Bruno Cremer

Der Kommissar mit der Pfeife im Mundwinkel: Bruno
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Der Kommissar mit der Pfeife im Mundwinkel: Bruno Cremer als Maigret
Bruno Cremer
Geboren: 06.10.1929 in Saint-Mandé, Île-de-France, Frankreich
Sternzeichen: Waage
Gestorben: 07.08.2010 in Paris, Frankreich

Fast 14 Jahre lang und mehr als 50 Mal verfolgte Bruno Cremer als Kommissar Jules Maigret Verbrecher und jagte über den Fernsehbildschirm. Eine Rolle, die ihn über die Grenzen Frankreichs berühmt machte. Doch wer Bruno Cremer auf die Darstellung von Georges Simenons Meisterermittler reduziert, der tut ihm Unrecht. Er war nicht nur Maigret, er war einer der großen Filmschauspieler Frankreichs.

Seine Karriere begann Bruno Cremer in den Fünfzigerjahren auf der Theaterbühne. Stücke von Oscar Wilde, William Shakespeare und Jean Anouilh gehörten zu seinem Repertoire. Zeitgleich studierte er am Conservatoire national supérieur d’art dramatique in Paris, das er 1952 verließ. Zum gleichen Abschlussjahrgang gehörte auch Jean-Paul Belmondo, mit dem er viele Jahre später unter anderem in dem Kriegsfilm "Brennt Paris?" (1966) zusammen auf der Leinwand zu sehen war. Nach einer im Abspann ungenannten Minirolle in "Von Sensationen gehetzt" (1952) gab Bruno Cremer sein ernsthaftes Filmdebüt 1957 neben Alain Delon in "Die Killer lassen bitten". Ein erfolgreicher Start zu einer beispiellosen Laufbahn, der er mit dem Kriegsfilm "Die 317. Sektion" von Pierre Schoendoerffer, der 1965 in die Kinos kam, ein frühes Highlight hinzufügen konnte. Schnell avancierte der Charakterdarsteller zum Spezialisten für Kriegsfilme, Krimis und Spionagethriller, doch auch in Abenteuerfilmen wie "Im Reich des Kublai Khan" (1964) machte er eine gute Figur.

In den Siebzigerjahren wurde er auch verstärkt vom internationalen Publikum bemerkt. Filme wie "Das Attentat" mit Jean-Louis Trintignant und Michel Piccoli fanden auch außerhalb von Frankreich Gefallen. Außerdem sah man ihn neben Michel Bouquet in dem französisch/italienischen Kriminalfilm "Die Verdächtigen" (1974), an der Seite von Charlotte Rampling in Patrice Chéreaus "Das Fleisch der Orchidee" (1975) und gemeinsam mit Jean-Paul Belmondo in dem Actionkrimi "Der Greifer". Darüber hinaus überzeugte er zusammen mit Roy Scheider in William Friedkins "Atemlos vor Angst" (1976). In dem Oscar nominierten deutsch-französischen Drama "Eine einfache Geschichte" (1977) übernahm Bruno Cremer eine Hauptrolle und agierte durchaus überzeugend neben Romy Schneider und Claude Brasseur.

Mit Beginn der Achtzigerjahre nahmen Bruno Cremers Fernsehengagements zu. So sah man ihn in einer Folge der sechsteiligen Serie "Orient-Express", außerdem in den Fernsehfilmen "Ein Blatt Liebe", "La traque" (alle 1980), "Ce fut un bel été" und "Un fait d'hiver" (beide 1982). Daneben blieb er dem großen Kino aber treu. Mit "Der Maulwurf" lieferte 1981 einmal mehr eine herausragende schauspielerische Leistung ab. Neben Lino Ventura und Michel Piccoli ist Bruno Cremer der dritte im Bunde in diesem spannenden Spionagethriller und steht seinen beiden Schauspielkollegen in nichts nach. Und auch in "Kopfjagd - Preis der Angst" (1983) agierte er erneut an der Seite von Michel Piccoli. Ein weiterer filmischer Höhepunkt in Bruno Cremers Laufbahn war Bertrand Bliers Erotikfilm "Der Abendanzug" von 1985. In der tief schürfenden, unterhaltenden Komödie über Liebe, Sex und Aufrichtigkeit sah man ihn neben Gérard Depardieu und Miou-Miou sowie Michel Blanc, der für seine Darstellung bei den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später übernahm Bruno Cremer einen Part in Jean-Claude Brisseaus Gesellschaftsdrama "Lärm und Wut" und auch in Brisseaus Liebestragödie "Weiße Hochzeit" von 1989 bekleidete er eine Hauptrolle. Darüber hinaus mimte der erfolgreiche französischen Akteur in der weltweit erfolgreichen Fernsehserie "Allein gegen die Mafia" gleich mehrfach den Antonio Espinosa, zuletzt 1992.

