ZDF-Doku

"Wir Wunderkinder": Promis erinnern sich an die Zeit des Aufbruchs in den 50ern

von Elisa Eberle

Nach dem Zweiten Weltkrieg starten BRD und DDR in den 50ern in eine neue Zukunft. Prominente erinnern sich in einer zweiteiligen ZDF-Doku an ihre Kindheit oder Jugend.

ZDF
Wir Wunderkinder (1)
Dokumentation • 12.10.2021 • 20:15 Uhr

Beim Gedanken an die 1950er- und 1960er-Jahre kommen einem zunächst wohl das Wirtschaftswunder und der Aufbruch in eine liberalere Gesellschaft in den Sinn. Doch es gab auch dunkle Seiten wie noch immer zerstörte Städte oder die schwierige Bewältigung der NS-Vergangenheit. Die Dokumentation "Wir Wunderkinder" von Peter Hartl (Buch, Regie) beleuchtet beide Aspekte. Der erste von insgesamt zwei Filmen, die im Rahmen von "ZDFzeit" ausgestrahlt werden, ist nun zur besten Sendezeit im ZDF zu sehen.

Ähnlich wie in den vorangegangenen Dokumentationen "Wir Nachkriegskinder" (2016) und "Wir Trümmerkinder" (2020) konzentriert sich "Wir Wunderkinder" auf die Lebenserinnerungen von deutschen Prominenten. Die Ärztin und Schauspielerin Marianne Koch ("Für eine Handvoll Dollar") etwa erinnert sich noch gut an das damalige Stadtbild Münchens: "Man sah überall die Trümmer. Es gab auch Hunger, und wir hatten keine Schuhe und konnten nicht heizen im Winter." Aber sie hatte auch Zuversicht, vermutlich erst recht, als sie mit 19 Jahren, als angehende Medizinerin zufällig für den Film entdeckt wurde.

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Weitaus weniger Glück hatte der Schauspieler Uwe Kockisch ("Donna Leon"), der nach dem Kriegstod des Vaters von seiner Mutter in Cottbus aufgezogen wurde: "Ich habe eigentlich erst in der Schule gehört, dass es auch Väter gibt", erinnert er sich in der Doku. Seine Mitschüler hätten ihn das "ganz brutal spüren lassen". Später wurde ihm wegen des Berufs des Vaters der Zugang zum Abitur in der DDR verwehrt.

Auch der Schauspieler Michael Mendl ("14 Tage lebenslänglich") wuchs ohne Vater auf. Dieser, so erfuhr er später, sei ein katholischer Priester gewesen. In der Dokumentation erinnert er sich unter anderem, wie er seinem späteren Stiefvater Ernst Mendel spontan einen "Heiratsantrag" machte. Darüber hinaus berichten er, wie auch Marianne Koch, von positiven Erlebnissen mit der US-amerikanischen Soldaten und ihrer Kultur, während die Liedermacherin Bettina Wegner ("Kinder") die Erziehungsmethoden der DDR kritisiert.

Zuletzt ist es der Schlagersänger Roberto Blanco ("Ein bisschen Spaß muss sein"), der sich im Film an seine ersten Kontakte mit der Unterhaltungsbranche erinnert: "Unsere südamerikanische Musik war für die Deutschen etwas Neues, etwas Besonderes. Das kam sehr gut an, weil die Deutschen nach dem Krieg auch etwas Fröhliches sehen wollten. Etwas, was ihnen die ganzen Ruinen zu vergessen half, die da draußen waren und das alles."

Somit ist es am Ende vor allem der Aufbruch in eine hoffnungsvollere Zukunft, von der "Wir Wunderkinder – Zeit des Aufbaus" aus der Sicht der genannten Prominenten erzählt. Illustriert werden die Erzählungen, wie schon in den vorherigen Filmen, durch eine Mischung neu aufgearbeiteter Filmbilder der Zeit und Animationen im Stil der Graphic Novel (Illustration: Samson Götze, Grafische Animation: zornshot).

Eine Woche später, am Dienstag, 19. Oktober, zeigt das ZDF ebenfalls um 20.15 Uhr den zweiten Teil. Unter dem Titel "Wir Wunderkinder – Zeit des Wandels" (Buch und Regie: Annette Koehler) berichten Katja Ebstein, Elke Sommer, Maren Kroymann, Thekla-Carola Wied, Winfried Glatzeder und Wolfgang Niedecken über ihre Kindheit und Jugend in den 1960-ern.

Wir Wunderkinder (1) – Di. 12.10. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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