In der ProSieben-Serie "Young Sheldon" spielt Iain Armitage den jungen Sheldon Cooper, Chef-Nerd von "The Big Bang Theory". Im Interview spricht der Zehnjährige über seine Rolle, die Zusammenarbeit mit Jim Parsons, seinen PR-Besuch in Berlin und warum er jetzt Mathe mag.

Dass da ein Junge von gerade zehn Jahren vor einem sitzt, merkt man anfangs nur an Stimme und Gestalt. Beim Interview im Berliner Luxushotel gibt sich Iain Armitage so erwachsen professionell, wie es Generationen von Kinderstars vor ihm schon eingetrichtert wurde. Die Disziplin, das Altkluge – es passt auch zur Rolle des Nerds "Young Sheldon" (Fortsetzung Staffel 1 ab 10.9., montags, 20.45 Uhr, ProSieben), die der Nachwuchsdarsteller im "Big Bang Theory"-Spin-Off übernimmt.

Zur Promo gibt es ein straffes Programm, PR-Manager reden auf ihn ein, im Hintergrund überwacht die Mutter, eine Theaterproduzentin, das Prozedere. Das Business verlangt schon von den Jüngsten alles ab. Da erleichtert es fast, dass Armitage während des Gesprächs unruhig auf dem Stuhl wackelt; dass neben eingeübten Passagen auch kindliche Begeisterung hervorblitzt. Schließlich sitzt hier auch ein normaler Junge aus Arlington, Virginia.

prisma: Um "Young Sheldon" zu bewerben, kommst Du ziemlich um die Welt. Ist es Dein erstes Mal hier?

Armitage: Es ist mein erstes Mal in Berlin, und es ist toll. Wir hatten schon eine kleine Stadtführung – und ich bekam ein kleines Lego-Modell vom Brandenburger Tor!

prisma: Hattest du für Deine Rolle als Sheldon viel Kontakt zu Jim Parsons, dem Darsteller des alten Sheldon?

Iain Armitage: Ja, sehr viel. Er war immer dabei, leitete mich an und brachte mir eine Menge über Sheldon bei. Das half sehr. Er erzählte mir viel darüber, wie Sheldon bestimmte Dinge machen würde. Ein finales "Okay" gab er zwar nicht, aber er sagte, dass ich mir viel selbst beigebracht habe. Jim ist wirklich sehr nett.

prisma: Entschied Jim darüber, dass Du den Part als "Young Sheldon" bekommen hast?

Armitage: Ich ging zum Vorsprechen, er schaute es sich an. Ich war unglaublich aufgeregt! Dann bekam ich einen Rückruf und die Zusage – und war noch viel aufgeregter (lacht)! Ich glaube, ich hatte auch viel Glück: Bei den Castings waren sehr viele gute Kinder, deren Vorsprechen ebenso toll waren.

prisma: Wie schwer ist es, einen Charakter wie Sheldon zu spielen?

Armitage: Sheldon ist eine Figur, deren Denkweisen man nur schwierig nachvollziehen kann. Er ist kein einfacher Charakter. Meine anderen Rollen bisher waren leichter, weil ich sie auch miterfinden konnte. Sheldon war aber schon etabliert. Es war hart, aber machte auch eine Menge Spaß.

prisma: Welchen Teil der Rolle fandest Du besonders schwer?

Armitage: Eigentlich seinen gesamten Charakter. Sheldon ist eben Sheldon (lacht)! Es war eine große Herausforderung, die ich aber mochte. Und ich hoffe, dass ich immer besser darin werde.

prisma: Was hast Du mit Sheldon gemeinsam?

Armitage: Mal sehen: Wir beide lieben Wissenschaft. Wir sind beide nicht die größten Sport-Fans. Wir beide lieben Bücher. Wenn auch keine Comics, die mag ich nicht so sehr wie Sheldon. Und ich fange an, Mathe zu mögen! Wie Sheldon mag ich komplizierte Mathe-Sachen wie die Fibonacci-Zahlenfolge oder den Goldenen Schnitt.

prisma: Hast Du auch Ansätze eines Nerds?

Armitage: Ich mache Dinge, die manche Menschen als nerdig ansehen würden. Zum Beispiel, dass ich keinen Sport mag – das finden viele Kids komisch. Bücherlesen auch. Dann mag ich auch das Theater sehr gern, aber das nennt man wohl eher nicht nerdig. Aber ich finde auch, das Sheldon nicht unbedingt ein Nerd ist.

prisma: Sondern?

