Dürfen Menschen mit Down-Syndrom heiraten? Der ARD-Film "So wie du bist" packt ein heikles Thema an – und erzählt es kitschbefreit.

Emotional behindert. So will sich die frisch pensionierte Richterin Helene (Gisela Schneeberger) nun wirklich nicht nennen lassen. Vielleicht trifft sie diese Bezeichnung auch deshalb so hart, weil sie nicht ganz aus der Luft gegriffen ist. Die geschiedene Helene lebt allein, ihren einzigen Sohn vergraulte sie vor Jahren bei einem schlimmen Streit. Ihr geordnetes, aber einsames Leben bekommt durch die 20-jährige Michalina (Juliana Götze) einen heilsamen Stoß. Michalina hat das Down-Syndrom und sieht die Welt ein wenig anders als Helene. Trotzdem oder vielmehr gerade deshalb verändert sich das Leben beider Frauen zum Besseren. Von dieser emotionalen Reise erzählt Regisseur Wolfgang Murnberger in "So wie du bist" mit einer guten Balance zwischen Komödie und Drama, was den Film zu einem besonders schönen Beitrag am "Film-Mittwoch im Ersten" macht.

Gerade mal ein paar Stunden ist Helene in Rente, und schon kracht es. Ein wenig beschwipst vom Sekt mit den Kollegen verursacht die überkorrekte Perlenkettenträgerin auf dem Heimweg einen Autounfall. Der Fahrer des anderen Wagens ist schwer verletzt und muss ins künstliche Koma versetzt werden. Seine Tochter Michalina saß mit im Wagen, blieb aber unverletzt. "Frau am Steuer: Ungeheuer" urteilt die junge Frau lachend über Helenes Fahrkünste, und es ist klar: Die unterkühlte Dame ist ihr aus unerfindlichen Gründen sympathisch.

Das entgeht auch Michalinas Betreuer Charly (Cornelius Obonya) nicht, und er hat eine Idee. In der Abwesenheit ihres Vaters braucht Michalina, die unter der Woche in einer Behindertenwerkstatt arbeitet, samstags und sonntags eine Bleibe. Helene (Gisela Schneeberger) ist von dem Vorschlag, Michalina zeitweise zu sich zu nehmen, überhaupt nicht begeistert, aber sie fürchtet nach ihrem Unfall mit Alkohol am Steuer um ihren Ruf und braucht ein wenig gute Presse. Aus der egoistischen Aktion wird schnell eine Herzenssache, denn Michalina erobert das verschrumpelte Herz der Pensionärin, ohne dass die sich dagegen wehren kann.

Und es gibt da auch etwas, das Helene für ihre neue Mitbewohnerin tun kann: Michalina möchte ihren Freund Sebastian (Sebastian Urbanski) heiraten, aber das Gesetz versagt ihr diesen Wunsch. Außerdem sind die Eltern Sebastians strikt gegen die Beziehung der beiden und zwingen ihren Sohn, in ein anderes Heim zu wechseln und sich von Michalina fernzuhalten. Das will Helene nicht hinnehmen und lässt ihre Kontakte spielen.

Es ist einmal mehr eine Freude, Gisela Schneeberger zuzuschauen. Die spröde Fassade Helenas lässt sie nur langsam aufbrechen und bewahrt ihrer Figur stets ihre Würde. Eine ebenso tadellose Leistung liefern Juliana Götze und Sebastian Urbanski ab, die als Liebespaar, das nicht ernst genommen wird, überzeugen.

Noch in diesem Jahr kehrt Gisela Schneeberger auf die Kinoleinwand zurück. In der Fortsetzung der bayerischen Erfolgskomödie "Eine ganz heiße Nummer" (2011) ist sie ab 3. Oktober an der Seite von Rosalie Thomass und Bettina Mittendorfer zu sehen. Sorgten Waldtraud (Schneeberger), Lena (Thomass) und Maria (Mittendorfer) im ersten Teil noch mit einer Sexhotline für Furore im Dorf, wollen sie in der Filmfortsetzung bei einem Tanzwettbewerb absahnen. Mit dem Preisgeld will das Trio eine neue Internetleitung für Marienzell finanzieren und damit die Landflucht aus dem Dorf aufhalten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst