Nichts für schwache Nerven: Nach den ersten zehn Minuten dieses Films rollt ein vom Körper abgetrennter Kopf über den Asphalt. Und es wird nicht der letzte sein. Verantwortlich dafür ist Light Turner (Nat Wolff) der ein mysteriöses Buch gefunden hat. Auf der ersten Seite ist zu lesen: "Regel 1: Der Mensch, dessen Namen in dieses Buch geschrieben wird, soll sterben." Das Fundstück verleiht dem Teenager die Möglichkeit, mit einem einzigen Schriftzug Personen zu töten.

Der Netflix-Film "Death Note", der ab 25. August 2017 bei dem Streaming-Dienst abrufbar ist, basiert auf der japanischen Manga-Vorlage und stellt hinter der Fassade des Horror-Thrillers die Frage, was Leben wert ist und was Macht mit Menschen anstellt.

Gier nach Macht

Der Schüler begreift schnell, welche Kraft er nun hat, und er beschließt, ein paar Ungerechtigkeit zu beenden und das Böse auszulöschen. Auf der ganzen Welt sterben Straftäter, Diktatoren, Geiselnehmer, Mörder und Vergewaltiger. Das bleibt nicht unbemerkt. Schnell ist das FBI, wo auch Lights Vater (Shea Whigham) arbeitet, hinter "Kira" her, wie der Besitzer des Buches genannt wird. Ein Detektiv, L (Keith Stanfield), wird bei der Suche involviert. Wo das Superhirn anfangs raffiniert und ausgefuchst auftritt, wird L später immer menschlicher und nahbarer. Man schmunzelt doch eher über den ungeschickten Kindskopf, der eben kein eleganter Antagonist ist, sondern viel mehr ein von Emotionen getriebener Tollpatsch. Gleichzeitig verliebt sich Light in seine Mitschülerin Mia (Margaret Qualley) und weiht sie ein. Ein großer Fehler, denn bald überfällt auch das junge Mädchen die Gier nach Macht.

Die Botschaft ist klar: Es herrscht Chaos, wenn eine Einzelperson entscheiden kann, wer lebt und wer stirbt – und das nur mittels einen einzelnen Federstrich. Denn dann wird Kraft missbraucht, Intrigen gesponnen, und im Leichtsinn vergisst man schnell den Wert eines Menschenlebens.

Der Film braucht ein wenig, bis ein klarer roter Faden erkennbar ist, doch dann fesselt der Thriller seine geduldigen Zuschauer. Der Fantasy-Aspekt beschränkt sich auf das Buch und dessen Auswirkung, was den düsteren Streifen vor zu viel Absurdität bewahrt. Die einzige übernatürliche Figur ist der "Death Guard", das stachelige Wesen mit orangen Augen, das nur der Besitzer des Buches sehen kann.

Eindrucksvolle Bilder

Dass das ein oder andere Klischee, wie ein verlassenes Gruselhaus, auf dessen staubigem Boden auch noch eine alte Puppe liegt, bedient wird, macht der packende Showdown mit eindrucksvollen Bildern wieder wett. So ganz scheint sich Regisseur Adam Wingard ("Blair Witch") aber nicht entscheiden zu können, ob er hier einen düsteren Thriller schaffen möchte, oder ob er die Vorlage doch nicht ganz ernst nimmt.

Die japanischen Mangas aus den Jahren 2003 bis 2006 haben zahlreiche Anhänger, sodass sie bereits in Realverfilmungen adaptiert wurden, ein Computerspiel existiert, und in dem Heimatland der Story sogar ein Musical darüber aufgeführt wird. Bei dem Netflix-Remake transferieren die Macher das Geschehen komplett nach Amerika und weichen von den Details des Mangas ab. Trotzdem werden auch Fans einige Hinweise des alten Comics entdecken.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Death Note":


Quelle: teleschau – der Mediendienst