Armitage: Er kam auf die Welt mit einer anderen Art zu denken, als die meisten Menschen. Bei ihm sind die Gedanken anders verknüpft. Deshalb ist er besser darin, verrückte Gleichungen zu lösen und andere verrückte Dinge zu tun. Deshalb sieht man ihn als Nerd, auch in seiner Familie. Aber ich glaube, er ist es nicht.

prisma: Hilft es, um in die Rolle zu kommen, wenn Du in Sheldons Kostüm schlüpfst?

Armitage: Ja, schon. Was auch hilft, ist meine Sheldon-Stimme. Ich habe da eine bestimmte Tonlage entwickelt. Ich komme auch gut in die Rolle, indem ich einfach am Set bin und meine Zeilen übe. Wir haben das Cooper-Haus-Set und das Set für alles andere. Wenn ich mit allen Schauspielern und Mitarbeitern dort stehe, fühle ich mich einfach wie Sheldon.

prisma: Ist es auch manchmal stressig, im Mittelpunkt zu stehen?

Armitage: Nicht wirklich. Ich habe auch kein Lampenfieber oder so. So schnell bin ich nicht gestresst, das ist ein Glück. Aber aufregend ist es schon, immer von all den Leuten umgeben zu sein. Mittlerweile ist es aber ein normaler Arbeitsalltag für mich. Inzwischen habe ich zwei Zuhause: Einmal das Cooper-Heim und dann die Wohnung, die wir in L.A. mieten. In unserer Wohnung ist mein ganzes Spielzeug, und wenn ich dann in die Set-Wohnung gehe, ist da mein ganzes Fake-Spielzeug (lacht).

prisma: Hat die Rolle als Sheldon Dein Leben bislang verändert?

Armitage: Nicht sehr. Ich wusste schon vorher viel über das Fernsehen und Schauspielersein. Es ist aber meine erste Rolle, die ich fünf Tage in der Woche drehe; jeden Tag neuneinhalb Stunden – inklusive Pausen und mindestens drei Stunden Schule täglich. Die Arbeit an sich macht ungefähr vier bis fünf Stunden aus. Es ist also nicht zu viel Arbeit.

prisma: Magst Du den Unterricht?

Armitage: Ja, ich mag die Schule, Raegen bestimmt auch (lacht). Meine Lehrerin ist supercool! All die Fächer, die ich nicht mag, muss ich nicht machen. Stattdessen machen wir coole Sachen, wissenschaftliche Experimente und so. Mathe gibt es auch, Geschichte, Lesen – und danach haben wir immer eine halbe Stunde, in der wir witzige Sachen machen; zum Beispiel Fidget Spinners aus Gallium bauen! Gallium ist wie Quecksilber, nur nicht giftig.

prisma: Sheldon und Missy haben in der Serie ein besonderes Geschwister-Verhältnis. Hast Du auch zu Missy-Darstellerin Raegen Revord eine besondere Beziehung?

Armitage: Wir sind sehr gute Freunde. Es macht uns Spaß, gemeinsam Leute zu erschrecken und Witze zu machen (lacht)! Wir mögen es auch, uns zum Spaß zu streiten. Aber nicht in echt. Wir sind eigentlich sehr lieb zueinander. Vielleicht gehen wir noch in den Pool, in ihrem Hotel ist nämlich einer (lacht)!

prisma: Hast Du Vorbilder aus Film und Fernsehen?

Armitage: Ich schaue nicht wirklich Fernsehen. Deshalb hat mich niemand so richtig beeinflusst. Das haben eher Theater-Schauspieler. Aber meine Cast-Kollegen inspirieren mich sehr. Wir sind insgesamt 125 Leute am Set, und nur mit allen zusammen funktioniert "Young Sheldon".

prisma: Du hattest bislang schon verschiedene Fernsehmütter. Hast Du eine davon besonders ins Herz geschlossen?

Armitage: Sie haben alle ihre Qualitäten, sie sind alle super! Ich habe eine Menge Fake-Mamas, das ist witzig! Ich mag sie alle – sie sind alle so unterschiedlich und zugleich ähnlich. Natürlich habe ich auch meine echte Mum, die großartig ist. Nicht dass ich zu viel über falsche Mütter rede (lacht).


Quelle: teleschau – der Mediendienst