Renny Harlin

Yeah, man, alles senkrecht! Renny Harlin liebt die Verwüstung Vergrößern
Yeah, man, alles senkrecht! Renny Harlin liebt die Verwüstung
Renny Lauri Harjola
Geboren: 15.03.1959 in Riihimäki, Finnland
Sternzeichen: Fische

Manchmal darf man sich schon fragen, warum man in Hollywood bestimmten Leuten Budgets von 100 Millionen Dollar und mehr anvertraut. Der finnische Regisseur Renny Harlin war eine Zeitlang einer dieser Leute. Und das Geld bekam er gewiss nicht, weil er ein guter Regisseur ist. Tatsache ist: Renny Harlin ist ein lausiger Regisseur, und die meisten seiner Filme sind dümmer als Knäckebrot. Aber immer wieder darf er Mega-Budgets verschleudern - und komischerweise für Filme, die oft genug nichts einspielen ...

Wie bei vielen seiner Kollegen erwachte die Liebe zum Film früh in dem kleinen Renny, dessen Eltern mit dem Genre überhaupt nichts am Hut hatten - sie waren in medizinischen Berufen tätig. Noch als Kind experimentierte Harlin fleißig mit einer Super-8-Kamera. Später trieb ihn seine Leidenschaft zur Kunsthochschule, wo er Film studierte. Dann gründete er eine eigene Werbeagentur, für die er Werbespots und Marketing-Dokumentationen drehte.

Schon sein erster Film ließ Übles befürchten: Der billige Actionfilm "Born American" (1986) betrieb auf naive Art und Weise antisowjetische Propaganda, als Begriffe "Glasnost" und "Perestroika" bereits um die Welt gingen: Drei US-Studenten überqueren bei einem Finnlandurlaub aus Spaß die sowjetische Grenze, was ihnen Ärger einbringt. Selber schuld, möchte man sagen.

In Finnland kam dieser Film nicht gut an: Er wurde verboten. Noch heute fehlen in der Videofassung knapp fünf Minuten. Renny Harlin war dermaßen erbost, daß er seinem Heimatland den Rücken kehrte. Hollywood nahm den Mann mit amputierter Selbstkritik gerne. 1988 drehte er "Prison" mit Lane Smith und Viggo Mortensen. Darin geht der Geist eines unschuldig Hingerichteten mit Rachegelüsten in einem Gefängnis um: Die Kritik fand's unter aller Kanone, aber Harlin war im Geschäft.

Mit "Nightmare on Elm Street IV" (1988) durfte er eine Fortsetzung der bekannten Schlitzer-Saga um Ekelgesicht Freddy Krueger (Robert Englund) drehen. Es folgte die Chauvi-Komödie "" (1990) mit den zotigen Späßen eines Andrew Dice Clay, der in der Titelrolle eindeutig mehr Spaß hat als der Zuschauer: "Die Story ist extradünn und der Humor erschöpft sich in Klamauk und blöden Kalauern", fand Ralph Umard im "tip".

Danach drehte Harlin mit "Stirb langsam II" (1990) die an der Kasse erfolgreiche Fortsetzung der überkandidelten Abenteuer des einfachen Cops John McClane (Bruce Willis), der komischerweise immer am Weihnachtsabend in die Bredouille gerät. Die sehr gewalttätigen Actionszenen sind immerhin handwerklich recht gut gemacht, wenngleich ein gewisser Hang zur Schlamperei (z. B. beim arg künstlichen Schnee) und Unmöglichkeiten in der Story bisweilen unangenehm auffallen.

