Burkhard Klaußner spielt einen betulichen Witwer, der ungebetene Gäste in sein Haus lädt, mit denen er schon bald selbst nichts mehr zu tun haben möchte...

Es ist wie ein Märchen aus alten Zeiten, ein böses wohlgemerkt: Der Nebel wabert um das palastartige Anwesen hoch oben auf dem deutschen Mittelgebirgshügel, wo Witwer Josef (Burghart Klaußner) inmitten von Staub und Spinnweben einer eher trostlosen Einzelgänger-Zukunft entgegendämmert. Vor zwei Monaten erst hat er Frau und Sohn verloren. Immer wieder führt ihn der Weg ans Grab, zur stillen Trauer – und zu unverhofften Begegnungen. Denn eines Tages umarmt den Einzelgänger eine lebensfrohe Rothaarige, die Theaterschauspielerin Nina (Heike Trinker), die sich als Cousine von Josefs verstorbener Gattin vorstellt. Doch damit nicht genug: Sie hat auch noch ihren erwachsenen Sohn Simon (David Imper) im Schlepptau. Beide sind nur die Vorhut einer regelrechten "Invasion" (2011) – so der Titel von Regisseur Dito Tsintsadzes unausgegorener Mischung aus Thriller und Psycho-Kammerspiel -, die über Josefs Haushalt hereinbricht. Das Erste zeigt den Film zu später Stunde zum ersten Mal.

Höflich, aber eben auch etwas unbeholfen nimmt der Schlossherr die ungebetenen Gäste mit nach Hause. Zunächst nur für eine Nacht, doch dann zieht das Mutter-Sohn-Gespann bei ihm ein – vorübergehend, wie es heißt. Damit nicht genug: Wenig später tauchen auch Simons Ehefrau Milena (die österreichische Sängerin Anna F.) sowie deren verschlossener Sohn Marco (Jasper Barwasser) auf. Die gesamte Sippe möchte eigentlich Arbeit und eine eigene feste Bleibe suchen – und liegt doch nur Josef auf der Tasche.

Der nimmt den unerwarteten Familienzuwachs mit einer Mischung aus scheuer Freude, wachsender sexueller Anziehung (gegenüber Milena) und onkelhafter Gelassenheit (gegenüber Marco) auf. Doch spätestens als sich auch noch der hoch manipulative Konstantin (Merab Ninidze), der erkennbar dubiose Osteuropa-Machenschaften dirigiert und Kriminelle in sein neues "Büro" schleust, dreist in Josefs Ledersessel fläzt, wird es dem Hausherren zu viel. Mehr noch: Konstantin hält Josef – und stellvertretend mit ihm "den Deutschen" – vor, dass sie zu gutmütig und abgeschlafft seien.

Irgendwann nervt jeder Gast. Und Josef versucht, die "Invasions"-Brut wieder vor die Tür zu setzten. Aus naheliegenden Gründen ist dies – tief im letzten Drittel eines eher zäh als dramatisch rasch voranschreitenden Films – gar nicht mehr so einfach. Der gutmütige Biedermann, der die Brandstifter wie in der bekannten Theatergroteske von Max Frisch erst einmal ins Haus geholt hat, wird diese nicht mehr los.

Dem in Berlin lebenden Georgier Dino Tsintsadze ("Schussangst"), der mit Klaußner bereits den Film "Der Mann von der Botschaft" gedreht hat, macht es sichtlich Freude, mit den Versatzstücken aus Horror- und Psycho-Tradition zu spielen und Zuschauer-Erwartungen zu sabotieren. Dennoch stellt sich kaum Spannung ein, und sein Film agiert über weite Strecken so hüftsteif und betulich, wie sein Klischee-Hauptdarsteller offenbar wirken soll.


Quelle: teleschau – der Mediendienst