1991 schlüpfte Bruno Cremer schließlich erstmals in die Rolle, die ihn fast 14 Jahre lang beschäftigen sollte und die ihn dermaßen bekannt machte, dass man ohne weiteres davon reden kann, dass er als einer der großen Maigret-Darsteller in die Filmgeschichte eingegangen ist. Neben dem Über-Maigret Jean Gabin, dem Engländer Rupert Davis und hierzulande auch Heinz Rühmann hatte Bruno Cremer es zwar nicht leicht als Maigret zu bestehen, doch spielte er sich kontinuierlich in die Herzen des französischen, später auch des internationalen Publikums. Seinen letzten Maigret-Film lieferte er 2005 - schwer von seiner Krebserkrankung gezeichnet - ab. In "Maigret et l'étoile du nord" wirkte der Schauspieler bereits sehr abgemagert und geschwächt. Wegen der Krankheit musste seine Stimme nach synchronisiert werden. Anschließend zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück. Am Samstag, den 7. August 2010, starb Bruno Cremer nach langer Erkrankung in einem Pariser Krankenhaus. Er war seit 1984 in zweiter Ehe verheiratet und hatte mit seiner Frau Chantal zwei Töchter sowie aus seiner ersten Ehe einen Sohn.

Weitere Serien und Filme mit Bruno Cremer: "En votre âme et conscience" (TV-Serie, 1958/1959), "Begierde am Meer" (1961), "Le tout pour le tout" (1963), "Die Paras - Goldstaub in der Luft" (1966), "Wenn ich ein Spion wäre", "Ein Mann zuviel", "Der Fremde", "Le viol" (alle 1967), "Blaue Gauloises", "Bye bye, Barbara", "Zucker für den Mörder" (alle 1968), "La bande à Bonnot" (1969), "Cran d'arrêt", "Pour un sourire", "Le temps de mourir" (alle 1970), "Biribi - Hölle unter heißer Sonne" (1971), "Der Geliebte der großen Bärin" (1972), "Ohne Warnung" (1973), "Le protecteur" (1974), "Sondertribunal" (1975), "Der Gute und die Bösen" (1976), "L'ordre et la sécurité du monde" (1978), "On efface tout", "Cet homme-là" (beide 1979), "La légion saute sur Kolwezi", "Même les mômes ont du vague à l'âme", "Anthrazit", "Verdammt zum Schafott" (alle 1980), "La puce et le privé", "Aimée" (beide 1981), "Josepha" (1982), "Flucht in den Abgrund", "Grausames Spiel" (beide 1983), "Das Buch der Maria", "Fanny Pelopaja", "Matrose 512" (alle 1984), "Derborence", "Donatien-François, marquis de Sade", "Le regard dans le miroir" (Mehrteiler), "Le transfuge", "L'énigme blanche" (alle 1985), "Falsch", "L'île" (Mehrteiler), "Opération Ypsilon" (alle 1987), "Sueurs froides" (TV-Serie), "Adieu je t'aime", "Médecins des hommes" (TV-Serie), "Waffenbrüder" (alle 1988), "L'été de la révolution" (1989), "Ceux de la soif" (1989), "Les dossiers secrets de l'inspecteur Lavardin" (TV-Serie, 1989), "Tumultes", "Coma dépassé" (beide 1990), "Tango Bar", "Money", "Atto di dolore", "Ein Vampir im Paradies" (alle 1991), "Taxi de nuit" (1993), "Unter dem Sand" (2000), "Mon père, il m'a sauvé la vie" (2001), "Là-haut, un roi au-dessus des nuages" (2003).

Foto: TM3


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