Es war ein ungewöhnliches Treffen, damals im Dezember 1976, und nur allzu gern hätte man Mäuschen gespielt: Romy Schneider, 38 Jahre alt, und die vier Jahre ältere Alice Schwarzer trafen sich zu einem Interview in Köln.

"Wir sind die beiden meist beschimpften Frauen Deutschlands", stellte Schneider ungerührt fest. Schwarzer stand damals kurz vor Gründung der Zeitschrift "Emma"; Romy Schneider hatte ihrer deutschen Heimat den Rücken gekehrt und lebte in Frankreich, wo sie Jahre nach den "Sissi"-Filmen eine zweite Karriere machte als Grand Dame des französischen Kinos. Aus der Begegnung, die eine Nacht lang dauerte, machte Schwarzer später ein Buch. Für die hervorragende Dokumentation "Ein Abend mit Romy" von Patrick Jeudy kommentiert Schwarzer nun die Tonbandaufnahmen.

Offen wie nie spricht Schneider über ihre Kindheit und Jugend, über ihre Mutter und deren Verhältnis zu Adolf Hitler ("Meine Mutter hat mit Hitler geschlafen", habe ihr Schneider im Vertrauen gesagt, so Schwarzer) und den Hass der Deutschen, der ihr nach dem Weggang nach Frankreich entgegenschlug.

Man habe sie als "deutsches Nationalgut" missbraucht, stellt sie frustriert fest. Schwarzer und Schneider führten ihr Gespräch damals auf Französisch. Nur wenn Romy wütend wurde, wechselte sie ins Deutsche. "Sie war ein extrem zerrissener Mensch", erinnert sich Alice Schwarzer.

ARTE zeigt die Dokumentation im Rahmen einer kleinen Reihe über Romy Schneider, die am 23. September 80 Jahre alt geworden wäre. Bereits um 20.15 Uhr zeigt der Sender den Film "César und Rosalie" von Claude Sautet aus dem Jahr 1972; am Folgetag stehen um 20.15 Uhr "Eine einfache Geschichte" (1978) und um 22 Uhr "Gruppenbild mit Dame" (1977) auf dem Programm.


Quelle: teleschau – der Mediendienst