Deutschland, Ende des 19. Jahrhunderts: Die 16-jährige Ottilie erbt die Bleistiftfabrik von Lothar Faber. Großartiger Stoff für einen Spielfilm – und für ein prisma-Gespräch mit Hauptdarstellerin Kristin Suckow.

Die ersten Bleistiftmacher gab es im frühen 18. Jahrhundert in Stein bei Nürnberg. Dort sitzt noch heute das Traditionsunternehmen Faber-Castell. Wer kennt sie nicht, die sechseckigen Bleistifte, die nicht vom Tisch rollen? Was sie dachte, als man ihr die Rolle der Ottilie von Faber-Castell anbot, möchte ich von Kristin Suckow (30) beim Gespräch wissen. "Ich habe sofort an die Bleistifte, die Radiergummis und die Textmarker gedacht, die ich selbst zu Hause habe. Über die Familiengeschichte wusste ich nichts", sagt sie. Das änderte sich natürlich in ihrer Vorbereitung auf den Dreh. "Ich habe die Ottilie sehr gerne gespielt. Das war eine totale Traumrolle."

Großartige Kostüme: Wie fühlt es sich an, darin zu spielen?

Die Kostüme von Petra Krai waren ein riesiges Geschenk für uns Darsteller. Sie hat sich aus einem großen Fundus in ganz Europa bedient, teilweise hat sie selbst neue Kostüme genäht. Die vielen originalhistorischen Kleider wurden dann auch an uns angepasst. Für mich war es eine große Herausforderung, fast die ganze Zeit über ein Korsett zu tragen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie eingeschränkt man darin ist und wie schwer es einem fällt, dauerhaft frei atmen zu können. Ich musste es in jeder Pause öffnen. Das war schon eine physische Einschränkung, mit der die Frauen damals zurechtkommen mussten. Das konnte ich mir vorher so nicht vorstellen. Aber es hat geholfen, diese Kostüme zu tragen. Sie haben sehr dazu beigetragen, dass wir uns in die damalige Zeit hineinversetzen konnten.

Wie fühlt sich der Sprung für Sie an, nach zuletzt sehr modernen und zum Teil mit Action geladenen Filmen jetzt ins Ende des 19. Jahrhunderts einzutauchen?

Das war eine Zeitreise. Und die ist es hoffentlich auch für die Zuschauer. Es war eine ganz besondere Arbeit für mich, weil ich versucht habe, der Person Ottilie von Faber-Castell, die in der damaligen Zeit gelebt hat, gerecht zu werden. Es gab zur Vorbereitung viel Material. Ich konnte zum Beispiel Briefe von ihr lesen und ihr dadurch nahekommen. Unsere Regisseurin Claudia Garde war so gut vorbereitet und hat uns mit so vielen Dingen immer wieder mit in diese Zeit hineingenommen. Sie hat uns Bilder gezeigt, immer wieder Informationen gegeben. Am Ende kann man ja nur vermuten, wie die Menschen damals gesprochen haben. Und schon gar nicht können wir ins Schlafzimmer von Ottilie von Faber-Castell gucken. Wir können nur mit dem, was wir wissen und auch empfinden, im Film nacherzählen. So haben wir also versucht die Ottilie für den Film zum Leben zu erwecken.

Passt die Rolle denn gut zu Ihnen?

(lacht) Das müssen doch andere beurteilen!

Ok, ich finde sie passt deshalb gut zu Ihnen, weil die Rolle vieles von dem vereint, was Sie jeweils einzeln schon gezeigt haben: Historisches, eine sehr junge Frau zu spielen aber auch das Mutter sein – all das kommt in diesem eher schweren Stück in drei Stunden zusammen.

Dankeschön! Ich habe die Ottilie jedenfalls sehr gerne gespielt. Das war eine totale Traumrolle.

Weshalb?

Weil sie eine mutige Frau war und ich sie über viele Lebenssituationen hinweg begleiten konnte. Das hat sich ein bisschen angefühlt wie eine Spielwiese. Denn es waren ja viele Umstände dabei, die ich so nicht kannte. Zum Beispiel die ganzen historischen Begebenheiten. Außerdem habe ich sehr gerne auch Ottilie als Mutter gespielt, weil ich Kinder so gerne mag und Spaß dabei habe mit ihnen zu drehen. Es war insgesamt gesehen total spannend, sich in diese Person hineinzuversetzen ...

... die ja zu einer Zeit lebte, die Sie wahrscheinlich nur aus dem Schulunterricht kannten?

Genau. Es gibt auch nicht so viele Filme zu dieser Zeit. Deshalb ist es auch besonders schön, dass ich jetzt bei einem dabei sein durfte.

Und dann kommt für Sie direkt in der ersten Szene ein schlimmer Schicksalsschlag: Ottilies Vater stirbt. Hilft so ein schwerer Einstieg, direkt besser in den Film reinzukommen?

Nein, denn wir haben den Film ja nicht chronologisch gedreht. Das ist ja eigentlich nie der Fall. Man dreht ja grundsätzlich nach Motiven. Zunächst haben wir zum Beispiel alles gedreht, was im Schloss spielte. Und es gab Drehtage, an denen habe ich zuerst die 16-jährige Ottilie gespielt, später die 37-jährige und dann abends die 22-jährige. Die erste Szene, die mit mir gedreht wurde, da habe ich Ottilie von Faber-Castell als etwa 32-jährige Frau gespielt.

Die Erbin kommt im Film als sehr fleißig, wissbegierig und akribisch rüber. Erkennen Sie sich darin wieder?

Ich glaube schon. Ich bin nämlich immer gerne gut vorbereitet, weil ich finde, dass der Fleiß im Vorfeld und das Einarbeiten in eine Figur sehr erleichternd ist für das Drehen. Dann kann ich in diesen Augenblicken wirklich in dem einen Moment sein und die Szene spielen.

Was haben Sie denn persönlich mit dem Namen Faber-Castell verbunden, als Sie auf die Rolle angesprochen wurden?

Die Ottilie kannte ich natürlich nicht. Aber sicher: Ich habe sofort an die Bleistifte, die Radiergummis und die Textmarker gedacht, die ich selbst zu Hause habe. Über die Familiengeschichte wusste ich zunächst nichts.

Jetzt, wo Sie den Film zum ersten Mal in voller Länge gesehen haben und er kurz vor der Ausstrahlung im Fernsehen steht: Was gefällt Ihnen daran so besonders? Er bringt ja so viel mit, Historisches, das Mutter sein, viel Kindheit aber auch Unternehmertum, Schicksale und Intrigen.

Es ist das Gesamtpaket. Ich konnte als Kristin gemeinsam mit Ottilie in jede dieser Situationen hineingehen – sowohl als Darstellerin als auch als Zuschauer. Ich finde der Zuschauer hat am Ende das Gefühl, Ottilie von Faber-Castell ein wenig kennengelernt zu haben und mit ihr die ganzen Situationen gemeinsam erlebt zu haben.