David Mamet

Einer der wichtigsten und einflussreichsten 
Geschichtenerzähler Amerikas: David Mamet  Vergrößern
Einer der wichtigsten und einflussreichsten Geschichtenerzähler Amerikas: David Mamet 
David Mamet
Geboren: 30.11.1947 in Chicago, Illinois, USA
Sternzeichen: Schütze

Bühnenautor, Regisseur, Essayist, Romanautor, Dichter - David Mamet ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Geschichtenerzähler Amerikas. Seine Geschichten handeln von Loyalität und Betrug. "Time" hat ihn einen amerikanischen Harold Pinter genannt - "einen Pinter mit mehr Sinn für Komik, für Sinnlichkeit und einem wacheren Sinn für die Details einer Epoche und eines Handlungsortes."

Mamets Eltern waren russisch-jüdischer Abstammung, der Vater Anwalt für Arbeitsrechtsfragen, die Mutter Lehrerin. Der kleine David besuchte das Goddard College in Vermont, später sollte er dort Schauspielkunst unterrichten. 1972 gründete er mit zwei seiner Schauspielschüler - einer war William H. Macy aus "Fargo - Blutiger Schnee" (1995) - am College das Schauspielensemble St. Nicholas Company. Zwischen 1973 und 1977 war dieses Ensemble dann in Chicago angesiedelt.

Dort, Mamet war gerade 24 Jahre alt, wurde er bald berühmt. Sein Markenzeichen: ein einzigartiges Stakkato hoch strukturierter Dialoge, gewürzt mit einem guten Schuss brutal freizügiger Sprache. Als er einmal nach der berühmten Verwendung von Obszönitäten in seinem Werk gefragt wurde, sagte Mamet: "In meiner Familie, das war vor den Tagen des Fernsehens, vertrieben wir uns die Abende damit, einzig und allein unsere Fähigkeit auszuspielen, eine harte, gemeine Sprache zu sprechen."

Mamets Ohr für die schlüpfrigen Codes der Alltagssprache entwickelte sich während einer rebellischen Jugend weiter, in der er eine Vielzahl unterschiedlichster Jobs annahm: Immobilienmakler, Lkw-Fahrer, Büroreinigungsdienst, Teppichverkäufer, Fensterputzer, Seemann. Formend war für ihn die Entdeckung von Autoren wie Frank Norris, Willa Cather und, vor allem, Theodore Dreiser. Aber Mamets Stil wurde auch zutiefst von der sparsamen Poesie eines Samuel Beckett und eines Harold Pinters beeinflusst. Mit Pinter verbindet ihn insbesondere die Präzision der Sprache und die kunstvolle Verwendung der Pausen.

Mamet wurde zunächst mit seinen Bühnenstücken "Sexual Perversity in Chicago" (später verfilmt als "Nochmal so wie letzte Nacht", 1986) und "American Buffalo" (1996) bekannt. Beide Stücke wurden 1976 in New York uraufgeführt, und Mamet erhielt einen Obie Award als herausragender Bühnenautor. "American Buffalo" wurde darüber hinaus vom New York Drama Critics Circle als bestes Stück des Jahres ausgezeichnet. 1978 erhielt Mamet den Outer Critics Circle Award für seinen Beitrag zum amerikanischen Theater.

1984 wurde Mamet wiederum mit dem Preis für das beste Stück vom New York Drama Critics Circle ausgezeichnet und gewann dazu noch den Pulitzer Preis für sein "Glengarry Glen Ross". Das Stück heimste zusätzlich vier Tony Awards ein und wurde 1991 verfilmt. Weitere Theaterstücke von ihm waren "Edmond" und "The Cryptogram" - beide Obie-Award-Gewinner. Dazu kamen "The Water Engine", "A Life in the Theatre", "Lakeboat", "Speed-the-Plow", "Oleanna" und "The Old Neighborhood".

Berühmt wurde Mamet auch durch seine zahlreichen Drehbücher: für Sidney Lumet das oscar-nominierte "The Verdict - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" (1982); für Bob Rafelson "Wenn der Postmann zweimal klingelt" (1981); Brian De Palmas "Die Unbestechlichen (1987); Neil Jordans "Wir sind keine Engel" (1989); "Jimmy Hoffa" (1992), inszeniert von Danny DeVito mit Jack Nicholson in der Titelrolle; "Auf Messers Schneide - Rivalen am Abgrund" (1997) und Barry Levinsons "Wag the Dog - Ein hundsgemeiner Trick" (1997) mit Dustin Hoffman und Robert De Niro, ein Film, der, obwohl früher gedreht, unübersehbar an den Clinton-Lewinsky-Skandal erinnert. Mamet schrieb auch eine Episode für die Fernsehserie "Hill Street Blues".

