Thure Lindhardt

Thure Lindhardt als schwuler Filmemacher in dem
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Thure Lindhardt als schwuler Filmemacher in dem Drama "Keep the Lights On"
Thure Lindhardt
Geboren: 24.12.1974 in Kopenhagen, Dänemark
Sternzeichen: Steinbock

Thure Lindhardt ist spätestens seit seiner Hauptrolle als Pädophiler Wolfgang Priklopil in dem Drama "3096 Tage" hierzulande eine feste Schauspielgröße. In dem Kinofilm geht es um die grausame Entführung der damals zehnjährigen Natascha Kampusch (Amelia Pidgeon), die von Priklopil acht Jahre lang sexuell missbraucht und gefangen gehalten wurde. Lindhardt portraitiert hier authentisch einen gewalttätigen und geisteskranken Mann, dessen Charakter die Zuschauer schockiert und zugleich mitreißt. Für den facettenreichen Schauspieler war die Rolle des brutalen Entführers eine Herausforderung: "Ich habe noch nächtelang davon geträumt. Natürlich ist Amelia Pidgeon eine Schauspielerin, und dennoch: Ich habe meine eigenen Grenzen kennengelernt."

Dabei ist Lindhardt, der fließend deutsch spricht, alles andere als ein unbeschriebenes Blatt: Schon im Alter von zwölf Jahren spielte der Sohn eines Pfarrers und einer Psychologin in mehreren Filmen mit, beispielsweise in Billie Augusts "Pelle der Eroberer" (1987). Die Literaturverfilmung nach Martin Andersen Nexö gewann ein Jahr später den Oscar als bester nichtenglischsprachiger Film und die Goldene Palme in Cannes. Nachdem Lindhardt 1988 die Schauspielschule in Odense abgeschlossen hatte, spielte er in diversen Theater- und Fernsehproduktionen, darunter die Serie "Morden Kroch - Ved stillebaekken" (1999) von Lars von Trier.

2000 schlüpfte er in der Romanverfilmung "Hier in der Nähe" von Kaspar Rostrup in die Hauptrolle eines mordverdächtigen Autisten. Noch im selben Jahr wurde Lindhardt auf der Berlinale mit dem Shooting Star Award ausgezeichnet. In der Emmy gekrönten dänischen TV-Serie "Unit One - Die Spezialisten" hatte er 2002 einen Gastauftritt. Es folgten zudem die Komödie "Slim Slam Slum" unter der Regie von Jorge und Marcelino Ballarin und der actionreiche Spaß "One Hell of a Christmas" von Shake Gonzáles.

Nach zahlreichen weiteren Rollen in dänischen Filmen und TV-Serien gelang Lindhardt 2004 mit der deutschen Produktion "Was nützt die Liebe in Gedanken" auch in Deutschland der Durchbruch. In dem Drama von Achim Borries spielt er den bisexuellen Koch Hans, der sich gemeinsam mit vier anderen Jugendlichen in ein Netz aus Gefühlen verstrickt. Eifersucht und verschmähte Liebe führen zu der Gründung einer "Selbstmordguppe", in der jeder denjenigen erschießen muss, der ihm die Liebe geraubt hat. Lindhardt wurde in den folgenden Jahren auch in deutschen Serien besetzt, so etwa in der erfolgreichen Krimi-Reihe "Tatort - Architektur eines Todes", in Wolfgang Beckers gefeierten Polizeireihe "Nachtschicht - Blutige Stadt" und "Das Duo" (alle 2009). Daneben war der blonde, 1,82 Meter große Mime an der dänischen Synchronisation fremdsprachiger Filme wie "Asterix & Obelix: Mission Kleopatra" (2002), "Garfield" (2004) und "Herbie Fully Loaded" (2005) beteiligt.

Unter der Regie von Ole Christian Madsen spielte Lindhardt 2008 in dem deutsch-dänischen Thriller "Tage des Zorns" einen Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg. Dagegen will Mads (Lindhardt) in der Komödie "Die Wahrheit über Männer" aus seinem monotonen wie tristen Leben aussteigen und verliert sich in Lügen und Affären. Lindhardt ist für seine starke Wandlungsfähigkeit und Authentizität bekannt und wird deshalb auch das Chamäleon genannt. Dies stellte er 2012 in dem Drama "Keep the Lights On" von Ira Sachs erneut unter Beweis. Es geht um den homosexuellen Filmemacher Erik (Lindhardt), der sich in den jungen Anwalt Paul (Zachary Booth) verliebt. Die beiden werden ein Paar und ziehen zusammen. Doch die Liebe der beiden droht zu zerbrechen, da Paul sich in seiner Cracksucht verliert, während der sexabhängige Erik die Beziehung zu retten versucht. Für seine schauspielerische Leistung wurde der Däne für den Independent Spirit Award nominiert.

Die Vorliebe für extreme Rollen mit oftmals intensiver Körperlichkeit zeichnen den sympathischen Schauspieler aus und sind für ihn Normalität: "Wenn ich es für die Rolle wichtig finde, dann ist es mir völlig egal". Einen weiteren Meilenstein in Lindhardts Karriere markierte zuvor bereits die Rolle des Chartrand an der Seite von Tom Hanks und Ewan McGregor in Ron Howards Hollywood-Blockbuster "Illuminati" (2009). Zusammen mit Robert Langdon (Hanks) und Patrick McKenna (McGregor) soll er geheimnisvolle Morde im Vatikan aufklären. Trotz der vielen großen Erfolge ist Thure Lindhardt nicht abgehoben und lässt sich für den Ruhm nicht verbiegen: "Mein Manager hat vor Jahren gesagt, ich soll mir die Zähne richten lassen, wenn ich groß in Hollywood rauskommen will, aber nun bin ich froh, dass ich's nicht gemacht habe, denn so kriege ich viel interessantere Rollen".

So stark, offen und vielseitig sich Lindhardt in seinen Rollen auch gibt, wenn es ums Private geht, ist er eher zurückhaltend und gibt nur wenig von sich Preis: "Ich gebe ja so viel von mir her, wenn ich spiele. Da muss ich auch was für mich behalten, denn sonst bleibt nichts übrig." Von einem so leidenschaftlichen und überzeugendem Schauspieler möchte man gerne mehr sehen.

Weitere Filme mit Thure Lindhardt: "Negerkys og labre larver" (1987), "Pieces" (1998), "Juliane" (2000), "Far from China" (2001), "Nude, Descending…", "Debutanten" (beide 2002), "Bondefanger", "Skjulte spor", "Forservar" (alle 2003, Gastauftritte), "Farland" (2004), "The Fairytaler" (2004, Sprecher), "Nordkraft", "Bag det stille ydre", "Princess" (Sprecher, beide 2005), "Sugar Rush" (beide 2006), "Pistoleros", "Daisy Diamond" (alle 2007), "Reise nach Amerika", "The Duality of Love", "Closed Doors", "Kleiner Soldat" (alle 2008), "Bruderschaft", "Julefrokosten", "Into the Wild", "Alles Liebe" (alle 2009), "Hindenburg", "Liebe am Fjord", "The Island" (alle 2011), "Formentera", "Eddie: The Sleepwalking Cannibal", "Gummi T", "Byzantium", "The Spiral", "Adieu Paris" (alle 2012), "Fast & Furious 6" (2013).

Foto: Salzgeber/Christophe Husson

Text: Maren Selbst


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