Mit attraktiven, exklusiven Inhalten setzen die deutschen Pay-TV-Sender ihren Erfolgskurs fort. Nur auf Fußball-Fans könnten ungemütliche Zeiten zukommen ...

"Es ist eine besondere Wachstumsstory", sagte Frank Giersberg, Mitglied der Geschäftsleitung des deutschen Privatsenderverbands VPRT, am Dienstag in München stolz. Das Geschäft mit Bezahlinhalten für den großen Fernsehbildschirm, aber auch für Streaming oder Downloads auf Computer, Handys und Tablets brummt. Erstmals setzten die insgesamt mittlerweile 105 Pay-TV-Sender und Videodienstanbieter, die im deutschsprachigen Raum empfangbar sind, in der sogenannten DACH-Region 2016 mehr als drei Milliarden Euro um – ein stattliches Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erfolgsfaktoren sind exklusive Inhalte, darunter eben nicht mehr nur der Dauerbrenner Sport, sondern zunehmend attraktive Eigenproduktionen wie demnächst die Sky-Serien "Babylon Berlin" oder "Das Boot" sowie die neue Turner-Drama-Comedy-Serie "Arthurs Gesetz", für die Senderchef Hannes Heyelmann bei dem Termin mit Journalisten eine hochkarätige Besetzung bekanntgeben konnte.

Zweite Staffel von "Vier Blocks"

Sechs einstündige Episoden des deutschen Genre-Zwitters möchte der Managing Director, Central and Eastern Europe and International Programming Strategy bei Turner, der zugleich auch Vorsitzender des Arbeitskreises Pay-TV im Lobbyverband VPRT ist, ab September drehen lassen. Nun wurde bekannt, dass neben dem Hauptdarsteller, "Tatort"-Star Jan Josef Liefers, bei der Produktion für den Turner-Spartnersender TNT Comedy auch Martina Gedeck und Nora Tschirner, beide ebenfalls erprobt im unterhaltsamen Fach, den "A-Klasse"-Cast (O-Ton Heyelmann) komplettieren werden. "Kurz darauf erfolgt der Drehbeginn für die zweite 'Vier Blocks'-Staffel", veründete Heyelmann bei der Vorstellung aktueller Pay-TV-Geschäftszahlen zudem. Die Berliner Kiez-Gangster-Serie wird nach dem großen Anklang bei Publikum und Kritikern fortgesetzt.

"Die Entwicklung ist erfreulich – und wird auch erfreulich bleiben", sagt Hannes Heyelmann über die allgemeine Entwicklung des Pay-TV-Markts, auf dem mittlerweile bekanntlich auch große Streaming-Player wie Amazon Prime Video und Netflix mitmischen. Aber diese würden, so wollen es die Pay-TV-Vertreter offiziell gerne sehen, vor allem bei der Beauftragung von Eigenproduktionen erkennbar eine belebende Rolle spielen.

"Pay-TV ist im Massenmarkt angekommen", bilanziert Frank Giersberg die guten Umsatz- und Abo-Zahlen. Im deutschsprachigen Raum kann er sogar auf rund 8,4 Millionen zahlende Kunden verweisen, im Vorjahr waren es über alle Anbieter und Plattformen hinweg noch 8,1 Millionen. In diesem Jahr rechnet sein Verband mit weiterem kräftigem Wachstum, deutschlandweit könnte dieses zum Jahresende zwischen zehn und zwölf Prozent liegen.

Serien auf Abruf

Neben den attraktiven Inhalten führt Hannes Heyelmann auch die "Vielfalt der Genres und die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten" ins Feld. Tatsächlich wächst die Bereitschaft, neben dem klassisch linear etwa über Kabel und Satellit ausgestrahltem Pay-TV auch sogenannte nicht-lineare Angebote in Anspruch zu nehmen. "Wir sehen eine Änderung des Nutzungsverhaltens", erklärt Holger Enßlin als Geschäftsführer Legal, Regulatory & Distribution, ein Sky-Vertreter im Pay-TV-Arbeitskreis des VPRT. Bei der zuletzt aktuell gestarteten "House of Cards"-Serie sehen demnach auf Sky über 80 Prozent der Interessierten die Top-Produktion nicht-linear – sondern vor allem auch über den On-Demand-Service der Sky-Box, zu einem deutlich geringeren Anteil über Handys und Tablet-Computer. Eine der aktuell heiß diskutierten neuen "Game of Thrones"-Folgen komme laut Enßlin auf eine nicht-lineare Nutzung, die "mehr als der Reichweite einer Bundesliga-Konferenz" umfassen könne.

