Freddie Francis

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Bis ins hohe Alter aktiv: Kameramann und Regisseur Freddie Francis
Frederick Francis
Geboren: 22.12.1917 in Islington, London, Großbritannien
Sternzeichen: Steinbock
Gestorben: 17.03.2007 in Isleworth, Middlesex, Großbritannien

Wie Mario Bava und Karl Freund hat sich der Kameramann Freddie Francis später als Regisseur ausschließlich aufs Horrorgenre verlegt. In diesen Filmen spürt man seinen Feinsinn fürs Optische, im Gegensatz zu Jack Cardiff, der als Regisseur - auch optisch - verblüffend konventionell erzählt.

Mit eben diesem Jack Cardiff, Christopher Challis und Freddie Young gehört Francis zu den bedeutendsten britischen Kameraleuten. Gehört, denn er hat bis ins hohe Alter neben seinen eigenen Regiearbeiten für bedeutende Regisseure die Kamera geführt: So in Jack Claytons "Das Schloss des Schreckens" (1961), mit dem er erstmals im Horrorgenre arbeitete, David Lynchs "Der Elefantenmensch" (1980) und "Der Wüstenplanet" (1984), Karel Reisz' "Die Geliebte des französischen Leutnants" (1981) und Martin Scorseses "Kap der Angst" (1991).

Francis beginnt als Assistent eines Fotografen. Während des Militärdienstes arbeitet er in der "Army Kinematografic Unit". Später ist er Kameraassistent, beziehungsweise Second Unit Kameramann bei Oswald Morris, dem Kameramann von John Huston bei "Moulin Rouge" (1953), "Schach dem Teufel" (1954) und "Moby Dick" (1956). Gleich bei seiner zweiten Arbeit als Chefkameramann kann Freddie Francis gemeinsam mit Regisseur Joseph Losey beweisen, wie man aus einer kolportagehaft zusammengebastelten Geschichte einen aufregenden Film machen kann. Indem der trunksüchtige Vater - Michael Redgrave - sich mit dem Revolver des Mörders eines Revuegirls erschießt, rettet er seinen Sohn vor der Hinrichtung. Kamera, Schnitt, Puzzle-Technik der Dramaturgie machen den Reiz dieses Films aus. Sein Titel: "Time Without Pitty", bei uns im Kino: "Teuflisches Alibi" (1957).

Durch Losey und die bemerkenswerte Arbeit kommt Francis mit den aufstrebenden jungen Cineasten zusammen, so dreht er mit Jack Clayton "Der Weg nach Oben" ("Room at the Top", 1959), mit Karel Reisz "Samstagnacht bis Sonntagmorgen" (1960) und mit Jack Cardiff "Söhne und Liebhaber" (1960). Bei den Regiearbeiten von Francis erstaunt angesichts der geringen Budgets die poetische Bildsprache, die durchdachte Dramaturgie. Als Francis in die Fußstapfen von Terence Fisher stieg, war er nicht gleich anerkannt: Fishers Horrorfilme waren routiniert, klar, glatt, waren Markenartikel - allerdings auch mit Zeichen des Seriellen. Die Arbeiten von Francis jedoch versuchen, sich mit mehr oder weniger Erfolg an James Whale und dessen Vorbild Murnau zu orientieren.

Als Freddie Francis 1968 für den Film "Draculas Rückkehr" in den bereits fertigen Produktionsplan des erkrankten Terence Fisher einsteigt, ist er eigentlich nicht glücklich mit der vorgegebenen Besetzung. "In dem von mir konzipierten Vampirfilm sieht der Protagonist ganz anders aus, verfügt über andere Merkmale. Ich hoffe, dass es mir später einmal gelingt, diese Ideen umzusetzen." Trotz des herkömmlichen Stoffes und der dem Genre eigenen Komponenten gelingt es Francis, die Grundkonzeption zu verkehren und sie bis zur Auflösung zu ironisieren. Der Horrorspuk, das Unheimliche, Makabre mit jenem unverwechselbaren Flair um Draculas Erscheinen hat Francis der Geschichte ganz genommen. Sie spielt vorwiegend in dem Milieu, das in den Fisher-Inszenierungen mehr an den Rand gedrängt war, den Wirtsstuben, dem Haus der Opfer. Dracula nimmt sich die Kellnerin und die Nichte des Monsignore mit geiler Lust - bei Fisher sah man nur den Biss des Vampirs und nicht die sexuelle Begierde und die - hier deutlich ausgespielte - Hingabebereitschaft der Opfer, nachdem sie einmal in den Bann gezogen sind. Ausgerechnet einen Priester holt sich Dracula als Helfershelfer. Rache und Lust werden hier - wie selten in dem Genre - ausgespielt.

Zu Francis' schönsten Regiearbeiten gehören die beiden Episodenfilme "Die Todeskarten des Dr. Schreck" und "Der Teufelsgarten des Dr. Diabolo" nach Edgar Allen Poe. Sein Debüt gab Francis mit der Komödie "Two and Two Makes Six", doch er ist - wie er später sagt - mit dem Ergebnis nicht glücklich. Dann folgen "Haus des Grauens"", "Frankensteins Ungeheuer" (beide 1963), "Hysteria" (1964) und "Nightmare" (1964). In Deutschland und England drehte er den Edgar-Wallace-Film "Das Verrätertor" (1964), "Ein Toter sucht seinen Mörder", "Der Schädel des Marquis de Sade", "Der Puppenmörder" (alle 1965), "Die tödlichen Bienen" (1966) und viele andere, bessere und schwächere Horror- und Sciencefiction-Filme.

Weitere bemerkenwerte Kameraarbeiten von Freddie Francis: Julian Amyes' "An vorderster Front" ("A Hill in Korea", 1956), Pat Jacksons "Virgin Island" (1959), Charles Crichtons "Mister Miller ist kein Killer" ("The Battle of the Sexes", 1960), Cyril Frankels "Vertraue keinem Fremden" ("Never Take Sweets from a Stranger", 1960), William Fairchilds "The Horsemasters" (1961), Steve Sekelys "Blumen des Schreckens" (1963), Karel Reisz' "Griff aus dem Dunkel" (1963) mit Albert Finney, Terence Youngs "Das Spiel des Überläufers" (1984), Jonathan Sangers "Codename: Emerald" (1985), Peter Ustinovs "Memed My Ghawk" (1987), Robert Mulligans "Clara's Geheimnis" (1988) und "Der Mann im Mond" (1991), Bruce Beresfords "Ninas Alibi" (1989), Edward Zwicks "Glory" (1989) und schließlich fotografierte er außer Robert Mandels "Der Außenseiter" von 1992 und noch Bob Hoskins' wunderschönen Film "Rainbow" (1995).

Zweimal wird der Kameramann Freddie Francis mit dem Oscar ausgezeichnet: für den brillanten Clayton-Film "Söhne und Liebhaber" und den eher konventionellen Film "Glory". Seit 1987 arbeitete Francis nur noch als Kameramann, ausgezeichnet war er da noch einmal bei "Kap der Angst".


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