Beshinwiese

KINOSTART: 01.01.1970 • Fotofilm • UdSSR (1935)
Lesermeinung
Originaltitel
Beshin lug
Produktionsdatum
1935
Produktionsland
UdSSR
Die Geschichte der Produktion des Films "Beshinwiese", der weder in der ersten, noch in der zweiten Fassung eine öffentliche Premiere erlebte, gehört zu den tragischsten Kapiteln in der Geschichte der sowjetischen Kinematografie. Der Film entstand in den 30er Jahren, die für Eisenstein Jahre größter gesellschaftlicher und künstlerischer Isolation bedeuteten. Seit Anfang dieses Jahrzehnts beherrschte die Doktrin des sozialistischen Realismus das russische Filmschaffen. Organ der Zensur war die zentrale Filmverwaltung "Sojuskino", ihr radikalster Exponent Boris Schumjatski. An seinem Widerstand scheiterten mehrere von Eisenstein vorgeschlagene Filmprojekte, so daß sich dieser von 1932 bis 1935 in die Theoriearbeit und akademische Lehrtätigkeit zurückzog. Der politische Druck auf Einstein kulminierte 1935 auf dem 15. Kongreß der sowjetischen Filmindustrie, nach dem er aber dennoch mit den Arbeiten an "Beshinwiese" begann. In diesem Film verbindet Eisenstein die Turgenjew-Erzählung "Aufzeichnungen eines Jägers" über die Kinder des Dorfes Beshin-Lug mit der authentischen Biografie des Pioniers Pawlik Morosow.

Gefaßt als politische Parabel, verhandelt der Film doch im Wesentlichen den Urkonflikt zwischen Vater und Sohn: Stepok, ein junger Verteidiger von kollektivem Hab und Gut, entdeckt, dass sein Vater, ein Kulak, einen Sabotageakt auf die Ernte der Dorfkolchose plant. Er warnt die jungen Pioniere und bewacht mit ihnen die Ernte; der erzürnte Vater erschießt daraufhin seinen Sohn. Nachdem der Film bereits zum Teil geschnitten war, beurteilte ihn Schumjatski als eine von der "Realität abgehobene Arbeit". Er forderte Eisenstein auf, zusammen mit dem später in Ungnade gefallenen Dichter Isaak Babel das Drehbuch umzuschreiben und vor allem einen positiven Schluß zu finden. Bei de Wiederaufnahme der Dreharbeiten zur neuen Fassung gelang es Sergej Eisenstein trotz der Zugeständnisse an seine Kritiker nicht, im Sinne des sozialistischen Realismus die Charaktere "realistischer" zu betonen. Auf Anordnung Stalins wurde die Produktion des bis dahin zwei Millionen Rubel teuren Films "Beshinwiese" eingestellt. Man warf ihm vor, Beshin-Lug nur als Vorwand für formalistische Übungen verwendet zu haben. In seiner im April 1937 publizierten Selbstkritik "Die Fehler der Beshinwiese" gab Eisenstein an, den "breiten, schöpferischen Kontakt mit der Masse, mit der Realität" verloren zu haben.Wie die zweite Fassung ausgesehen hätte, weiß man nicht. Negative und Kopien beider Filmfassungen gingen während der Evakuierung von Mosfilm im Jahre 1941 verloren. Erst 1967 erschien "Beshinwiese" in der reduzierten Form eines "Fotofilms" auf der Leinwand. Dieser wurde von dem sowjetischen Filmhistoriker Naum Klejman nach einer erhalten gebliebenen Montageliste der ersten Fassung rekonstruiert.

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