In der zweiten Staffel der Serie "The Terror" ist alles anders: Das Setting, die Figuren, die Geschichte. Nur der Horror bleibt. In US-Internierungslagern im Zweiten Weltkrieg treibt ein blutrünstiger Geist aus der alten Heimat der Gefangenen sein Unwesen.

Es war eine eigenwillige, mithin beängstigend-düstere Interpretation einer im Jahr 1846 gescheiterten Arktis-Expedition, die "The Terror", eine von Amazon Prime übernommene TV-Produktion des US-amerikanischen "The Walking Dead"-Senders AMC, in der ersten Staffel wagte. Nun springt die erneut von Ridley Scott ko-produzierte Serie fast hundert Jahre in der Zeit und beschäftigt sich mit einem düsteren Kapitel der US-Geschichte. 120.000 japanischstämmige Amerikaner wurden während des Zweiten Weltkriegs in Internierungslagern eingepfercht. Als wäre das nicht schlimm genug, bekommen die Gefangenen ungebetenen Besuch eines übersinnlichen Wesens, das alles andere als freundlich gesinnt ist.

"The Terror" ist eine Anthologieserie: Es gibt in der zweiten Staffel (ab 16. August verfügbar) keine Fortsetzung sondern eine neue Geschichte, neue Figuren, neue Darsteller. Das verbindende Element ist der Horror, der von einem Geist ausgeht. Wirklich gruselig ist vordergründig aber nicht viel, außer vielleicht einige der belanglosen Dialogzeilen, die den zehn Episoden ziemlich viel Kraft rauben.

In "The Terror" sucht ein dunkler Geist, der in Gestalt einer jungen Frau (Kiki Sukezane) daherkommt, die Familie von Chester (Derek Mio) heim, die auf einer kleinen kalifornischen Insel eine bescheidenes, aber rechtschaffenes Fischer-Dasein führt. Der Vater wanderte vor Jahrzehnten aus Japan ein, Chester selbst wurde in den USA geboren. Für den jungen Mann ist die Insel definitiv zu klein: Er will die Welt sehen, zumindest aber die USA. Anders als seine Verwandten hat er kein Problem damit, mit "anderen" Kulturen in Kontakt zu treten. Sein bester Kumpel ist ein "weißer" Matrose, seine Freundin hat hispanische Wurzeln.

Doch Chesters Pläne werden zunächst von einigen mysteriösen Todesfällen durchkreuzt und dann von den Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräften. Nach dem Angriff auf Pearl Habor am 7. Dezember 1941 stellten die USA jeden Menschen, der irgendwie japanisch aussah, unter Generalverdacht. Chesters Familie wird deportiert und wird nicht nur von den Behörden schikaniert sondern auch von einem grausamen Geist.

"The Terror" mischt auch in der zweiten Staffel einen historischen Stoff mit Fantasy- und Horrorelementen. Die Serie spielt virtuos auf der Klaviatur des J-Horrors, der mit Filmen wie "Ringu" ("The Ring") und "Ju-On" ("The Grudge") vor mehr als zehn Jahren zu einem popkulturellen Phänomen aufstieg. Für Terror, Abscheu und Schrecken ist aber weniger der "Y?rei" zuständig, dafür sorgen die staatlich sanktionierten Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

"Infamy" – "Schande"-, ist der Untertitel der zweiten "The Terror"-Staffel, und die ist bis heute nicht aufgearbeitet. Mindestens genauso schlimm ist, dass sie sich überall auf der Welt wiederholt. Zum Beispiel in den sogenannten "Ankerzentren" – eine euphemistische Frechheit von Bezeichnung für Lager, in denen Menschen festgehalten werden, die von der Gesellschaft unter Generalverdacht – Terrorgefahr!, Wohlstandsschmarotzer! – gestellt werden.

Angst und Paranoia sind allerorten, das Fremde ist die Gefahr: "The Terror" destilliert daraus ein Gefühl des Unbehagens. Einer der den Serienmachern Max Borenstein and Alexander Woo aus erster Hand von den Ungeheuerlichkeiten berichten konnte, ist George Takei, der in der Staffel als alterndes Familienoberhaupt auftritt: "Mr. Sulu" aus "Star Trek" und seine Familie haben die Deportierung und Internierung einst selbst erlebt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst