Ein mittelprächtiger Tom Hardy als tumber Tor: Überfälle aufs Lokal sind dem Barmann in "The Drop – Bargeld" ziemlich schnuppe, solange er seinen Hund hat.

Jeder hat eben seine eigenen Probleme. Zwei maskierte Bewaffnete haben gerade die Tageseinnahmen mitgenommen, und Barmann Bob Saginowski (Tom Hardy) wird dem tschetschenischen Gangster, der den Laden führt, das geraubte Geld zurückzuerstatten müssen. Doch Bob ist mit den Gedanken ganz woanders: Er hat zum ersten Mal einen Hund! Was für eine Verantwortung! Unbeholfene Tierliebe hier, brutaler Verbrechensalltag dort – mit dem absurden Kontrast erntet Michaël R. Roskams leicht grotesker Thriller "The Drop – Bargeld" (2014), den ProSieben erstmals im Free-TV zeigt, Schmunzler. Die meiste Zeit übt er sich aber in Verrätselungen mit oft magerer Auflösung.

Mit dem Hund, einem kleinen Pitbull, geht's los. Tom Hardys Bob Saginowski findet das wimmernde Bündel, das er "Rocco" nennen und lieben wird, in der Mülltonne vor dem Haus der verängstigt wirkenden Nadia (Noomi Rapace). Eine leicht verwackelte Kamera deutet an, dass die beiden beobachtet werden. Wird Nadia bedroht – oder ist Bobs Begegnung mit ihr irgendwie abgekartet? Die Frage darf man im Kopf behalten, weil Nadia sich später merkwürdig benimmt und es verwirrend weiter geht.

Den Überfall auf Cousin Marvs Bar, wo Bob arbeitet, wollen zwei abgerissene Typen eigentlich verschieben – und verüben ihn dann doch. Ihr Auftraggeber ist Cousin Marv (James Gandolfini) selber, der nicht verwinden kann, jetzt seine Bar nur noch für den tschetschenischen Mafioso Chovka (Michael Aronov) zu führen. Bob bekommt indessen Besuch von dem durchgeknallten, angeblichen Mörder Eric Deeds (Matthias Schoenaerts), der behauptet, Rocco gehöre ihm, und 10.000 Dollar verlangt, wenn Bob ihn behalten will.

Es passiert so viel oder wird nur angedeutet, dass man das Auftreten von Detective Torres (John Ortiz), der gegen Chovka ermittelt, fast vergessen würde. Nur – ist all das tatsächlich wichtig? Der amerikanische Schriftsteller Dennis Lehane lieferte schon die Vorlagen für Filme wie "Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel" und "Mystic River". Für "The Drop – Bargeld" arbeitete er eine seiner Kurzgeschichten um, und das merkt man deutlich. Der Zuschauer fühlt, dass die Pointe herausgezögert wird, die am Abend des Superbowl-Endspiels zünden soll. Dann wird Marvs Bar zur "Drop Bar", denn Chovka lässt dort die Einnahmen seiner illegalen Geschäfte deponieren.

Und ausgerechnet der Mann, der die komplizierte und dann plötzlich recht banale Geschichte zusammenhalten soll, verirrt sich unterwegs im Labyrinth seines Charakters. Tom Hardys Fangemeinde wächst, auch unter Kritikern. Aber ebenso wenig wie Lehanes Drehbuch zu "The Drop – Bargeld" wird Hardy dem angedachten Facettenreichtum des scheinbar höchst einfältigen Bob Saginowski gerecht. Man kann nicht in einer Szene den tumben Tor markieren, der 10.000 Dollar für einen Pitbull zu bezahlen bereit ist, und in der nächsten Cousin Marv mit psychologischem Röntgenblick fragen, ob er nicht vielleicht gerade eine Verzweiflungstat plane.


Quelle: teleschau – der Mediendienst