Vor 13 Jahren wurde die Tochter einer FBI-Agentin ermordet, nun gibt es eine neue Spur. Der Mystery-Thriller "Vor ihren Augen" lässt den Zuschauer-Atem stocken, noch Stunden später fühlt man sich verfolgt. Denn es ist ein Film über Besessenheit, die bekanntlich nicht loslässt.

Ein Bild: Picknick, Gemurmel, Gelächter, bunte Stimmung im Freien. Das nächste: Dunkelheit, eine junge Frau, die sich zu wehren versucht, Geschrei, Blut. Und dann: Der FBI-Ermittler Ray (Chiwetel Ejiofor) an seinem Schreibtisch, vor ihm der Monitor mit tausenden von Gefängnis-Insassen. Er betrachtet jeden einzelnen, sucht nach dem einen, der nicht nur ein Leben ausgelöscht, sondern auch das von drei weiteren zu Grunde gerichtet hat. ZDF zeigt den vielschichtigen Mystery-Thriller "Vor ihren Augen" am 8. Oktober (22.15 Uhr) in einer Free-TV Premiere.

2015: Nach einer scheinbar endlosen Recherche hat Ray endlich wieder eine Spur im Vergewaltigungsdelikt "Caroline Cobb". Er kehrt zurück nach Los Angeles. Dort hatte sich vor 13 Jahren kurz nach dem 11. September das Verbrechen abgespielt. Ray und Jess (Julia Roberts), seine damalige Kollegin und enge Freundin, finden in der Mülltonne eines Parkhauses das Opfer: Es ist Caroline, die Tochter von Jess. In diesem Moment wird der FBI-Agentin der Sinn des Lebens entzogen.

Auch Ray verliert den Boden unter den Füßen. Bei der Aufklärung des Mordes erhalten die beiden von der Staatsanwältin Claire (Nicole Kidman) Unterstützung. Schuldgefühle, Rachegelüste und der Wunsch nach Gerechtigkeit überschatten von nun an das Leben der drei. Der Fall wird nie gelöst, obwohl der Mörder immer wieder zum Greifen nah war und sogar ein Geständnis abgelegt hatte. Doch als Informant stand dieser unter dem Schutz des Staates.

Die Jagd nach dem Mörder wird zur Besessenheit. Dabei geht es am Ende um mehr als nur einen ungeklärten Mord. Es geht um unabgeschlossene Kapitel, ungesagte Worte, unerfüllte Begierden und wohl auch das ein oder andere Geheimnis. Der Film lässt eine subtile Stimmung spüren, die beklemmt, einnimmt, sich nicht zeigt und doch da ist. Eine weitere Dimension eröffnet sich – eine Handlung unter der Handlung, die das Verborgene vorantreibt.

Dies gelingt durch die Flashbacks innerhalb des Plots auf zwei Zeitebenen, die sich zum Teil relativ unbemerkt abspielen – ob wir uns im Jahr 2015 oder 2002 befinden, das ist aufgrund sanfter Schnitte manchmal nicht sofort erkennbar. Irritation stellt sich ein, Unsicherheit macht sich breit. Vor allem aber setzt die Leistung von Julia Roberts und Nicole Kidman den Grundstein für die sinnlich verstörende Stimmung.

Unter dem Motiv Besessenheit schufen Regisseur Billy Ray und Produzent Mark Johnson eine Adaption des argentinischen Thrillers "El Secreto De Sus Ojos" von Juan Campanella, der 2010 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde. "Vor ihren Augen" zieht den Zuschauer mit den abgründigen Seiten des Menschseins in den Bann und lässt jeden mit einem Gefühl von Unsicherheit und Verstörung zurück.


Quelle: teleschau – der Mediendienst