"Stirb langsam 2" blieb Harlins bester Film. Mit dem Stallone-Abenteuer "Cliffhanger" (1993) begann eine bis heute nicht abgerissene Kette von inhaltlich eigentlich unbeschreiblichen Filmen. Die Kritiken dazu waren in aller Regel unterhaltsamer als die Filme selbst. Zu dem Berg-Actionfilm "Cliffhanger" mit Sylvester Stallone und John Lithgow schrieb der Kritiker Lars-Olav Beier: "Dieser Film ist der Gipfel, High-Budget- Schund der übelsten Sorte. Ein schwachsinniges Drehbuch, unerfreulicher Sadismus und technische Schlampereien sorgen für ein Kinoerlebnis, das nur die stärksten Zuschauer überleben." (tip, 17/93)

Renny Harlin ehelichte unterdessen die Schauspielerin Geena Davis, und mit ihr beging er zwei beispiellose filmische Untaten. Das 100-Millionen-Dollar- Spektakel "Die Piratenbraut" (1995) gilt als eine der größten finanziellen Katastrophen der Filmgeschichte. Die actionreiche Schatzsuche riß die Kritiker wieder nicht zu Lobeshymnen hin: "Regisseur Harlin brauchte auch das letzte, noch so verschimmelte Genre-Klischee auf, aber immerhin liefert Kameramann Peter Levy optisch Ansprechendes", urteilte W.O.P. Kistner (AZ, 25.4.96). Besonders die mies choreographierten und ebenso mies gespielten Kampfszenen lassen den Zuschauer alsbald einen Könner wie Errol Flynn herbeiflehen.

An den Kinokassen rasselte der Kostüm-Unfug gnadenlos durch, weshalb sich das Unglücksduo Harlin/Davis wieder auf Gegenwärtiges stürzte. Doch auch in "Tödliche Weihnachten" (1996) mit Samuel L. Jackson war vor allem die Dummheit tödlich, dazu zählen die vor Explosions-Druckwellen weglaufenden Helden und andere großzügige Auslegungen physikalischer Gesetze. Schon die Story ist unglaublich: Eine biedere Lehrerin leidet an Gedächtnisverlust. In ihrem früheren Leben war sie Agentin, und langsam dämmert es ihr - auf geht's zur Terroristenjagd! "Die Rekordsumme von vier Millionen Dollar kassierte Autor Shane Black für diesen Drehbuch-Schabernack. Die restlichen 66 Millionen Dollar Budget verbriet Regisseur und Geena- Davis-Gatte Renny Harlin locker anderweitig, hauptsächlich seiner infantilen Zerstörungswut frönend." (W.O.P. Kistner, AZ, 12.12.96)

Ärgerlich daran ist, daß sich der Film mit einem gewissen feministischen Anspruch schmückt, indem er seine Heldin (Geena Davis) als eine Art weiblichen Terminator durch die Gegend hechten läßt. Im entscheidenden Augenblick ist doch wieder männliche Hilfe vonnöten, um der Ex-Agentin aus der Klemme zu helfen. Da auch dieser Film an den Kassen enttäuschte, verschonte Renny Harlin sein Publikum eine Weile mit neuen Produkten.

Erst 1999 kehrte Harlin mit dem Unterwasser-Actionfilm "Deep Blue Sea" in die Kinos zurück - und enttäuschte wieder. 2001 schließlich folgte der Rennfahrer-Actionfilm "Driven" nach einem Buch von Sylvester Stallone, in dem auch Til Schweiger und Verona Feldbusch zu sehen sind, 2004 der Actionthriller "Mindhunters" und der Horrorschocker "Exorzist: Der Anfang". 2006 folgte "Der Pakt - The Covenant", mit dem Harlin allerdings auch nicht an die Erfolge seine besseren Filme anknüpfen konnte. Dies gilt auch für den 2009 entstandenen Actionfilm "Zwölf Runden", während "Cleaner - Sein Geschäft ist der Tod", der bereits 2007 entstand, endlich wieder einmal ein Film ist, mit dem Harlin an frühere Leistungen anknüpfen konnte. Das Abenteuer "The Legend of Hercules" (2013) kommt an diese Qualität allerdings nicht heran.


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