Tony Richardson

Starb an Aids: Tony Richardson Vergrößern
Starb an Aids: Tony Richardson
Tony Richardson
Geboren: 05.06.1928 in Shipley, Yorkshire, Großbritannien
Gestorben: 14.11.1991 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Tony Richardson gehört zu den prominentesten Regisseuren der Free-Cinema-Bewegung, nachdem er lange als Kritiker bei der renommierten Filmzeitschrift "Sight and Sound" war und mit seinen Freunden Lindsay Anderson und Karel Reisz die Zeitschrift "Sequence" herausgab. Mit der John-Osborne-Verfilmung "Blick zurück im Zorn" (1959, mit Richard Burton) und "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" (1962) nach Allan Sillitoe reagiert Richardson sehr heftig auf das brave britische Qualitätskino, das niemandem wehtut. Ihm zur Seite: die Freunde von der Filmkritik sowie John Schlesinger.

Spülsteinfilme nennt man seinerzeit die realistischen Alltagsgeschichten über brave Bürger ohne Chance, Arbeitslose und unverheiratete Eltern, Schwule und Lesben. Internationalen Erfolg bring ihm die Henry-Fielding-Verfilmung "Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen" (1962), ein Film, der - wie später "Der Angriff der leichten Brigade" (1968, mit seiner damaligen Frau Vanessa Redgrave) - Historienepos und Satire in einem ist. "Tom Jones" bedeutet für Richardson den Sprung über den Ozean: In Hollywood überträgt man ihm die Regie der William-Faulkner-Verfilmung "Geständnis einer Sünderin". Doch der wirkliche Einstand kommt mit dem provokativen "Tod in Hollywood" (1965). Die Produzenten versuchen, das Fünf-Stunden-Opus auf "erträgliche Harmlosigkeit" zu kürzen, doch auch in den zwei Stunden der Verfilmung von Evelyn Waughs boshafter Satire steckt so viel Biss und Wut, dass er zu den gehassten und gefürchtesten Hollywood-Männern zählt.

In Frankreich nimmt er sich Jean Genet vor und erzählt in Mademoiselle" (1965) mit Jeanne Moreau als femme fatale die Geschichte einer Frau, die ihren sexuellen Frust mit Zündeln löst. Und noch einmal mit der Moreau erzählt er die Marguerite-Duras-Story vom Matrosen von Gibraltar: "Nur eine Frau an Bord" (1966) ist der Titel. Richardson ist einer der ganz wenigen, die nicht aufgeben, die sich nicht domestizieren lassen. Bis zu seinem Tod zeugen seine Filme von Kompromisslosigkeit - zuletzt lässt er in "Grenzpatrouille" (1980) Jack Nicholson gegen illegale lateinamerikanische Einwanderer zu Felde ziehen. Bei diesem Film ist er schon von Aids gezeichnet. Seinen letztes Werk "Operation Blue Sky" (1990) erlebt er nicht mehr, er wird post mortem aufgeführt. Richardson ist eines der frühen Aids-Opfer.

Schon als Student in Oxford macht er Furore, wagt sich an große Stoffe wie "Peer Gynt" und "Romeo und Julia". Er inszeniert den "Othello" und eine dramatisierte Fassung des "Spieler" von Dostojewski. Mit 28 bringt er die Uraufführung von Osbornes "Blick zurück im Zorn" auf die Bühne des Londoner Royal Court Theatres. Zornige junge Männer nannte man ihn und seine Freunde, die gegen das Establishment revoltierten - nicht nur mit den Stücken, sondern auch mit deren Interpretation. Tony Richardson ist der Vater der Schauspielerinnen Joely und Natasha Richardson. Beide Töchter entstammen seiner Ehe mit Vanessa Redgrave.

Weitere Filme von Tony Richardson: das Melodram "Der Komödiant" (1960) mit Laurence Olivier, "Bitterer Honig" (1961) mit Rita Tushingham, "Kelly, der Bandit" (1969) mit Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger, "Empfindliches Gleichgewicht" (1973) mit Katharine Hepburn, "Eine todsichere Sache" (1974) mit Judi Dench, "Die Abenteuer des Joseph Andrews" (1976) mit Peter Firth, "Hotel New Hampshire" (1984) mit Jodie Foster und Nastassja Kinski, "Penalty Phase - Tage der Entscheidung" (1986) mit Peter Strauss sowie "Das Phantom der Oper" (1990) mit Burt Lancaster.


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