James Cameron schuf mit "Avatar" den bis dato erfolgreichsten Film aller Zeiten. Doch das hängt nicht zwingend mit dessen erzählerischer Qualität zusammen ...

Man schreibt das Jahr 2154. Auf Pandora haben die Menschen einen wertvollen Rohstoff entdeckt, den sie ohne Rücksicht auf Umwelt und Bewohner des Planeten ausbeuten. Um die Eingeborenen Na'vi zu verstehen, spielen sie Gott und mixen ihre eigene DNA mit dem Genmaterial der Na'vi: Die künstlich geschaffenen Avatare werden durch eine Bewusstseinsverschmelzung von menschlichen "Fahrern" gesteuert. Einer der Avatar-"Fahrer" ist der gelähmte Soldat Jake Sully (Sam Worthington): Er verliebt sich in das Na'vi-Mädchen Neytiri (Zoë Saldana, "Guardians of the Galaxy") und muss sich in einer epischen Schlacht zwischen seiner Herkunft und seiner neuen Identität entscheiden. VOX wiederholt James Camerons visuelles Spektakel "Avatar" (2009) mal wieder zur besten Sendezeit.

2,7 Milliarden US-Dollar spielte "Avatar" weltweit ein – damit ist Camerons Werk nach wie vor der erfolgreichste Film aller Zeiten. Ein Siegeszug, den die mit Science-Fiction-Elementen aufgehübschte Pocahontas-Geschichte ebenso wenig erklärt wie der zugegeben farbenprächtige und fantasievolle Bilderrausch. Nein, der Wahnsinnserfolg lag schon eher im Versprechen begründet, James Cameron ("Titanic", "Der Terminator") habe die ganz dicken Bretter in Richtung Kinorevolution gebohrt. Etwa 80 Prozent der rund elf Millionen in Deutschland verkauften Tickets wurden denn auch für 3D-Vorstellungen gelöst. Schlecht unterhalten haben sich die wenigsten gefühlt.

Intellektuell bereichert dürfte sich durch den Kinobesuch aber auch kaum einer vorgekommen sein. Cameron hat etliche Jahre Arbeit und 237 Millionen US-Dollar Dollar Produktionskosten auf die wahrhaft imposante Tricktechnik verwandt und das Drehbuch, so scheint's, eher nebenher geschrieben. Vieles, worauf er anspielt, ist von größter Relevanz und Aktualität: die Öko- und Rohstoff-Problematik, Rassismus, Kriege, nicht zuletzt das Thema virtuelle Realität. Nichts von alledem wird wirklich ausdifferenziert. Aber darauf kommt es in dieser ultimativen Form des Bombast-Kinos auch nicht an.

Die Geschichte ist konventionell, die Charaktere sind grobe Skizzen, und die Handlung ist vorhersehbar. Einklang mit der Natur, Respekt vor allen Lebewesen, friedliche Koexistenz mit anderen Kulturen – was James Cameron zu sagen hat, serviert er auf dem Silbertablett. Trotzdem: "Avatar" ist ein Film voller magischer Momente: Der komplette Planet Pandora entstand am Computer. Etwas Realität steckt trotz allem in den CGI-Wirklichkeiten: Die Figuren wurden im "Performance Capture"-Verfahren von echten Menschen gespielt und vom Computer in Bits und Bytes umgerechnet. Das Ergebnis sind zweieinhalb Stunden voller Pathos, Kitsch, Action, Romantik und vor allem: Fantasie.

Natürlich ist das längst nicht das Ende vom Pandora-Lied: Charlie-Chaplin-Enkelin Oona Chaplin ("Game of Thrones") wird in allen vier (!) geplanten Sequels von "Avatar" mitwirken und gab kürzlich gegenüber "Indiewire" an, dass James Cameron das Publikum "wegblasen" werde. Ob sie das nun in audiovisueller oder auch in narrativer Hinsicht meinte, können die Zuschauer frühestens an Weihnachten 2020 feststellen – dann startet "Avatar 2" in den Kinos. Teil 2 und 3 wurden simultan gedreht und befinden sich derzeit in der Postproduktion. Sogar an "Avatar" Nummer 4 und 5 soll derzeit bereits gearbeitet werden ...


Quelle: teleschau – der Mediendienst