Lena Odenthal und Johanna Stern ermitteln nicht nur in einem merkwürdigen Mordfall, sie haben auch immer noch den Weggang von Kopper zu verarbeiten.

Es dauert zwar nicht lange in diesem Tatort, bis man versteht, worum es geht – Soldaten tauchen schließlich zur Genüge auf: als Aktenvermerke eines toten Psychologen, der sich mit Kriegstraumata beschäftigt hat, als Vertreter der US-Armee auf Staatsbesuch in Deutschland, als vermeintliche IS-Kämpfer, die sich als Soldaten Gottes verstehen – doch es dauert lange, bis man versteht. Die wirklichen Zusammenhänge nämlich, die entwickeln sich erst langsam.

Dabei, und das ist eine der Stärken von „Vom Himmel hoch“, versuchen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) nicht nur, besagten Mord aufzuklären, sondern auch, ein eventuell noch bevorstehendes Verbrechen zu verhindern. Während die ersten Spuren dabei für den Zuschauer noch nachvollziehbar bleiben, gibt es immer wieder auch Szenen, bei denen er – stellvertretend für die Ermittler – im Dunkeln tappt. Wer zum Beispiel ist diese US-Soldatin, die sich auffällig nervös verhält und merkwürdige Telefongespräche führt? Und: Mit wem spricht sie da überhaupt?

Und zwischendurch, und das ist eine weitere Stärke, da greift dieser Tatort die Leerstelle auf, die ein gewisser Mario Kopper – über 20 Jahre Partner von Lena Odenthal – in dieser Krimireihe hinterlassen hat. Beim Zuschauer, aber auch bei Odenthal selbst. Und so überzeugend sich Lisa Bitter in ihre Rolle als zweite Hauptdarstellerin auch eingefunden hat, so stark sie die Johanna Stern auf den Bildschirm bringt, so sehr merkt man: Hier fehlt noch etwas. Hier ist etwas noch nicht verarbeitet. Womit sich der Kreis zum aktuellen Fall der beiden Kommissarinnen wieder schließt. Denn um eine unverarbeitete Vergangenheit geht es am Ende auch da.

Schauspielerisch ist das nicht immer ganz auf der Höhe, insbesondere das US-Militär, das in diesem Tatort eine nicht unerhebliche Rolle spielt, wirkt oft hölzern – und damit ist nicht die dieser Berufsgruppe eingeschriebene Hölzernheit gemeint. Doch auch Max Tidof als Oberstaatsanwalt ist etwas zu sehr in die Schublade des Typs kauziger Privatdetektiv geraten – wobei man diesem Versuch noch zugestehen könnte, mal etwas frischen Wind in die Personalkiste deutscher Krimis zu bringen.

Doch auch Highlights hat "Vom Himmel hoch" zu bieten. Lena Drieschner als US-Soldatin Heather Miller etwa, die sich bravourös in ihre Zerrissenheit fallen lässt und bei der man die Labilität in jedem Blick spürt, in jedem Satz durchscheinen hört und mit jeder Bewegung das Aufbäumen gegen die Realität wahrnimmt. Oder Kailas Mahadevan als Gerichtsmediziner Hakan Özcan, dem zwar nur eine kleine Sequenz zugestanden wird, der in dieser aber sogar so etwas wie Witz versprüht – ein wenig morbid vielleicht, aber für ein schmales Grinsen dürfte es bei vielen Zuschauern reichen.

Die eigentliche Schwäche aber ist die Fallhöhe zwischen dem kleinen Drama, dass sich in diesem Tatort versteckt und der vermeintlich groß angelegten, bedeutungsschwangeren Geschichte, die weder dramaturgisch noch von den Darstellern aufgefangen werden kann – und von den hin und wieder eingestreuten, aber überflüssigen Einspielern erst recht nicht. Einer gewissen Spannung tut das keinen Abbruch, die ein oder andere gut gemachte Wendung inklusive, in die Tatort-Geschichte eingehen werden diese 90 Minuten jedoch nicht. Für einen unterhaltsam Abend immerhin reicht es – und das ist ja auch was wert.