"ZDFzeit"-Doku

Provinz oder Großstadt – wo leben Familien am besten?

von Rupert Sommer

Nach den Senioren nun die Familien: Das ZDF wertet erneut die Ergebnisse der großen "Deutschland-Studie" aus, die der Sender in Auftrag gegeben hat. Diesmal steht die Frage im Fokus, wo deutsche Kinder am besten aufwachsen und wie es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bestellt ist.

ZDF
ZDFzeit: Wo leben Familien am besten?
Dokumentation • 10.12.2019 • 20:15 Uhr

Es ist ein altes Problem: In den Großstädten ist in der Regel der Arbeitsmarkt besonders attraktiv, und es werden die höchsten Gehälter gezählt. Nicht unwichtig, wenn man eine mehrköpfige Familie ernähren muss. Dennoch haben die dicht besiedelten Regionen Deutschland natürlich auch große Probleme. Es fehlt beispielsweise an bezahlbarem Wohnraum, und die Wartezeiten für einen Betreuungsplatz in Kitas oder Hort-Einrichtungen sind enorm. Die neue ZDF-Dokumentation "ZDFzeit: Wo leben Familien am besten?" geht der Sache am Dienstag, 10. Dezember, 20.15 Uhr, auf den Grund: Sind Familien auf dem Land glücklicher als in der Stadt?

Der Beitrag von Thomas Lischak, der verschieden Familien und ihre unterschiedlichen Lebensmodelle vorstellt und auch einen realen Stadt-Land-Testversuch begleitet, basiert auf fundierten sozio-demografischen Erkenntnissen, die dem Sender die große "Deutschland-Studie" zur Verfügung stellte. Dafür hatte das ZDF bei dem Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos eine umfangreiche repräsentative Befragung weiter Teile der deutschen Bevölkerung in Auftrag gegeben. In der Vorwoche flossen die Ergebnisse schon in einen Report zum Leben der deutschen Rentner ein – auch im Rahmen der "ZDFzeit"-Dokumentationen.

Nun nahm Prognos für das ZDF die Alltagsbedingungen in 401 deutschen Kreisen und kreisfreihen Städten unter die Lupe – jeweils verbunden mit der Frage, wie sich ein angemessenes Leben mit Kindern organisieren lässt. Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: 78 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass ein Landleben für Kinder vorteilhaft ist. Nur zehn Prozent halten die Stadt für den besseren Ort für Kinder. Wie die Dokumentation belegen kann, sind für die rund elf Millionen Familien mit Kindern in Deutschland dabei Regionen im Umkreis von Großstädten besonders attraktiv.

Die Probe aufs Exempel macht Familie Häusser. Sie zieht für eine Woche rund 50 Kilometer vor die Stadtgrenzen Frankfurts, also der Stadt, in der sie normalerweise lebt. In der Gemeinde Dornau im Landkreis Miltenberg liegen die Durchschnittsmiete bei 23 Prozent des Nettoeinkommens – 39 Prozent müssen die Häussers in Frankfurt für ihre Wohnung abzwacken. Aber lebt es sich auf dem Land als Ex-Großstädter auch wirklich gut?

Eher ernüchternd wirken die Ergebnisse der "Deutschland-Studie", wenn man sie im Vergleich zu den Anreizsystemen setzt, die der Staat für Familien bereithält. Das eher klassische Rollenmodell, dass Väter arbeiten gehen und sich die Mütter in den ersten Lebensjahren der Kinder um den Nachwuchs kümmern, ist weiterhin stark verbreitet – trotz des Elterngelds, das als Kompensation für möglichen Verdienstausfall gezahlt wird. Die Studie zeigt, wie groß die regionalen Unterschiede dabei sind. So beziehen im Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) Väter im Schnitt 4,7 Monate Elterngeld, im Landkreis Hildburghausen (Thüringen) sind es dagegen nur 2,3 Monate. Mütter erhalten im Schnitt rund 14 Monate Elterngeld. Immerhin: Laut ZDF sind 67 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Väter länger Elternzeit nehmen sollten.

Die detaillierten Ergebnisse der "Deutschland-Studie" veröffentlicht das ZDF am Donnerstag, 28. November. Ein weiterer dokumentarischer Filmbeitrag dazu ist vorerst nicht geplant.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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