Die Amazon-Serie "The Man in the High Castle" spielt in einem alternativen Amerika der 60er-Jahre – und ist dennoch erschreckend aktuell. Jetzt startet die dritte Staffel.

Als Amazon vor knapp drei Jahren die erste Staffel von "The Man in the High Castle" ins Programm nahm, war die Prämisse der Serie noch eine Provokation: Amerika, so erzählt es die Verfilmung des Romans "Das Orakel vom Berge" von Philipp. K. Dick, hat den Zweiten Weltkrieg verloren und ist ein faschistischer Staat geworden. Nazis in Amerika? Mit einem Präsidenten im Weißen Haus, der rechtsradikale Demonstranten in Schutz nimmt, klingt das für manchen vielleicht auf einmal gar nicht mehr so abwegig.

Beworben wurde die dritte Staffel, die jetzt bei Amazon Prime Video zum Abruf bereitsteht, mit einem kämpferischen Hashtag: "#RESISTANCERISES". Gemeint war damit wohl, dass sich in den neuen Folgen der Widerstand gegen die Nazi-Besatzer im Westen der USA und gegen die Japaner im Osten des Landes verstärkt – das deutete schon der vor einigen Wochen veröffentlichte Trailer an. Bei Twitter aber wurde das Hashtag schnell umgedeutet: als Aufruf zum Widerstand gegen Donald Trump.

Doch bei all den (unbeabsichtigten) Parallelen zum Amerika von heute: "The Man in the High Castle" ist in Staffel drei mehr Science-Fiction als politischer Kommentar. In der Welt des Jahres 1962, in der die Serie spielt, streben die Nazis endgültig nach der Weltherrschaft. Der Atomschlag gegen Japan konnte zwar abgewendet werden, nun aber wollen die Nazis mithilfe von Paralleluniversen die Macht an sich reißen. Zusammen mit dem berüchtigten Dr. Mengele will der amerikanische Obergruppenführer John Smith (Rufus Sewell) die neu entdeckte Technologie an Menschen testen.

Derweil wird in Smiths Heimat der Widerstand gegen die Besatzer immer heftiger. Mittendrin befindet sich noch immer Widerstandskämpferin Juliana Crain (Alexa Davalos), die zu Beginn der neuen Staffel überrascht feststellt, dass ihre totgeglaubte Schwester Trudy noch am Leben ist. Doch Trudy scheint einem jener Paralleluniversen zu entstammen, aus dem auch die geheimnisvollen Filmrollen kommen, die der titelgebende "Man in the High Castle" sammelt. Die Aufnahmen zeigen die Welt, wie wir sie kennen – mit einem freien Amerika und einem besiegten Deutschland. Die perfekte Propagandawaffe also im Kampf gegen die verhassten Besatzer.

Mit Staffel drei wird "The Man in the High Castle", trotz einer bedächtigen, bisweilen gar schleichend langsamen Erzählweise, immer komplexer. Bei Amazon scheint man sich dieser Problematik bewusst zu sein und hat auf YouTube eine halbstündige Zusammenfassung der ersten beiden Staffeln bereitgestellt. Denn das hat die Welt von heute mit ihrer alternativen 60er-Jahre-Version auf jeden Fall gemeinsam: sie wird immer komplizierter. Auch wenn manch einer sich lieber an einfache Wahrheiten hält.


Quelle: teleschau – der Mediendienst