Im Jahr 1979 verstarb der Komiker Heinz Erhardt, doch bis heute ist er unvergessen. Heute, am 20. Februar, wäre er 110 Jahre alt geworden.

Er kam, sah nix oder wenig – und siegte doch: der Komiker Heinz Erhardt mit der für ihn typischen dicken Hornbrille, den lustigen Grübchen und dem zunehmend lichten Haar. Der Satz: "Noch'n Gedicht?" war sein Markenzeichen. Erhardt, der am 20. Februar 110 Jahre alt geworden wäre, konnte Gedichte und Kalauer vortragen wie kein Zweiter. Zum Glück jener Generation, die noch vor den Radiogeräten saß und der daher Gestisches wenig nützte. Ganz im Gegenteil – hatte sie bei "direkt" übertragenen sogenannten "Bunten Abenden" lediglich das minutenlange Gelächter oder den Applaus des Saalpublikums zu ertragen, wenn ein Humorist mimisch wieder mal ins Schwarze traf.

"Er ist wieder da", hieß es schon Mitte der 80er-Jahre über den Komiker, der so gut mit den Worten balancieren konnte und auf der Bühne immer den Schüchternen gab. Ein Mann mit Hemmungen und sicher auch mit Neurosen, wie sein Sohn, der Regisseur Gero Erhardt ("Traumschiff", "Patrick Pacard") später erzählte. Vater Heinz, so verriet er, sei "ungemein fleißig und diszipliniert" gewesen, ein sehr ernsthafter Mensch, "eher scheu als gesellig".

Wenn Heinz Erhardt, der 1909 im damals deutsch-baltischen Riga als Sohn eines Konzertmeisters geboren wurde ("Die Eltern trennten sich bald nach meiner Geburt"), später im Nachkriegsdeutschland mit Kind und Kegel etwa auf eine Tourneereise durch die Nordseebäder fuhr, war alles sehr genau festgelegt: das Mittagessen ebenso wie der unentbehrliche Mittagsschlaf. Mitunter wurde das Nickerchen auch auf einem Autobahn-Rastplatz gemacht.

Doch fuhr er auch gern mit dem Zug. Er konnte dann, so Gero, der Sohn, stundenlang in Bundesbahn-Kursbüchern lesen. Er liebte die Pünktlichkeit über alles, fuhr gelegentlich bei einem Besuch mit der Familie vor dem Haus des Gastgebers 15 Minuten auf und ab, wenn er zu früh zur Stelle war.

Penibel und von zugleich stupender Kraft waren auch seine Gedichte, die nicht immer einfach lustig waren. "Depressionen" ist eins überschrieben, und es geht so (nachzulesen auf der Heinz-Erhardt-Seite im Internet, www.heinzerhardt.com): "Gestern war ich noch so fröhlich, / heute hat es sich gegeben, / Gestern schlug ich Purzelbäume, / heute will ich nicht mehr leben. / Solch ein Zustand ist entsetzlich, / mich und meine Umwelt quäl' ich; / doch er dauert nicht sehr lange: / morgen bin ich wieder fröhlich!"

Fast so beliebt wie der große Loriot

Zu Recht nannte er sich "Dichter" (und Schauspieler). Egal, ob auf der Bühne, im Rundfunk oder Fernsehen – er zog die Massen zu Tausenden und Millionen an. Aber seine Sätze, seine Erfahrungen wirkten immer persönlich. Es gelang ihm, mit Leichtigkeit eine Intimität herzustellen, die ihresgleichen suchte. Kein Wunder, dass er auch nach seinem Tod 1979 "nie weg" war: In den 2000ern ernannte ihn das Publikum des ZDF per Tele-Dialog zum zweitbesten Komiker aller Zeiten, gleich hinter Loriot.

Das äußere Leben war abenteuerlich: die Geburt in Riga, bei den Großeltern aufgezogen (später ging er beim Großvater, einem Musikalienhändler, in die Lehre), kurzzeitig von der in St. Petersburg lebenden Mutter entrissen, schließlich vom Kapellmeister-Vater nach Deutschland entführt, wo er bei dessen zweiter Frau endlich eine "Bleibe" fand.

1934 fand er, wieder in Riga, in der Sprechstundenhilfe Gilda Zanetti die Liebe seines Lebens, die bis zu seinem Ende hielt. Vier Kinder kamen, sie wurden zusammen mit seiner Frau später sein "erstes Publikum". 1938 kam sein erstes wichtiges Engagement im (systremtreuen) Berliner "Kabarett der Komiker". Unter anderem stand er mit der berühmten Schlangentänzerin La Jana auf der Bühne.

Den Krieg überlebte Heinz Erhardt als Kabarettist an der Front, danach trat er, 1947, mit der Komödie "Lieber reich, aber glücklich" in Hamburg auf – der Rundfunk kam, sein wohl eigenstes Medium. Der "Otto Waalkes des Nierentischzeitalters" brachte den Deutschen nach dem Krieg wieder das Lachen bei. Etwa 40 Filmangeboten mochte er nicht widerstehen. Nicht alles war Gold daran, manchmal konnte er selbst sein strengster Kritiker sein: "Hab' den Film gesehen, war 'ne ganz schöne Scheiße", schrieb er dann ins Tagebuch. Aber er war eben nie nur die wandelnde Lachnummer, er verkörperte schlichtweg immer die Sehnsucht nach einem Stück heiler Welt.

Sein Motto war "Freude am Leben als Lebenssinn". Selbst nach einem schweren Schlaganfall, der ihm 1971 für immer die Sprache nahm, versuchte er mit Unterstützung seiner Frau Gilda daran festzuhalten. Kurz vor seinem Tod trat er noch einmal in einer TV-Musikfarce seines Sohnes Gero auf, die "Noch 'ne Oper" hieß. "Es handelt sich um eine 'Zehnpfennig-Oper", so richtete er aus, "denn die Länge beträgt nur ein Drittel von Brechts Stück." Doch seine Stimme im Stück, die kam nun vom Band – von alten Schellackplatten.

Wer dem Komiker zum 110. Geburtstag Heinz Erhardts gedenken möchte, findet im TV-Programm der nächsten Tage einige seiner Werke. Die österreichische Komödie, in der das Geburtstagskind neben Peter Alexander zu sehen ist, "So ein Millionär hat's schwer", zeigt der MDR bereits am heutigenMittwoch, 20. Februar zur Mittagszeit um 12.30 Uhr. Am Samstag, 23. Februar, (23.25 Uhr, NDR) blickt die Sendung "Heinz Erhardt – neu entdeckt" auf die musikalischen Werke des Dichters. Einen Tag später, am Sonntag, 24. Februar, um 18.55 Uhr, zeigt 3sat den Spielfilm "Natürlich die Autofahrer", in dem Heinz Erhardt als Verkehrspolizist Eberhard Dobermann zu sehen ist.


Quelle: teleschau – der Mediendienst