ARTE-Doku

"Die Kaviar-Connection": Wie sich Aserbaidschan seine Macht sichert

von Andreas Schoettl

Mit seiner "Kaviar-Diplomatie" zielt Aserbaidschan darauf ab, sein Image in der Welt zu verbessern – mithilfe internationaler Sportveranstaltungen, Einladungen von internationalen Stars und Geschenken an westliche Politiker. Eine zweiteilige ARTE-Doku deckt die mitunter üblen Machenschaften auf.

ARTE
Die Kaviar-Connection
Dokumentation • 28.09.2021 • 20:15 Uhr

Etwas seltsam wirkt das schon. Spiele der letzten Fußball-Europameisterschaft wurden jüngst in Aserbaidschan ausgetragen, einem Land in Vorderasien. Die Formel 1 dreht seit 2016 ihre Runden in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Und im Mai 2019 feierte der FC Chelsea den Gewinn der UEFA Europa League im Nationalstadion Baku. Doch woher kommt es, dass ein eigentlich unbekannteres Land fern im Osten eine solche Strahlkraft nicht nur für europäische Großveranstaltungen entwickeln konnte? Auch Stars wie Lady Gaga, Gérard Depardieu oder Sting gaben in dem autoritär regierten Land bereits ein Stelldichein.

"Die Macht des Geldes" nennt der französische Regisseur Benoît Bringer die erste Folge seiner investigativen Reportage "Die Kaviar-Connection". Bei ARTE ist der Zweiteiler direkt aufeinander folgend nun in Erstausstrahlung zu sehen. Dabei scheint die Strategie von autoritär regierenden Machthabern wie dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev nur zu offensichtlich. "Diese Regimes haben einen langen Arm. Sie lassen eine Menge Geld auf bestimmte Leute im Westen niederregnen: Politiker, Künstler. Damit sichern sie ihre Macht", heißt es gleich zu Beginn der aufwendig recherchierten Dokumentation.

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Wenn Sportler, Schauspieler oder Musikstars für sehr viel Geld in Ländern wie Aserbaidschan oder Turkmenistan auftreten, europäische Politiker sich nachweislich mit teilweise erheblichen Summen schmieren lassen, geht das auch auf Kosten einer unterdrückten Bevölkerung. Auf Personen wie etwa Khadija Ismayilova. Seit 2012 veröffentlichte die Journalistin Recherchen über Korruption und unsaubere Geschäfte der Familie von Präsident Aliyev. Sie brachte unter anderem zutage, wie die Herrscherfamilie durch den Bau der Konzerthalle für den Eurovision Song Contest 2012 in Baku oder die Austragung der ersten Europaspiele 2015 profitierte. Ihren Veröffentlichungen folgte allerdings auch der Knast. Im September 2015 wurde Ismayilova zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. 2016 wurde sie nach internationalen Protesten freigelassen, ihre Strafe wurde in dreieinhalb Jahre Verurteilung auf Bewährung umgewandelt.

Der Film von Regisseur Bringer verfolgt nicht nur Ismayilovas Kampf gegen die Korruption in Aserbaidschan. Er erklärt zudem die Mechanismen der berüchtigten "Kaviar-Diplomatie". Diese von Präsident Aliyev eingesetzte Lobby-Strategie zielt darauf ab, das Ansehen der Scheindemokratie auf der internationalen Bühne zu verbessern – mithilfe internationaler Sportveranstaltungen, Einladungen von Stars aus der ganzen Welt und Geschenken an westliche Politiker. Oder wie es der Journalist Drew Sullivan treffend beschreibt: "Formel 1, UEFA-Cup – aus diesen und anderen Großveranstaltungen, die im Land stattfinden, schlägt die Familie des Präsidenten Profit. Jedes Mal! Sie sind Mitinhaber aller Hotels in Baku und anderen Städten. Und haben Anteile an den Banken und den Baugesellschaften, die die Gebäude für solche Events hochziehen. Jede Veranstaltung, die Aserbaidschan ausrichtet, bringt den Machthabern enorme Gewinne und verbessert auch noch ihren Ruf. Sie wirken dann wie Schirmherren einer unabhängigen Demokratie, die coole Events ausrichtet. Ihre Botschaft: Unser Land ist eine Reise wert."

Die Kaviar-Connection – Di. 28.09. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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