Klimadoku

Joko Winterscheidts neue Doku: Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel

30.06.2024, 11.06 Uhr

In 'The World's Most Dangerous Show' stellt sich Joko Winterscheidt der Klimakrise. Mit prominenten Gästen wie Bill Gates und spektakulären Bildern zeigt die Doku, wie Innovationen und natürliche Lösungen den CO2-Ausstoß verringern können. Ein unterhaltsamer Ansatz für ein ernstes Thema.

Der Titel der "Show" ist ganz offenbar bewusst irreführend. "The World's Most Dangerous Show" ist nicht etwa ein typisches Joko-und-Klass-Krawall-Festival, sondern eine ernsthafte Dokumentation über den Klimawandel und wie wir ihn bekämpfen. Ungewöhnlich für den Entertainer Joko Winterscheidt (44), bekannt für originelle Anarcho-Formate wie "Duell um die Welt" und "Wer stiehlt mir die Show?". Auch wenn er sich mit seinem kongenialen ProSieben-Partner Klaas Heufer-Umlauf zuletzt auch immer öfter gesellschaftkritisch positionierte – etwa in der 15-Minuten-Überraschungsendestrecke "Joko & Klaas LIVE".

Letztes Jahr aber hat der TV-Star einen Doku-Mehrteiler für den Streaminggiganten Prime Video produziert, der am Donnerstagabend nun auch bei ProSieben gestartet ist. Joko hat sich gefragt: "Kann man so ein krass beschissenes Thema wie die Klimakrise irgendwie anders erzählen?" Man kann. Und weiter: "Ich stelle mich dem Krassesten, dem ich mich jemals gestellt habe, und das ist die Hilflosigkeit, in der ich mich befinde." Klingt spannend! Los geht's.

Folge Eins dreht sich ums Thema Innovationen, also um grüne Technologien, die unseren Alltag klimaneutral machen sollen. Im Joshua Tree Nationalpark in Kalifornien testet Winterscheidt ein zu 100 Prozent solarbetriebenes Auto. Das geht aber bei der Testfahrt unspektakulär kaputt. Ein Experte für Zukunftstechnologien muss her.

"Die beiden reichsten Menschen der Welt treffen sich"

Deshalb trifft sich der Moderator mit Microsoft-Gründer Bill Gates, der im großen Stil in grüne Technologien auf der ganzen Welt investiert. "Die beiden reichsten Menschen der Welt treffen sich", scherzt Joko gelungen zur Begrüßung. Gates' Vermögen wird derzeit auf circa 115 Milliarden US-Dollar geschätzt. Für ihn sind technische Innovationen entscheidend bei der Bekämpfung des Klimawandels.

Probleme sieht Gates nämlich vor allem bei der Preisgestaltung: "Der grüne Ansatz ist heute noch weitaus teurer als die bisherigen, schmutzigen Methoden. Nur durch Innovation kommen wir zu grünen Produkten." Winterscheidt hakt nach: "Denken Sie, Innovation allein kann das Problem lösen?" Gates: "Nicht Innovation allein, aber ohne Innovation wäre ich sehr pessimistisch. Denn sie kann die Kosten für grüne Produkte senken." Dann gibt Gates Joko noch einen Tipp. Er soll sich das von ihm geförderte Projekt Climeworks in Island ansehen. Und ab geht's zum Flughafen.

In Island steht das Direct Air Capture System von Climeworks. Das ist die erste Anlage, die CO2 aus der Luft filtert und unter Hochdruck wieder in den Boden presst. Das Problem: Die Anlage schafft nur 4.000 Tonnen CO2 im Jahr. Das entspricht dem weltweiten Ausstoß von CO2 in weniger als vier Sekunden "Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein", bestätigt Dirk Nuber von Climeworks. "Auf keinen Fall dürfen die Leute denken, naja, jetzt können wir weiter so Autofahren wie vorher." Nuber stellt klar: "Jeder von uns muss anfangen umzudenken. Business as usual kann es einfach nicht mehr geben."

Nächste Station: Ostsee. Neben technischen Innovationen zum Binden von CO2 gibt es auch ganz natürliche. Moore speichern mehr CO2 als alle Wälder zusammen. Joko besucht das Peenetalmoor. Und stellt die richtigen Frage: Warum werden in Deutschland so viele Moore trockengelegt? Warum investieren wir in teure Zukunftstechnologien, wenn unsere Moore den Job doch viel effizienter erledigen? Transformationsforscherin Professor Dr. Maja Göpel sieht hier ein grundsätzliches Problem. Da am Erhalt von Mooren, im Gegensatz zur Entwicklung von Zukunftstechnologien, niemand Geld verdient, wird hier auch nichts investiert. Logisch.

Was die Dänen besser machen: "Wir nennen es hedonistische Nachhaltigkeit"

Die letzte Station in der ersten von insgesamt sechs Doku-Folgen (ProSieben zeigt sie in Doppelprogrammierung donnerstags, 20.15 Uhr, und bei Joyn) ist Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt gilt weltweit als Vorzeigeprojekt nachhaltiger Stadtentwicklung. Hier trifft Joko den Architekten Bjarke Ingels, der mit seinem Projekt Amager Slope weltweit Maßstäbe gesetzt hat. Die Müllverbrennungsanlage im Herzen der Stadt stößt kaum Schadstoffe aus, versorgt 160.000 Haushalte mit Fernwärme und über 60.000 Haushalte mit Energie.

Auf dem Dach kann man wandern, klettern und skifahren. Das steigert die Lebensqualität und nimmt die Menschen mit auf dem Weg zu einer sauberen Zukunft. Ingels erklärt seinen Ansatz so: Eine Nachhaltige Stadt ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für ihre Bewohner. Wir nennen es hedonistische Nachhaltigkeit." Ingels weiter: "Wenn man Nachhaltigkeit nicht als Einschränkung als Verschlechterung begreift, sondern als Verbesserung von Lebensqualität, dann wird sie erstrebenswerter, und die Menschen werden sich dafür entscheiden."

"The World's Most Dangerous Show" liefert für Menschen, die sich mit Klimathemen auskennen, wenig Neues. Aber sie schafft es, sperrige Informationen sehr unterhaltsam zu verpacken. Die Doku reflektiert ihre eigene Rolle und die des Auftraggebers Amazon Prime Video, der selbst keine besonders gute Klimabilanz vorzuweisen hat. Der Ansatz ist lobenswert: kein Weltuntergangskitsch, stattdessen Hands-on-Mentalität. Wir müssen etwas tun. Wie schaffen wir das? Entertainment-Maschine Winterscheidt gibt alles für die gute Sache.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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