Nach einem Hai-Angriff sitzt Blake Lively auf einem Felsen im Meer fest. Sie muss schnell da weg, sonst verblutet sie. Doch der Große Weiße zeigt bedrohlich seine Kreise. Wer einer Prise Trash nicht abgeneigt ist, für den brennt "The Shallows – Gefahr aus der Tiefe" ein Feuerwerk des Nervenkitzels ab.

Nicht mal 200 Meter bis zum Strand. Der Schenkel blutet wie verrückt, vielleicht die Beinschlagader. Der Große Weiße kreist und kreist. Einfach rüberschwimmen? Er wäre immer schneller. Auf Hilfe hoffen? Kein Mensch weit und breit. Zugegeben: Besonders wahrscheinlich ist das Szenario nicht, das "The Shallows – Gefahr aus der Tiefe" (2016, nun bei RTL als Free-TV-Premiere zu sehen) entwirft. Doch wen interessieren schon irgendwelche Wahrscheinlichkeiten, wenn es darum geht, Thriller-Spannung aufzubauen?

Der Auftakt verspricht viel. Die junge Aussteigerin Nancy (Blake Lively) erreicht nach langer Suche endlich den Strand ihrer Träume. Die Wellen sind gut, aber irgendwas fühlt sich nicht richtig an. Da! Ein Schatten im Azurblau. Dann geht alles ganz schnell: Das Brett schnellt weg, Blut tritt hervor.

Keuchend klammert sich Nancy oben auf einem Felsen fest, der ein klein wenig aus dem Wasser ragt. Als Medizinstudentin weiß Nancy: Mit dieser Fleischwunde wird sie langsam aber sicher verbluten. Nachdem sie sich eine Weile die Seele aus dem Leib gebrüllt hat, wird ihr klar, dass ihr keiner helfen wird ...

Über so manchen groben Logikfehler tröstet die Spannungskurve hinweg, die dem Zuschauer kaum Atempausen gönnt und keine Längen zulässt. Außerdem ist "The Shallows" – und das nicht nur wegen seiner Hauptdarstellerin – über weite Strecken ein echter Augenschmaus und punktet mit teils spektakulären Kameraeinstellungen.

Bemerkenswerterweise ist es die moderne Technik, die Nancy Vorteile im Kampf gegen den Hai verschafft. So spielt besonders eine Helmkamera eine entscheidende Rolle in ihrem Überlebenskampf. Ebenso wichtig: die Möwe, die Nancy auf ihrem Felsen Gesellschaft leistet. Sie kann als Zitat des tröstlichen Volleyballs im Survival-Drama "Cast Away – Verschollen" (2000) gelesen werden. Doch: Die gleichen schauspielerischen Höhenflüge wie jene von Tom Hanks sollte man hier nicht erwarten.

Dafür zwingt der spanische Regisseur Jaume Collet-Serra ("Non-Stop") seine Zuschauer dazu, sich zu fragen: Was würde ich an Nancys Stelle tun? Wie viel würde ich riskieren, um zu überleben? Trotz aller Klischees, die der Film zweifelsohne bedient, ist diese Frage durchaus spannend. Einen Rat sollten jedoch selbst geneigte Filmfans befolgen: Bloß nicht vor dem nächsten Badeurlaub anschauen!


Quelle: teleschau – der Mediendienst