Die Arbeiten Mamets verbindet man im Allgemeinen mit Randfiguren der Gesellschaft, Charakteren mit einer hartgesottenen Sprache, kleinen Betrügern, windigen Immobilienmaklern und ähnlichen Figuren. Doch Mamets Werk als Autor ist viel weiter gefächert, als allgemein bekannt. Seine Theaterstücke reichen von "Duck Variations", ein Stück über zwei alte Männer, die auf einer Parkbank sitzen und sich über die Enten unterhalten, bis zu "The Old Neighborhood", einem sehr bewegenden Stück über einen jüdischen Enddreißiger, der bei einem Besuch in seinem alten Heim versucht, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.

Mamet hat Stücke von Tschechow adaptiert ("Der Kirschgarten", "Drei Schwestern" und "Onkel Wanja"). "Onkel Wanja" war die Grundlage für eine berühmte Inszenierung in New York von Andre Gregory, die Louis Malle auf Film gebannt hat in "Vanya 42. Straße" (1994). Mamet hat Theaterstücke und Bücher für Kinder geschrieben, sieben Bände mit Essays und zwei Romane. Er ist Autor zahlreicher Magazinartikel und arbeitete an vielen Songs seiner Ehefrau mit, der Schauspielerin, Sängerin und Songschreiberin Rebecca Pidgeon.

Als Regisseur debütierte Mamet 1987 mit dem Kritikererfolg "Haus der Spiele". Der Film wurde 1987 als Abschlussfilm des New Yorker Filmfestivals ausgewählt und gewann beim Filmfestival von Venedig gleich zwei Preise. Von Mamet stammt auch die Mafia-Story "Things Change - Mehr Glück als Verstand" (1988), deren Darsteller Joe Montegna und Don Ameche 1988 auf dem Filmfestival von Venedig als beste Darsteller ausgezeichnet wurden. Mamets "Homicide" (1991) eröffnete im gleichen Jahr das Filmfestival von Cannes. "Oleanna" aus dem Jahr 1994 ist sein einziger Film, den er selbst von einem seiner Stücke adaptiert und auch selbst inszeniert hat. Eine seiner jüngeren Regiearbeiten war "Die unsichtbare Falle" (1997) ein Thriller à la Hitchcock, der zu einem der populärsten unabhängigen Filme des Jahres avancierte. Sein bislang letzten Filme sind das Drama "Winslow Boy" (1999), der Thriller "Heist - Der letzte Coup" (2001) und das Actiondrama "Redbelt" (2007). Darüber hinaus schrieb er die Vorlagen für die US-Actionserie "The Unit" (2006).

Mamet ist zuweilen auch als Schauspieler aufgetreten, so etwa in der Fernsehadaption seines Stücks "The Water Engine" oder als Spieler in Bob Rafelsons Film "Die schwarze Witwe" (1987). An seiner alma mater, dem Goddard College, an der University of Chicago, an der Yale School of Drama und an New York Universityís Tisch School of the Arts hat Mamet Schauspielklassen unterrichtet. An der Tisch School of the Arts hat er außerdem 1998 gleich eine Tournee-Truppe gegründet, die sich Atlantic Theater Company nennt.

Mamet wohnt mit seiner Frau und Tochter Clara in Häusern in Cambridge, Massachusetts und in Vermont. Aus einer ersten Ehe mit Lindsay Crouse stammen zwei weitere Töchter, Willa und Zosia. Auf Mamets Projektliste stehen u.a. ein Drehbuch für eine Neuverfilmung von "Dr. Jekyll and Mr. Hyde" mit Al Pacino als Star und Harold Becker als Regisseur, sowie die Adaption seines Theaterstücks "Lakeabout" fürs Kino. Joe Mantegna will die Hauptrolle spielen und zum ersten Mal selbst Regie führen. Außerdem arbeitet Mamet zur Zeit an einem neuen Theaterstück.


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