Direkt vor Wilsbergs Haustür wird Anna Springer angefahren und schwer verletzt. Im Krankenhaus wird sie in ein künstliches Koma versetzt – einer der längsten Liebesgeschichten des deutschen Fernsehens droht ein trauriges Ende.

Krimi? Ach was! Im Grunde ist die Samstagabendreihe "Wilsberg" vermutlich dann doch die längste Liebesgeschichte des deutschen Fernsehens. Anna Springer und Georg Wilsberg – seit 21 Jahren können die Kommissarin und der Privatdetektiv nicht mit-, aber auch nicht ohne einander. Sie, die überkorrekte Ermittlerin. Er, der chronisch abgebrannte Schnüffler, der es mit den Gesetzen nicht immer ganz so genau nimmt. Ein richtiges Paar sind sie nicht. Auch wenn akribische Beobachter mittlerweile drei Küsse und eine gemeinsame Urlaubswoche gezählt haben. Und doch hängen sie aneinander. Der neue Fall, es ist der 65. "Wilsberg", wird zum unbestrittenen Höhepunkt in dieser womöglich platonischen, aber eben ganz wunderbaren Liaison.

Erst vor wenigen Wochen schalteten sich beim letzten "Wilsberg"-Krimi wieder einmal über sechs Millionen Zuschauer ein und stellten erstaunt fest: Erstmals tauchte Anna Springer, seit jeher gespielt von Rita Russek, gar nicht auf. Und auch diesmal ist ihre Rolle eigentlich eher klein. Im Mittelpunkt steht stattdessen ihr Adlatus, Kriminalkommissar Overbeck (Roland Jankowsky), der sich wieder einmal reichlich ungeschickt anstellt. Zufällig wird er Zeuge eines Überfalls auf eine Tankstelle. Overbeck schreitet ein und überwältigt ... das Opfer. Der Täter entkommt samt Overbecks Dienstwaffe.

Es ist nun wahrlich nicht die erste Fahrlässigkeit der Springer-Assistenten in all den Jahren. Doch diesmal scheint sie ernste Folgen zu haben. Es deutet sich ein Ermittlungsverfahren gegen ihn an. Personalrätin Susanna Havenstein (Tina Pfurr) weiß sehr genau um die Verfehlungen Overbecks. Und der weiß, dass das sein Ende bedeuten könnte. Erlag er doch ganz offensichtlich schon einmal den Verführungskünsten der Dame und muss sich seither ihrer erwehren. Tagsüber will sie ihm ans Leder. Und nachts an die Wäsche. "Overschleck" – so bezirzt sie ihn ganz gierig, und der Arme hat demnach ein echtes Problem. Bis dann der erste Mord geschieht: Frau Havenstein wird erschossen.

Da passt es gut, dass Overbeck auf seinen alten Bekannten und einstigen Kollegen Joe Sundermann (Milton Welsh) trifft, der mittlerweile ein Security-Unternehmen samt Fitnessstudio leitet und Overbeck ein Angebot unterbreitet. Für eine Viertel Million könne er bei ihm einsteigen. Doch erst muss sich Overbeck seiner Haut erwehren. Anwältin Alex Holtkamp (Ina Paule Klink) soll helfen. Und natürlich Wilsberg (Leonard Lansink), der auf ganz anderen Wegen in den Fall gezogen wird.

Wilsberg ist Opfer eines Einbruchs geworden. Das schöne Geld, das er sich mühsam für eine gemeinsame Kreuzfahrt mit Anna Springer zusammengespart hat ... alles weg. Und es kommt noch schlimmer. Kurz nachdem ihm die Kommissarin einen Besuch abgestattet hat, wird sie auf der Straße von einem Unbekannten angefahren. Schwer verletzt wird sie ins Krankenhaus gebracht und in ein künstliches Koma versetzt. Wilsberg wacht an ihrem Bett – und in ein paar charmanten Rückblenden reisen er und Zuschauer zurück durch die mehr als 20 Jahre "Beziehung", die nun womöglich vor einem dramatischen Ende steht.

Eckehard Ziedrich, "Wilsberg"-erfahren seit mehr als einem Jahrzehnt, schrieb das Buch zu diesem ziemlich verzwickten und stellenweise doch arg konstruierten Krimi. Ein Film, nicht so heiter wie sonst, aber eben ungeheuer charmant und liebevoll im Umgang mit den eigenen Figuren und ihrer Geschichte. Die nächsten Episoden sind bereits abgedreht. Unter anderem wird es einen zweiten Ausflug nach Bielefeld geben, jene gerade sagenumwobene Stadt, von der viele sagen, sie gäbe es überhaupt nicht. Bei "Wilsberg" indes findet sie seit jeher mindestens einmal pro Folge in irgendeiner Weise Erwähnung. So übrigens auch diesmal. Wenngleich die Fans ziemlich lange darauf warten müssen ...


Quelle: teleschau – der Mediendienst