"Man darf das Schöne nicht den Arschlöchern überlassen", sagt Hans-Martin Taubert (Michael Sideris). Schön ist bei dem Sozialunternehmer aber so gar nichts, denn Taubert wurde von einer Brücke geworfen und liegt im Koma. Doch wer war es? Eins dieser "Arschlöcher"? Oder doch die drei Obdachlosen, die seine "Bodyguards" sein wollen?

Nötig hatte er sie jedenfalls. Mit seiner "Berberhilfe" ist Taubert reich geworden, hat sich aber auch Feinde gemacht – den anderen großen "Sozialunternehmer" der Stadt etwa, Gerald Schleibusch (Stephan Baumecker). Und seinen Bruder Hajo (Urs Jucker), der Schulden bei ihm hatte.

Als Taubert dann brutal die Schläuche gezogen werden, stellt sich für die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) die Frage, wer den "König der Gosse" auf dem Gewissen hat.

Von hier an entwickelt sich ein Tatort, in dem es von allem zwei Versionen gibt, Aussage gegen Aussage – selbst im Privaten: Gorniak gegen Sohn Aaron, Sieland gegen Freund Ole – und beide gegen ihren Chef (Martin Brambach) und Wiebke Lohkamp (Jule Böwe), eine Kollegin vom Betrug.

Vor allem aber lebt dieser Tatort vom Spagat zwischen Flapsigkeit und seriösem Fach – und davon, dass das Drehbuch den Rollen die Sympathie nicht kampflos überlässt. Sie alle haben Schwächen und dunkle Seiten, mit allen spielen die Autoren ein großartiges Spiel aus Eitelkeiten, Alltagsrassismus und Gefühlen. Und sie spielen mit, allen voran Höfels, Hanczewski und Böwe.

Und so pendelt der Zuschauer 90 Minuten zwischen Faszination, Ablehnung und Rührung – und bleibt am Ende mit einer ganz eigenen Tragik allein. So wie die Hauptfiguren auch.