Am Abend vor den Duetten sind traditionell die Gastgeber dran bei "Sing meinen Song": The BossHoss. Deren Lieder klingen in den Interpretationen der anderen mal poppig, mal rockig. Und zwischendurch wird es wieder emotional.

The BossHoss, die wohl einzig erfolgreiche deutsche Countryrock-Band, spielen oft und gerne mit Klischees: In ihren Videos und auf Konzerten sieht man Cowboyhüte, Stiefel, leicht bekleidete Frauen. Doch an diesem Abend steht beim Vox-Tauschkonzert die Musik der Band im Vordergrund.

Die schreibt Sascha Vollmer (genannt Hoss Power) grundsätzlich selbst, ebenso wie die Texte, während Alec Völkel (genannt Boss Burns) etwa für das Design der Bühnenshows verantwortlich ist. Kennengelernt haben sich die beiden mit Anfang 30 in einer Berliner Werbeagentur – Spätstarter der Musikszene.

Und jetzt, mit Mitte 40, also ein Tauschkonzert – "mit einer tollen Gang", wie die beiden zum Eingang dieser letzten regulären Sendung der "Sing meinen Song"-Staffel sagen. Und die Chance für die beiden, wirklich als Musiker und Songschreiber wahrgenommen zu werden, wie Sascha Vollmer sagt. Als Moderator springt Mark Forster ein, der das Ganze sehr charmant meistert. Zur Feier des Tages tragen The BossHoss besonders schick glänzende Lederjacken und sind direkt beim ersten Song begeistert. 

The BossHoss auf Deutsch

Los geht es mit Michael Patrick Kelly, "Stadion-Paddy", wie Moderator Mark Forster liebevoll sagt, der sich den Song "Stallion Batallion" von 2007 ausgesucht hat. Eine gute Wahl, ist es doch laut Alec Völkel die "heimliche BossHoss-Hymne, die das Lebensgefühl der Band beschreibt". Und das ist offenbar doch mehr Rock 'n' Roll als Country. Kelly gibt auf der Bühne alles, headbangt mit dem kleinen Publikum, schwenkt wild das Mikro und hat sichtlich Spaß dabei. "Paddy ist ein Rockstar", lautet dann auch Mark Forsters Kommentar und auch The BossHoss sind angetan. 

Danach ist Forster selbst dran, der mit der Songauswahl seine Schwierigkeiten hatte. "Ihr seid als Cowboys mehr so Tarantino, ich mehr so Unsere kleine Farm", sagt er und präsentiert danach seine ganz eigene Version von "A Cowboy's Work Is Never Done" von 2015. Dafür hat er den Text ins Deutsche übersetzt und rappt und singt ihn, eben auf Mark-Forster-Art. Schnell hält es keinen mehr auf dem Sofa, alle singen und klatschen beim Chorus "Hey now" mit. "Das ist sofort ein Ohrwurm", konstatiert Lena Meyer-Landrut und Michael Patrick Kelly fasst zusammen: "Alles, was Mark anfasst, ist wirklich wirklich gut".

Dann erzählen Vollmer und Völkel noch ein bisschen aus dem Band-Nähkästchen. Vom "magischen Moment" des Kennenlernens in der Werbeagentur etwa, als beide eigentlich schon mit dem Traum vom Rockstar-Dasein abgeschlossen hatten. Und von der gemeinsamen Idee, "Energie in Musik zu finalisieren", wie Völkel sagt, "da wurde die Leidenschaft nochmal neu entfacht".  

Moses Pelham singt zum ersten Mal

Leidenschaftlich wird es auch bei Moses Pelham, der sogar mit einer Premiere aufwartet: Er singt. Dafür hat der Rapper und Produzent zwei Songs miteinander kombiniert, "Sex on Legs" von 2011 und "A Cowboy's Work Is Never Done". Auf der Bühne zieht er sich erstmal seine Jacke aus und sorgt schon damit für die ersten Begeisterungsstürme. Mit neuem Text versehen und vielen Elementen aus Rock, Elektro und Hiphop präsentiert er den Song und singt, "mit großer Freude", wie er hinterher sagt. The BossHoss sind ganz gerührt. 

