Die ZDF-Dokumentation "Champions der Charts" blickt hinter die Kulissen der Musikindustrie. Wie funktioniert die Hit-Industrie und wie schaffen es bestimmte Songs in die Charts?

Das ist mal ein mutiges Geständnis: "Ich konnte nicht selbst Songs schreiben, ich kann auch nicht singen. Ich habe eine ganz, ganz schlechte Stimme." Das sagt nicht irgendwer, sondern Felix Jaehn, Star-DJ und Produzent ("Cheerleader"). Aber man muss auch gar nicht singen können, um Platten (beziehungsweise Downloads) zu verkaufen. Denn hinter den Nummer-1-Hits steckt längst eine ganze Industrie, wie die ZDF-Dokumentation "Champions der Charts" von Katarina Schickling zeigt.

Da suchen vermeintliche Musikexperten nach der eingängigsten "Hookline" und der perfekten "Bridge", um aus diesen Elementen einen Song mit Chart-Garantie zu stricken. Wer hinter dem späteren Hit steckt, ist dabei oftmals egal: Die Gesichter sind so austauschbar wie die Melodien. "Wenn du Musik hörst, und sie berührt dich wirklich im Herzen, dann ist es eigentlich egal, ob der Typ das wirklich von Herzen gemacht hat oder ob er eine Illusion erschaffen hat", sagt Thomas D von den Fantastischen Vier. Für seinen Bandkollegen Michi Beck ist vor allem die Persönlichkeit des Sängers entscheidend. "Es geht um Einzigartigkeit", sagt der Juror der Castingshow "The Voice of Germany". "Nicht jeder Ton muss unbedingt sitzen. Style geht vor Können."

Auch die Art, wie Musik konsumiert wird, hat sich in den letzten Jahren verändert. Vor wenigen Wochen erst meldete der Bundesverband Musikindustrie, dass in Deutschland Audiostreaming erstmals mehr Umsatz macht als der Verkauf von CDs. Markus Kavka, Musikjournalist und Moderator, glaubt, dass die wachsende Bedeutung von Spotify zu weniger Vielfalt in der Musik geführt hat.

Vor allem in den USA ist in den letzten Jahren eine regelrechte Hit-Industrie entstanden, die Songs wie am Fließband produziert. Wie das funktioniert, hat der New Yorker Journalist John Seabrook recherchiert. Er zeigt, wie die Plattenlabels vor allem aufs schnelle Geld schielen. Einen Künstler über Jahre aufzubauen, sagt er, interessiere nur noch die wenigsten Firmen. Jemandem wie BAP-Urgestein Wolfgang Niedecken stößt das natürlich sauer auf: "Wenn du anfängst, beim Songsschreiben auf den Erfolg zu schielen, dann bist du auf dem Holzweg", sagt der 67-jährige Kölner. "Weil letztendlich machst Du dann keine Kunst mehr, die von innen kommt, die erlebt ist."


Quelle: teleschau – der Mediendienst