In der neuen Sky-Serie "8 Tage" spielt der ehemalige "Tatort"-Kommissar Devid Striesow einen fiesen Bunker-Bauern, der angesichts des bevorstehenden Weltuntergangs die schlechtesten Seiten des Menschseins auspackt. Warum fühlen sich derzeit so viele Leute zu Endzeit-Stoffen hingezogen?

Devid Striesow, bis vor kurzem als sanfter Yoga-Kommissar Jens Stellbrink im Saarbrücker "Tatort" tätig, verkörpert in der Endzeitserie "8 Tage" einen gänzlich anderen Typus Mensch: den fiesen Überlebens-Kämpfer. Die packende Sky-Produktion (ab Freitag, 1. März, 20.15 Uhr, Sky 1 oder auf Abruf bei Sky Go und Sky Ticket) macht mit dem niederschmetternden Plot auf, dass von Folge eins gerechnet in acht Tagen die Welt durch einen Kometen zerstört wird. In Europa, wo der Einschlag erwartet wird, soll niemand überleben können. Was tut man an den letzten Tagen? Mit jeder Folge des achtteiligen Serienwerks kommt man dem Ende näher. Devid Striesow, 45, über filmische Weltuntergans-Szenarien und warum sie uns mit zunehmenden Alter so nahe gehen.

prisma: Warum sind Weltuntergangs-Szenarien derzeit so populär?

Devid Striesow: Ich weiß es nicht, da ich nie großer Fan von Katastrophenfilmen war. Aus diesem Grund habe ich bisher meist einen Bogen um das Genre gemacht.

prisma: Was störte Sie daran?

Striesow: Mir war der Gegensatz zwischen den entspannten Szene und jenen, in denen es immer um alles geht, einfach zu anstrengend. Deshalb schaue ich mir auch keine Horrorfilme an. Die halte ich ebenfalls nicht aus. "8 Tage" ist anders, weil sich die Serie viel Zeit für die Geschichten der Menschen nimmt. Normalerweise kommen die in klassischen Katastrophenfilmen ja nur am Rande vor.

prisma: Haben Sie dennoch eine Theorie, warum sich viele Menschen – gerade auch junge – gegenwärtig zu dystopischen Erzählungen hingezogen fühlen?

Striesow: Natürlich gibt die reale Welt genügend Anlass, eher sorgenvoll in die Zukunft zu blicken. Trotzdem warne ich davor, zu sehr in solchen Themen zu baden. Mein Eindruck ist, dass man durch zu viel Beschäftigung mit der Endzeit selbige mit höherer Wahrscheinlichkeit hervorruft.

prisma: Ist die Angst vor dem Weltuntergang realistisch?

Striesow: Es ist eher die Angst vor dem Tod, die mir realistisch erscheint. Jeden Menschen ergreift sie irgendwann. Spätestens, wenn man seinen 40. Geburtstag hinter sich hat. Bei mir wurde die Angst vor dem Tod ab 40 definitiv zu einem größeren Thema. Schließlich hat man an diesem Punkt – wenn man überhaupt das Glück hat, alt zu werden – in etwa die Hälfte seines Lebens überschritten.

prisma: Schürt etwas ganz Konkretes Ihre Angst, dass die Welt untergehen könnte, bevor sie alt geworden sind?

Striesow: Ja, ganz aktuell der Ausstieg Trumps aus dem Atomwaffen-Abkommen zwischen den USA und Russland. Das bereitet mir wirklich Sorgen. Man braucht derzeit keine Fiction mehr, um sich Sorgen um ein schnelles Ende der Welt zu machen.

prisma: "8 Tage" ist auch deshalb ein interessantes Programm, weil die Deutschen bislang wenig Tradition im Genre Endzeit-Fiction haben. Warum ist das eigentlich so?

Striesow: Ich glaube, es hat zum einen damit zu tun, dass man – zumindest im klassischen Katastrophenfilm – immer davon ausgeht, dass es große, teure Bilder braucht, um das Ende der Welt angemessen darzustellen. Solche Budgets gab es früher nur in Hollywood. Mittlerweile ändert sich das, auch bei den Streaming-Diensten und im Pay-TV werden größere Projekte gestemmt. Ich hatte trotzdem Sorge, dass die letzten acht Tage der Welt in unserer Serie optisch nicht überzeugen würden. Nachdem ich die Serie gesehen habe, bin ich sehr erleichtert. "8 Tage" sieht – ganz im Gegenteil – ziemlich super aus.

prisma: War fehlendes Geld der einzige Grund, warum die Deutschen bisher nicht so sehr in Endzeit gemacht haben?

Striesow: Ein anderer Grund könnte die Tradition des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sein. Es ist nur eine Vermutung, aber ich denke, dass unser Stoff in seiner gesamten Drastik auch inhaltlich nur schwer als Primetime-Programm im klassischen Fernsehen durchzusetzen gewesen wäre. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat ja auch einen Auftrag zu erfüllen, und der lautet sicher nicht, das Ende der Welt detailliert auszuleuchten (lacht).

prisma: Muss ein Film oder eine Serie, die gut aussehen will, auch teuer sein?

