Christina Hecke reiht sich mit der neuen ZDF-Reihe "In Wahrheit" als Kriminalkommissarin Judith Mohn in die Reihe neben Anna Loos als "Helen Dorn" und Ulrike Kriener als "Kommissarin Lucas" ein. Das ist erfrischend und verwirrend zugleich.

Es ist eine Gegend der Weinberge, der dichten Wälder, der malerischen Ortschaften, eine Landschaft, in der man gerne leben möchte. Frankreich ist nah, der industrielle Strukturwandel scheint überwunden zu sein. Doch natürlich wird auch im Saarland gestorben – auch unter roher Gewaltanwendung. Der Film "In Wahrheit – Mord am Engelsgraben" ist der Auftakt zu einer neuen Samstagabend-Krimireihe im ZDF, die dem zuletzt oft etwas blassen Saar-"Tatort" der ARD etwas Frisches entgegensetzen will. Sie kreist um die sympathisch unbekümmerte junge Kriminalkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke), die von Saarbrücken aus ermittelt. Ihr erster Fall, bei dem Miguel Alexandre Regie führte und auch selbst zusammen mit Harald Göckeritz das Drehbuch schrieb, spielt im Fernfahrer-Milieu. Leider mäandert er ähnlich träge dahin, wie das der die Region prägende Fluss am mehrfach eingeblendeten Postkartenmotiv der Saar-Schleife tut.

In einem Wald des beliebten Wandergebiets wird eine erschlagene Prostituierte aufgefunden. Judith Mohn und ihr etwas tapsiger, in elementaren Polizeifragen gelegentlich zu hemdsärmelige Kollege Freddy Breyer (Robin Sondermann) hören sich rasch an einem Autobahnparkplatz um, der als Zentrum des Rotlichtmilieus an der Fernverbindung nach Frankreich gilt. Hier kontaktierte auch der ruppig-verschlossene Lkw-Fahrer Erich Kupka (Christian Berkel) junge Frauen. Und hier verschwand auch schon vor einigen Jahren die 16-jährige Maria, die vom Trampen nie zurückkam.

Dass Kupka etwas mit dem Fall zu tun haben könnte, drängt sich nicht nur den Kommissaren auf – vor allem weil ihn seine offensichtlich stark unter Stress stehende Ehefrau Heike (Anna Loos) selbst indirekt schwer belastet. Sie taucht mitten in der Nacht aufgelöst auf der zentralen Polizeiwache auf – mit der Sorge, ihr Ehemann könnte etwas "damit" zu tun haben. So rätselhaft ihr Auftritt, so schnell ist sie auch schon wieder verschwunden. Immerhin haben Mohn und Breyer bald viele Vor-Ort-Besuche mit eindringlichem Nachfragen zu absolvieren.

Doch dann gerät die routinierte Krimirecherche zunächst etwas in Schräglage: Wieder in einer Art Selbstanzeige meldet sich Kurt Mahn (Sebastian Rudolph) bei der Polizei: Er gesteht sogar den Mord an der Prostituierten. Bei seiner Festnahme bringt er – in einer verstörenden Sequenz – die beiden Ermittler fast in Lebensgefahr. Man ahnt bereits: Hier kann etwas nicht recht stimmen. Mahn stellt sich als psychisch gestört heraus. Der "echte" Täter läuft weiter frei herum.

Frische, zupackende Präsenz

Dass die für den prominenten Samstagabend-Filmsendeplatz zuständige ZDF-Redaktion neue Gesichter und Schauplätze ins Spiel bringen möchte, ist ihr gutes Recht und prinzipiell zu begrüßen. Tatsächlich überzeugt besonders Christina Hecke mit ihrem eher "unverbrauchten" Auftreten – und einer frischen, zupackenden Präsenz. Etwas ärgerlich allerdings, dass ihre Figur wieder einmal so angelegt ist, dass sie den Spagat von professioneller Krimiarbeit und überbordend viel Privatem aushalten muss. "Sag mal, willst du mir nur den ganzen Tag auf den Hintern starren oder packst du mal an?", herrscht sie den ihr zugedachten Ermittlungspartner Breyer (Sondermann) an. Der antwortet schmierig-kokett mit dem üblichen Beziehungsgeplänkel: "Das eine muss das andere doch nicht ausschließen."

Wenig später drängt ihr der forsche junge Kollege sogar einen Kuss auf, was die Kriminalkommissarin auf die Palme bringt. Immerhin sitzt bei ihr zu Hause im depressiv gestimmten Halbdunkel ein wartender Ehemann, der an der schwierigen Beziehung mit einer Vollblutpolizistin immer stärker zu verzweifeln scheint. "Ich bin nicht dein Hausmann", brummt Niklas Mohn (Juergern Maurer), als seine Judith mal wieder zu spät heimgekommen ist und das Essen kalt wurde. Er kippt den Braten in den Müll. Mit weiteren Verwicklungen in neuen Folgen ist fest zu rechnen.

Auch inszenatorisch kann Miguel Alexandres Film nur bedingt überzeugen, wirkt er streckenweise doch auch – dank der vielen Flugdrohnen-Aufnahmen, die sich aus der Luft auf ein fahrendes Kommissariatsfahrzeug konzentrieren – wie ein bebilderter Werbeprospekt für den Autohersteller, der die Produktion unterstützte. Auch die "regional-kulinarischen" Versatzstücke wie die vielen Rotweingläser, die im Film schnell zur Hand sind, oder die opulenten Landschaftspanoramen, die in die Handlung zwischengeschnitten werden, erhöhen Stringenz und Dramatik nicht unbedingt.

Aus ZDF-Sicht schließlich besonders absurd wirkt die Tatsache, dass man eine neue Ermittler-Figur einführt – und ihr gleichzeitig in vielen Nebenrollen mit Anna Loos ("Helen Dorn"), Rudolf Kowalski ("Bella Block", "Stolberg"), Christian Berkel ("Der Kriminalist") und sogar Peter Kremer ("Siska") die bestens bekannten Größen der Freitag- und Samstagabend-Krimiwelt gegenüberstellt. Sehr verwirrend all das.

Ein zweiter Fall der neuen Reihe wird gerade im Saarland gedreht. Wann "In Wahrheit: Tödliches Geheimnis" im nächsten Jahr ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest.


Quelle: teleschau – der Mediendienst