Das Grimme-Institut hat die Nominierungen für den 54. Grimme-Preis bekanntgegeben. Der Trend zu guten Serien aus Deutschland setzt sich fort.

Schon als vor zwei Jahren die Nominierungen zum Grimme-Preis 2016 bekanntgegeben wurden, sprachen die Kommentare von einem Sieg des deutschen Serien-Fernsehens. Der Serientrend sei nun "auch in Deutschland angekommen", hieß es damals vom Grimme-Institut, das den renommiertesten deutschen Fernsehpreis vergibt. Der Hoffnungsträger, der international zeigen sollte, was deutsches Fernsehen kann, hieß damals "Deutschland 83". Heute, zwei Jahre später, hört man ähnliche Apologien. Mit dem Unterschied, dass das nominierte "Babylon Berlin" tatsächlich das Zeug hat zum internationalen Serienhit.

Die Serie, die der Pay-TV-Anbieter Sky zusammen mit der ARD produziert, ist längst weltweit verkauft worden; in den USA sicherte sich Netflix die Rechte. Die Zeichen stehen also gut, dass das, was vor zwei Jahren schon verkündet wurde, nun eintritt: dass deutsche Serien tatsächlich auch im Ausland gesehen werden. Denn auch die Netflix-Produktion "Dark" ist nominiert, wenn auch in der kleinen Kategorie "Spezial".

Die anderen Produktionen, die mit "Babylon Berlin" um den 54. Grimme-Preis in der Serien-Kategorie konkurrieren, haben ebenfalls viel Kritikerlob einstecken können: die Gangster-Serie "4 Blocks" des Bezahlsenders TNT, "Das Verschwinden" der ARD Degeto sowie die BR-Produktion "Hindafing". "Die Zahl der Einreichungen zeigt, dass sich der Serien-Boom auch in Deutschland weiter fortsetzt", sagt Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts. Dass drei der fünf nominierten Serien nicht allein aus öffentlich-rechtlicher Produktion stammen, sollte die Verantwortlichen dort allerdings aufhorchen lassen.

Kein Fernsehfilm aus privater Produktion

Ganz anders ist das Bild freilich in den weiteren Kategorien. Hier dominieren Produktionen von ARD, ZDF, ARTE und 3sat. Unter den nominierten Fernsehfilmen findet sich kein einziger aus privater Produktion, dafür unter anderem zwei – wenn auch experimentelle – "Tatorte", der Historienfilm "Katharina Luther" und das Drama "Wunschkinder". Insgesamt also wenig Überraschendes. Dass aber nicht einmal SAT.1 nominiert ist, der fleißigste Fernsehfilmproduzent unter den Privaten, verwundert dann doch.

Im Wettbewerb "Information & Kultur" finden sich nur zwei private Beiträge (die Bayreuth-Berichterstattung von Sky sowie eine "Spiegel TV"-Reportage von RTL), dafür aber viele Leuchtturmproduktionen aus öffentlich-rechtlicher Hand: etwa die SWR-Reportage "Bimbes – die schwarzen Kassen des Helmut Kohl", der Film "Verschwunden in Deutschland – Auf der Suche nach vermissten Flüchtlingsjungen" aus der ARD-Reihe "Die Story im Ersten" und der tolle Zweiteiler "Unsere Städte nach '45" des RB.

Im Wettbewerb "Kinder & Jugend" haben die Öffentlich-Rechtlichen diesmal gar keine private Konkurrenz zu fürchten – dafür aber das Internet. Immerhin ein Drittel der 15 nominierten Formate stammt von funk, dem Jugendangebot von ARD und ZDF, das bekanntermaßen nicht mehr im Fernseher stattfindet, sondern bei YouTube oder auf anderen Online-Plattformen.

Olli Dittrich gegen Joko und Klaas

Eine Kategorie gibt es aber schließlich doch, die erkennen lässt, dass in Deutschland seit mehr als 30 Jahren privates Fernsehen zugelassen ist: Im Bereich "Unterhaltung" konkurrieren öffentlich-rechtliche Perlen wie Olli Dittrichs Fernsehpersiflage "Trixie Wonderland" mit den Privatproduktionen "Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt" (ProSieben), "Der Augenblick – Verzeihen ohne Worte" (SAT.1) sowie den VOX-Formaten "Kitchen Impossible" und "The Story of my Life".

Dass sich insgesamt immerhin neun private Produktionen um den Grimme-Preis bewerben, ist für Direktorin Frauke Gerlach "eine für das Fernsehen insgesamt wünschenswerte Entwicklung". Allerdings müssen sich die nominierten Produktionen auch einiges an Schelte anhören: "Auch wenn wir eine hohe Qualität im Programmbereich sehen, gibt es doch keine wirkliche Innovation bei den Formaten. Fast alles, vor allem im Unterhaltungsbereich, ist eine Wiederholung der altbewährten Erfolgsrezepte", meint Gerlach.

Mehr als 900 Vorschläge waren zuvor beim Grimme-Institut in Marl eingegangen, nominiert wurden schließlich 70 Produktionen und Einzelleistungen. Verliehen wird der Grimme-Preis am 13. April im Theater der Stadt Marl, wo das Grimme-Institut seinen Sitz hat.

Alle weiteren Nominierungen finden Sie hier auf der offiziellen Seite des Grimme-Preises.


Quelle: teleschau – der Mediendienst