Die Realverfilmung "Die Schöne und das Biest" bleibt ziemlich nah am Original. Das wirft Fragen nach der Notwendigkeit des Remakes auf, doch nicht zuletzt die großartigen Musical-Szenen machen den Film sehenswert.

Kurz vor dem Kinostart von "Die Schöne und das Biest" (2017) gab es schon einige Aufreger: Zuerst zerbrach man sich in den (sozialen) Medien die Köpfe darüber, ob Hauptdarstellerin Emma Watson als Feministin denn leicht bekleidet für ein Magazin posieren dürfe. Dann rief die Ankündigung, dass im Film eine schwule Figur vorkomme, russische Politiker auf den Plan. Die forderten aufgrund der "skrupellosen Verherrlichung von Sünde und perverser sexueller Verhältnisse" ein Verbot des Films und setzten in Russland schließlich eine Altersfreigabe ab 16 durch. Und so stand der Märchenfilm "Die Schöne und das Biest", der nun auf SAT.1 erstmals im Free-TV gezeigt wird, plötzlich im Zentrum gesellschaftspolitischer Debatten, in die er wirklich nicht gehörte. Denn eigentlich gab es nur eine Frage, die sich Disney und Regisseur Bill Condon mit ihrem Live-Action-Remake des Trickfilmklassikers von 1991 stellen lassen mussten.

Und zwar die nach der Notwendigkeit. Warum muss "Die Schöne und das Biest", lange Zeit der einzige animierte Film überhaupt, der in der Königskategorie "Bester Film" oscarnominiert war, neu verfilmt werden? Stimmt etwas mit dem Original nicht, das laut American Film Institute zu den 25 bedeutendsten amerikanischen Musicalfilmen zählt? Oder hat Disney wie 2012 bei "Maleficent" einen raffinierten Dreh gefunden, um die Geschichte komplett neu zu erzählen?

Zumindest die Antworten auf die letzten beiden Fragen liegen angesichts der Neuverfilmung auf der Hand: Mit dem Original von 1991 ist alles in Ordnung, sonst hätten sich Regisseur Bill Condon und sein Team wohl nicht so eng daran orientiert. Noch immer wird ein Prinz (Dan Stevens, "Downton Abbey") in ein Biest verwandelt, um für seine Oberflächlichkeit bestraft zu werden. Noch immer begibt sich Dorfmädchen Belle ("Harry Potter"-Star Emma Watson) in die Gefangenschaft des Biestes, nachdem sich ihr Vater (Kevin Kline) in dessen verwunschenes Schloss verirrte. Und noch immer hoffen die zu Haushaltsgegenständen verzauberten Diener des Ungetüms, dass sich endlich eine Frau in ihren Herren verliebt, damit der lästige Fluch rechtzeitig gebrochen wird.

Ob in den originalgetreuen Kostümen oder dem detailverliebten Set-Design, überall können die Zuschauer die Spuren des Originals erkennen, selbst wenn es etliche Jahre her ist, dass sie es gesehen haben. Geradezu unverblümt versuchen Bill Condon und seine Unterstützer, Nostalgie zu wecken und das Publikum gedanklich in den Trickfilm aus Kindertagen zurückzuversetzen.

Wie gut diese Taktik aufgeht, ist wirklich erstaunlich: Schon nach wenigen Minuten, wenn Emma Watsons Belle "Unsere Stadt" anstimmt, ist man wieder mittendrin im Klassiker, freut sich über vertraute Bewegungen und Verse und nimmt neugierig erste kleine Unterschiede wahr. Die gibt es nämlich durchaus: Dass etwa Belle anders ist als die restlichen Dorfbewohner, wird von den Drehbuchautoren Stephen Chbosky und Evan Spiliotopoulos noch etwas mehr herausgestellt. Auch das Biest bekommt ein bisschen mehr Hintergrundgeschichte – eine neue Gesangsnummer inklusive.

Denn ein Musical ist "Die Schöne und das Biest" immer noch. Wäre ja auch schade um den oscarprämierten Soundtrack und den ebenso ausgezeichneten Song "Die Schöne und das Biest". Und wenn sich Bill Condon mit etwas auskennt, dann mit Musicals. Seine stärksten Momente hat der Film folgerichtig dann, wenn der "Dreamgirls"-Regisseur und "Chicago"-Schreiber seine Darsteller zum Tanz bittet. Was für Choreografien! Was für eine Dynamik! Was für ein Vergnügen! Zur Ballade "Die Schöne und das Biest" lässt er die beiden Hauptfiguren förmlich über das Parkett schweben, zum Evergreen "Sei hier Gast" zündet er buchstäblich das viel zitierte Effekt-Feuerwerk.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH