In seinem zweiten Fall sind Kommissar Sievers (Peter Heinrich Brix) und seine jüngeren Kollegen auf der Suche nach dem Mörder einer Pflegerin in einem Sylter Altenheim. Die Leiche wird in einem Strandkorb gefunden.

Starren Blicks sitzt eine Tote am Sylter Strand – in einem Strandkorb. Während Kommissar Sievers (Peter Heinrich Brix) noch die Spuren im Sand verfolgt, macht Kollege Feldmann (Oliver K. Wnuk) gleich den Profiler und setzt sich neben die Tote. Er will sich als Nachfolger seines Chefs profilieren, denn der will zurück nach Kiel, "weiter ins Landesinnere". Zuvor hat er Ina Behrendsen (Julia Brendler) gleich mal als seine Nachfolgerin ausgeguckt, indem er ihr Kompetenz und Sachverstand bescheinigt. Verständlich, dass sich die möglichen Nachfolger ihres Chefs später verbal immer wieder in die Haare geraten – ein running Gag, der im neuen "Nord Nord Mord"-Krimi recht gut funktioniert.

Weil die Mordspur aber alsbald ins nahe gelegene Altenheim führt, schiebt sich fortan ein gegnerisches Seniorentrio in den Vordergrund: 23 Jahre Seenotrettung auf dem Buckel und gut eingespielt. Dem zehnten Film der Reihe "Nord Nord Mord", dem zweiten mit Brix, gelingt es durchaus, die Balance zwischen Krimi und Komödie zu halten.

Es ist eine schlau-schöne Geschichte, die uns da der Autor Thomas Walendy (Regie: Christian Theede) in zuweilen üppigen Sylter Strand- und Dünenbildern erzählt. In einer Art Beachvolleyball-Match, um im Strandbild zu bleiben, stehen sich Sievers samt Kollegen und die drei alten Herren aus dem Seniorenheim gegenüber. Einer der drei ist dement, aber eben auch so schlau, dass er Hinweise auf den möglichen Mörder geben könnte. Wenn er es denn nicht selber war. Man hat den dementen Piet Pinter (Rolf Becker) in der Nähe der Toten am Strand aufgegriffen. Kopf des Altherrentrios aber ist Dieter Hallervorden als Olaf Bolt. Für ihn gilt es, Pinter zu retten, den Feldmann partout des Mordes überführen will. Dietrich Hollinderbäumer wiederum hat als Dritter im Bunde den ganz großen Trumpf im Ärmel, wenn er den von den drei Alten gekidnappten Feldmann von den Vorzügen einer Niederlage gegenüber Julia überzeugt: Mit einer künftigen Chefin sei der Sex doch viel besser. Zweifellos gewagt im Zeichen der Me-too-Debatte, aber zwischen den runden Metallwänden des zum Verlies gewandelten Sylter Leuchtturms durchaus überzeugend.

Der Strandkorbmörder ist da von Sievers und der Kollegin Julia schon gefunden. Der Weg führte über die Mutter der Toten, die ihre Tochter partout auf Sylt begraben will, zu einem Sylter Bestattunsinstitut. Vom Feinsten sind da die Urnen, die Sievers staunen lassen. "Zu schade, um sie in der Erde zu vergraben", meint Sievers. "Wir versenken sie in der Nordsee", sagt der Institutsinhaber stolz. Mehr sei hier nicht verraten – aber doch so viel, dass die Reise der drei alten Herren am Ende per Fischkutter gen Rio geht – ein wunderbares Bild. Den nahen Container, den Sievers gleich darauf auf dem Bildschirm hat, muss er ziehen lassen. Entern, so sagt er, sei nun mal nicht erlaubt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst