Debatte über Gendern

Schriftstellerin fordert bei Maischberger Verzicht auf alle Geschlechter in der Sprache

Seit Wochen wird die Debatte über das Gendern der Sprache emotional geführt. Die Schriftstellerin Nele Pollatschek sorgte in der Talkshow von Sandra Maischberger mit einem radikalen Vorschlag für Gesprächsstoff.

Lockerungen, die Impfstrategie und der jüngste Maskenskandal um Bundestagsabgeordnete: Die Corona-Pandemie ist auch ein Jahr nach ihrem Ausbruch in Deutschland in aller Munde – und dient immer wieder als Vehikel für Diskussionen in TV-Polittalks. Auch in der "Maischberger"-Ausgabe am Mittwochabend war der Kampf gegen Corona Thema – wenngleich eine andere Diskussion die Pandemie in den Schatten stellte. Mit Journalistin Petra Gerster und Nele Pollatschek, die ausdrücklich als Schriftsteller vorgestellt werden wollte, sprach Gastgeberin Sandra Maischberger über Gendern in der Sprache und die Frage: Ist Gendern ein Schritt zur Gleichstellung oder nur eine andere Form von Diskriminierung?

Schon der Wunsch Pollatscheks, als Schriftsteller präsentiert zu werden, sorgte für Erklärungsbedarf. Sie schilderte, es gehe "in der Öffentlichkeit niemanden etwas an". Weiterhin führte Pollatschek aus: "Es hat auch nichts damit zu tun, dass ich hier sitze. Wenn ich in die Öffentlichkeit gehe, dann tue ich das aus beruflichen Gründen." Zwar betonte sie, sie habe freilich eine Identität, nur sei das im Zusammenhang mit ihrer Funktion als Gast nicht relevant. "Ich habe natürlich ganz viele Aspekte, wie jeder Mensch und dann frage ich mich: Warum ist das Einzige, was wir hier sichtbar machen wollen, das Geschlecht? Warum?", warf die Autorin auf.

Für ihre Äußerungen zum Thema Gendern bekomme sie sehr viel Post, wie Pollatschek erläuterte – und viel Zustimmung. Eine Berufsgruppe durch Geschlechterzuweisungen zu teilen, führe zu Unterkategorisierungen: "Wenn jemand zu einem Menschen sagt, der Brote backt: 'Sie sind der beste Bäcker', dann ist das eine ganz andere Aussage als 'Sie sind die beste Bäckerin'."

Generell ging Nele Pollatschek die Debatte über Gendern in der Sprache aber nicht weit genug. Stattdessen wollte sie einen größeren Zusammenhang herstellen und forderte: "Lasst uns doch dafür sorgen, dass Frauen besser arbeiten können. Also lasst uns die materielle Wirklichkeit verändern, indem wir Kindergartenplätze für alle schaffen, Ganztagsschulen, es möglich machen, dass sich Frauen so verhalten wie sich Männer, die Kinder haben, sowieso schon verhalten."

Sprachlich sehe sie es als Ausweg, entweder mit verschiedenen Artikeln zu arbeiten oder mit "sowas wie 'das Bundeskanzler für alle'" – also ähnlich wie in der englischen Sprache auf sprachliche Geschlechter zu verzichten. Die generische Form "das" könne eine Lösung sein.

Einen solch radikalen Weg samt enormer Sprachveränderung hielt Journalistin Petra Gerster für schwer umsetzbar. Für Gendern in der Sprache sprach sie sich aber vehement aus – nicht nur, weil es für mehr Teilhabe in der Gesellschaft sorge. Es mache auch "Frauen und nicht nur Frauen, auch andere Gruppen, nicht binäre Menschen zum Beispiel, sichtbar". Überdies sei es ein Ausdruck des mühsamen Kampfes von Frauen um einen Platz in der Öffentlichkeit. "Es geht um Gleichberechtigung", so Gersters Fazit, die Gendern in der Sprache als "Gewöhnungsfrage" bezeichnete.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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