David Lynch

Meister des makaberen Humors - David Lynch. Vergrößern
Meister des makaberen Humors - David Lynch.
Fotoquelle: kojoku/shutterstock.com
David Lynch
Geboren: 20.01.1946 in Missoula, Montana, USA

"Filmemachen muss unter die Oberfläche gehen, sonst macht es keinen Spaß" sagt David Lynch, der wohl eigenwilligste und kompromissloseste unter den amerikanischen Regisseuren. Lynchs Filme dringen in unbekannte Territorien vor, loten realistische Abgründe aus, erkunden die Schattenreiche von Phantasie und Unterbewusstsein. Unablässig erschließen sie dem Kino neue Themen, Motive und Erzählformen und gehen dabei nicht nur unter die Oberfläche, sondern auch unter die Haut.

Lynch wuchs mit drei Geschwistern auf. Sein Vater arbeitete im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums, für das er wissenschaftliche Forschungsaufträge übernahm. Berufsbedingt musste er häufg umziehen, so dass David während seiner Jugend den Nordwesten der USA - Schauplatz von "Blue Velvet" (1986) und "Twin Peaks" (1991) - gut kennenlernte. Zur Highschool ging er dann in Alexandria, Virginia. Seinen Abschluss machte er 1964. Berufsziel: Maler. Nach einem chaotischen Jahr mit einer gescheiterten Europa-Reise, einem abgebrochenen Studium an der Boston Museum School und einer Serie von schlechtbezahlten Jobs schrieb Lynch sich gemeinsam mit seinem Schulfreund (und heutigen Regiekollegen) Jack Fisk an der Pennsylvania Academy of Fine Arts in Philadelphia ein.

Dort studierte er bis 1970 Malerei, interessierte sich aber auch zunehmend für das Filmemachen. So drehte er, nach einigen frühen Versuchen, den vierminütigen "Alphabet" (1968), der ihm ein Stipendium beim American Film Institute einbrachte. Am AFI realisierte er den 34-minütigen "Grandmother" (1970), in dem sich ein Junge mit einem geheimnisvollen Samen seine eigene Großmutter pflanzt. 1972 begann Lynch mit den Dreharbeiten zu "Eraserhead", die sich wegen Geldmangels über fünf Jahre erstreckten. Der Film - eine surreale Albtraumvision in Schwarzweiß - entwickelte sich zum jahrelang laufenden Mitternachts-Hit in den Programmkinos der Großstädte.

Trotzdem dauerte es drei Jahre, ehe Lynch - dank Mel Brooks - seinen zweiten Spielfilm drehen durfte: "Der Elefantenmensch" (1980) mit John Hurt als Titelfigur und Anthony Hopkins erntete acht Oscar-Nominierungen und machte Lynch schlagartig zum gefragten Regisseur. Sämtliche ihm angebotenen Mainstream-Produktionen (darunter "Die Rückkehr der Jedi-Ritter") lehnte er jedoch ab und schrieb stattdessen erst einmal Drehbücher.

1981 akzeptierte er das Angebot des Produzenten Dino de Laurentis, Frank Herberts Sciencefiction-Bestseller "Der Wüstenplanet" (1983) für die Leinwand zu adaptieren. Die 40-Millionen-Dollar-Produktion endete als künstlerisches und kommerzielles Fiasko. Doch Lynch und de Laurentis setzten ihre Zusammenarbeit trotzdem fort, allerdings auf einer in finanzieller Hinsicht sehr viel bescheideneren Ebene: Für fünf Millionen Dollar drehte Lynch "Blue Velvet" mit Isabella Rossellini und Kyle MacLachlan. Er erhielt diesmal den "Final Cut" und schaffte mit der bizarren Kleinstadtgeschichte den internationalen Durchbruch.

Die amerikanische Provinz inspirierte Lynch auch zu seiner ersten TV-Arbeit, der Serie "Das Geheimnis von Twin Peaks" (1989-91). Den Pilotfilm und einige weitere Folgen inszenierte Lynch selbst. Das raffiniert konstruierte Kleinstadtpanorama, in dem TV-Klischees einerseits ironisch bedient, andererseits komplett auf den Kopf gestellt werden, entwickelte sich 1990 in den USA und ein Jahr später auch bei uns zum Kulterfolg. Ehe Lynch 1991 mit "Twin Peaks - Der Film" eine Kino-Vorgeschichte zur Serie schuf (und darin einen radikaleren, gegen alle Sehgewohnheiten gerichteten Stil wählte), realisierte er mit dem zynisch-überdrehten Roadmovie "Wild at Heart - Die Geschichte von Sailor und Lula" mit Nicholas Cage und Laura Dern (1990) einen weiteren internationalen Hit. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde der Film mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

David Lynch: "Filme müssen abstrakter werden, denn es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten für die Leute, sie mehr als einmal anzuschauen. Ein Film muss so aufgebaut sein, dass auch ein mehrfaches Anschauen phantastisch sein kann, dass man immer wieder in die Welt des Films zurückfällt. Ich meine nicht, dass ein Film keine Geschichte haben sollte, aber darüber hinaus sollte er eine Welt kreieren oder eine Atmosphäre oder eine Komplexität oder irgendetwas anderes, um einen bei der Stange zu halten." Die Ehefrau an seiner Seite heißt Mary Sweeny. Aber David Lynch war bereits mit Peggy Lynch (gemeinsamer Sohn Austin Jack) und Isabella Rossellini im Hafen der Ehe.

Weitere Filme von David Lynch: "Les Français vus par...: The Cowboy and the Frenchman" (1989), die US-TV-Serien "American Chronicles" (1990 - 91, Lynch als Produzent) und "On the Air" (1992), der TV-Dreiteiler "Hotel Room" (1992), "Nadja" (1995, Lynch als Produzent), "Lost Highway" (1997), "The Straight Story - Eine wahre Geschichte" (1999), der zunächst als TV-Serie konzipierte Thriller "Mulholland Drive" (2001), "Darkened Room", "Cabin Fever" (Produzent), "Dumbland", "Rabbits" (alle 2002), "Inland Empire" (2006), "Unter Kontrolle" (2008, Produzent).


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