielerei mit dem Absurden.

... ihr Verhältnis zur Mitarbeiterin des Jugendamtes:

Für Elisabeth ist es ein entscheidender Moment, entscheiden zu müssen: Erpresse ich diese Frau jetzt oder nicht? Eigentlich ist Elisabeth ja eine Person, die sich gerne mit Frauen solidarisiert. In diesem Fall heiligt aber der Zweck die Mittel – oder eben auch nicht, denn schlussendlich tut Elisabeth mit dieser Erpressung dem Kind dann leider doch nichts Gutes.