Danach geht es für die Band selbst auf die Bühne, die eines ihrer älteren Lieder spielt, "Mary, marry me" von 2006. Und erzählen auch gleich noch die Geschichte dazu: Mary nämlich kommt nicht nur in diesem Lied vor, sondern auch auf weiteren Alben der Band, die Liebesgeschichte wurde fortgeführt. "Am Anfang war es ein Zufall, ein lustiges Wortspiel", sagt Sascha Vollmer, "aber dann kam es so gut an und wir dachten, nehmen wir das doch wieder mit auf".

Beide haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Vollmer beginnt, singend und mit Gitarre, Völkel übernimmt ab der zweiten Strophe. Wie viele BossHoss-Lieder ist auch dieses eingängig und eher simpel. Die große Stärke der Band ist ihr Duettgesang, die beiden unterschiedlichen Stimmen passen zusammen. "Man merkt einfach, das sind beste Freunde und daraus entsteht Musik", kommentiert Michael Patrick Kelly treffend.

Anschließend ist Gentleman dran, der seinem Song "Today tomorrow too long too late" von 2015 selbstverständlich Reggae-Vibes verleiht. Dazu hat er neue Strophen geschrieben, den Chorus aber beibehalten. Das neu geschaffene Lied passt gut zur gelösten Atmosphäre des Abends, sofort stehen alle auf und singen mit, Lena und Stefanie Kloß Arm in Arm. Kelly fühlt sich hinterher an Bob Marley erinnert und auch die Gastgeber sind begeistert. "Man merkt einfach, dass das Vollblutmusiker sind", sagt Gentleman selbst zu seiner Kreation, "das macht großen Spaß". 

Cowgirls mit Ukulelen 

Zum Abschluss des Abends sind die beiden Damen der Runde dran. Lena Meyer-Landrut macht dabei den Anfang mit "Break Free" von 2009. Sascha Vollmer ist direkt begeistert: "Das ist einer unserer Lieblingstitel", während sich Alec Völkel noch für seine Schmalzfrisur aus dem alten Video schämt. "Das steht für eine andere Seite von BossHoss, eher sanft, musikalisch neu", freut aber auch er sich auf den Song.

Dementsprechend fällt auch Lenas Interpretation aus: eher ruhig und poppig. Und zwischendurch scheint sie tatsächlich loszulassen und tanzt auf der Bühne. Das kommt an: "Ich habe vergessen, dass wir uns in einer BossHoss-Sendung befinden, ich dachte, das wäre der neue Lena-Song", zeigt sich Mark Forster beeindruckt. Sascha Vollmer zeigt sich ganz gerührt: "Das ist so eine Ehre - meine Tochter ist ein Fan von dir und jetzt singst du einen Song von Papa."

Nach einem kurzen Ausflug Richtung Film (im neuen "Hanni und Nanni" spielt Vollmer den Papa der Zwillinge, "aber eigentlich mich selbst", wie er sagt) ist dann Stefanie Kloß dran. Sie hat ihre Band Silbermond mitgebracht und liefert eine rockige Version von "Liberty Of Action" ab. Viel Gitarrensound begleiten den kraftvollen Gesang - ein stimmiger Abschluss. 

Das finden offenbar auch The BossHoss. Stefanie bekommt nämlich eine der Ukulelen für den Song des Abends (weil sie zu zweit sind, dürfen sie auch zwei vergeben), die andere geht von Sascha Vollmer an Lena, mit einer innigen Umarmung des sichtlich immer noch gerührten Musiker-Papas. Und nach einer ebenso gefühligen Gruppen-Umarmung sind sich alle einig: Zum Glück ist das noch nicht das Ende von "Sing meinen Song": In der nächsten Woche wartet der Duettabend.

In Kooperation mit RP ONLINE.