Für die führenden deutschen Pay-TV-Senderhäuser ist der sich rasant entwickelnde neue Markt für Streaming-, Download- oder On-Demand-Dienste auch ein attraktives Zusatzangebot. So ist Katharina Behrends, Managing Director German Speaking Territories von NBC Universal International Networks und damit Herrin über beliebte Sendermarken wie SyFy oder 13th Street, stolz auf einen Deal mit dem noch relativ neuen Angebot Amazon Channels. Hierfür hat sie etwa mit einem eigenen Horror-Kanal ein bislang in dieser Form noch nicht verbreitetes Angebot etabliert – an großen traditionellen Plattform-Partnern wie Sky vorbei. Und bei den Fans rennt sie damit offene Türen ein, wie sie betont. Allerdings weiß auch Behrends um die Notwendigkeit, das klassische Programm attraktiv zu halten – mit "maßgeschneiderten Eigenproduktionen". Dazu zählt etwa die erste deutsche 13th Street-Serie "Culpa – Niemand ist ohne Schuld", die sie auch im eigenen Haus selbst entwickeln ließ. "Wir investieren, um uns abzugrenzen", sagt sie über ihre Programmpolitik und meint damit aber auch, dass dies dem gesamten Angebotsmarkt für Pay-TV-Inhalte gut tut. "Wir befruchten uns gegenseitig."

Keine Einigung zwischen Sky und Eurosport

Auf dem lange dominierenden Feld für attraktive Live-Sportrechte, die vor allem Sky über die Fußball-Bundesliga groß und marktstark machten, herrscht dagegen kurz vor Start der neuen Saison weiterhin Verunsicherung – auch weil sich die verwirrende neue Rechtelage vielleicht noch nicht zu jedem Fan durchgesprochen hat. Dass neben dem klassischen Fußball-Heimatsender Sky Sport auch der Mitbewerber Eurosport insgesamt 45 Spiele der kommenden Spielzeit 2017/2018 live zeigen darf und beide Anbieter über die Ausstrahlungsmodalitäten wegen unterschiedlicher Finanzierungsvorstellungen zu keiner Einigung gekommen ist, könnten bei vielen Bundesliga-Fans erst mal für Frust sorgen. Weil Sky – zumindest laut derzeitigem Verhandlungsstand – vor allem die von Eurosport erworbenen Freitagsspiele der ersten Liga (hinzukommen unter anderem einige Sonntags- und Relegations-Partien) nicht über das im bisherigen Sky-Angebot enthaltene Eurosport 2 weiterverbreiten möchte, verweist Susanne Aigner-Drews, Country Manager Germany/Austria/Switzerland der Eurosport-Eignerin Discovery Communications auf ihr eigenes, allerdings digitales Angebot, den Eurosport Player. "Mit dem Eurosport Player für Sport Premium-Content wollen wir diese Entwicklung zu mehr Vielfalt aktiv und mit großem Mehrwert für die Nutzer mitgestalten", sagt sie.

Effekt für viele Fans: Sie werden wahrscheinlich neben dem Bundesliga-Abo bei Sky zum Auftakt der neuen Saison auch ein Abo beim Eurosport Player abschließen müssen. Die Preisvorstellung für eine einfache Durchleitung bei Sky liegen zwischen Eurosport und der Plattform offenbar weiterhin "sehr, sehr weit auseinander", wie wenige Wochen vor Anpfiff der Saison (am Freitag, 18. August) zu vernehmen ist. "Wir sind weiterhin in Gesprächen", gaben Sky-Mann Holger Enßlin und die Discovery-/Eurosport-Managerin Aigner-Drews etwas schmallippig zu Protokoll. Eine Einigung im Sinne der Fans wäre zumindest wünschenswert. Ob es dazu kurzfristig noch kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Ruhe vor dem Sturm scheint ohnehin scheint in der Hauptferienzeit noch anzuhalten. "Es ist relativ ruhig in den Callcentern", sagt Holger Enßlin. Das könnte sich wenige Tage vor und nach dem Saison-Auftakt rasch ändern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst