Im menschenverlassenen südlichen Andalusien, zwischen Sümpfen und Lagunen, begeben sich im Spätsommer des Jahres 1980 zwei Polizisten auf die Suche nach einem Mörder. Zwei Teenager wurden brutal umgebracht, die beiden Ermittler Pedro (Raúl Arévalo) und Juan (Javier Gutiérrez) kommen widerwillig aus Madrid, um sich des Falls anzunehmen.

Mit "La Isla Minima – Mörderland" schuf der spanische Regisseur Alberto Rodriguez, der all seine Filme in Andalusien ansiedelt, mehr als einen klassischen Thriller mit Guter-Bulle-böser-Bulle-Thematik. Dauerpräsent ist in dem Film, den ARTE nun als Free-TV-Premiere zeigt, die bleierne Schwere der Jahre nach der Diktatur Francos.

Der grausame Kriminalfall dient auch als Hintergrund einer filmischen Geschichtsaufarbeitung: jener "Transición"-Jahre nämlich, in denen sich Spanien nach Francos Tod und fast 40 Jahren Diktatur langsam in Richtung Demokratie bewegte. Dort, wo die beiden Kommissare ermitteln, geschieht das besonders langsam: In Andalusien lebt Franco einfach weiter.

Wie konservativ die Bevölkerung ist, bekommen die versetzten Polizisten Pedro und Juan, die unterschiedlicher kaum sein könnten, auch bei ihren Nachforschungen zu spüren: Die vermissten Schwestern, 16 und 17 Jahre alt, galten auf dem Dorf als zu amüsierfreudig. Wohl auch deshalb mag niemand über ihr Verschwinden sprechen. Doch auch die Öffentlichkeit darf über die erotischen Eskapaden der Mädchen nichts erfahren – die Moral der Nach-Franco-Jahre war strikt.

Zu allem Überfluss werden die genervten Ermittler auch noch zu einer Hellseherin geschickt, die den Fall klären soll. Überraschenderweise werden genau an dem von ihr vorhergesagten Ort Kleidungsstücke der Vermissten gefunden. Auch die zugerichteten Körper der beiden findet man bald. Für die Darstellung der realistischen Polizeiarbeit erhielt der Film den Prix Spécial Police des Festivals von Beaune; zudem räumte "La Isla Minima" zehn spanische "Goyas" ab.


Quelle: teleschau – der Mediendienst