Striesow: Grundsätzlich würde ich sagen: ja. Gute, sorgfältig Bilder brauchen Geld und Zeit. Zeit kostet beim Film bekanntlich auch Geld. Manchmal kann man ein bisschen tricksen. Den Kinofilm "Zeit der Kannibalen" drehten wir beispielsweise im Studio – mit ganz kleinem Budget. Da wurde geschickt mit Licht gearbeitet, was manchmal ein guter Trick ist, um preiswerte Programme teurer und edler aussehen zu lassen. Es hängt natürlich auch vom Inhalt des Films oder der Serie ab, ob dies möglich ist. Wenn man große Sets mit vielen Menschen hat, ist es kaum möglich, Bilder ohne Geld gut aussehen zu lassen.

prisma: Nehmen wir an, es käme tatsächlich die Nachricht, dass in acht Tagen ein einschlagender Komet Europa zerstören würde. Welche Folgen hätte das?

Striesow: Das möchte ich mir gar nicht vorstellen. Ich weiß auch beim besten Willen nicht – falls das Ihre nächste Frage ist -, was ich dann persönlich tun würde.

prisma: Macht der bevorstehende Weltuntergang die Menschen besser oder schlechter? Anhand Ihres Serien-Charakters müsste man die Frage eher pessimistisch beantworten ...

Striesow: Ich glaube schon, dass, wenn es ums nackte Überleben geht, der Humanismus oder Altruismus im Menschen ziemlich strapaziert werden wird. Ich habe versucht, meinem Charakter noch einen leicht menschlichen Anstrich zu verleihen, weil sich dieser Mann sehr um seine Tochter sorgt. Aber das Schlechte in ihm kommt dann doch irgendwie durch (lacht). Grundsätzlich möchte ich viele Leute, die mir täglich auf der Straße begegnen, nicht im Umfeld einer von Regeln befreiten Gesellschaft erleben.

prisma: "8 Tage" erzählt auch davon, wie sich unterschiedliche Menschen ganz eigene Gesetze, Glaubenssätze und Werte erschaffen, als die öffentliche Ordnung aufgehoben ist ...

Striesow: Ja – und die meisten davon sind eine Katastrophe im Sinne des Gemeinwohls. Viele Menschen, die keine Führung und Gesetze mehr haben, werden zu Monstern. Das wollte ich auch mit meiner Figur in "8 Tage" vor allem zeigen.

prisma: Haben wir Deutsche besondere Probleme mit dem totalen gesellschaftlichen Kontrollverlust?

Striesow: Na ja, wir sind ja noch die Enkel- oder Urenkel-Generation jener, die den Krieg erlebt haben. Natürlich steckt die Erfahrung aktiver Schuld und erlittenen Horrors noch in uns drin. Ich erinnere mich an meine Uroma in Güstrow und ihre Geschichte, als die Russen kamen. Sie saßen bei ihr in der Küche, weil sie Russisch sprach. Man fragte sie nach den Mädchen. Die versteckten sich derweil im Zwischenboden und versuchten, ganz still zu sein. Es waren die Tage, in denen Vergewaltigungen erlaubt waren. Solche Dinge möchte man nicht mehr erleben.

prisma: Aber man möchte dabei zuschauen?

Striesow: Offenbar schon. Der Effekt des Gruselns ist ein Grund, warum die Leute einschalten. Der Mensch fühlt sich vom Fremdschämen und Fremdgruseln angezogen.

prisma: Auch vom Untergang?

Striesow: Es macht vielen zumindest Lust, anderen beim Untergang zuzuschauen. Vielleicht fühlt man sich dadurch ein bisschen lebendiger. Ich kann es sogar ein Stück weit nachvollziehen. Man lernt den Wert des eigenen Lebens dadurch mehr schätzen.

Wie geht es nach dem Weltuntergang weiter?

prisma: Kann eine Serie, die auf den Weltuntergang hinausläuft, eine zweite Staffel bekommen?

Striesow: Ja und nein. Ich habe keine Ahnung. Mich würden an einer zweiten Staffel vor allem die Rückblicke interessieren. Sozusagen das Prequel (lacht).

prisma: Vor einigen Wochen lief Ihr letzter Saarland-"Tatort"am Sonntag im Ersten. Haben Sie nun mehr Zeit für interessante Projekte außerhalb der Kommissars-Routine?

Striesow: Das war ja der Grund, warum ich aufgehört habe. Ich wollte mehr Zeit für neue, interessante Rollen haben. Natürlich macht es mehr Spaß, völlig irre auf jemanden mit der Kettensäge loszugehen – wie in "8 Tage" – als die Leute immer wieder zu fragen, wo sie gestern zwischen acht und neun Uhr waren. In letzter Zeit habe ich viel Theater gespielt. Außerdem spiele ich einer neuen Krimireihe im ZDF, "Schwartz & Schwartz", die mir sehr am Herzen liegt – weil sie innerhalb des Genres ungewöhnlich und etwas sehr Besonderes ist.


Quelle: teleschau – der Mediendienst