Regisseur Anno Saul stellte ein Spitzenteam vor die Kamera und inszenierte detailverliebt ein lustiges Drehbuch über Psychotherapien, Freakshows und Eifersuchtsmonster. Herrlich!

Die Idee ist brillant und endlich mal wirklich aus dem Leben gegriffen. Produzent Philip Voges war bei einer Familienaufstellung und fand diese Therapieform interessant, wenn auch plakativ. Allerdings bemerkte er, dass man an einem Tag mehr über eine Frau erfahren kann als deren Mann in drei Jahren Ehe. Denn die Menschen erzählen das, was sie sonst für sich behalten – sie machen sich "nackig". Das ist auch das Stichwort für "Irre sind männlich" (2014), den Film, der auf diesem Erlebnis des Produzenten basiert. Die Hauptrollen spielen Milan Peschel ("Männertag", "Klassentreffen 1.0") und Fahri Yardim ("jerks." mit Christian Ulmen, "Tatort" mit Til Schweiger), großartig ergänzt von Marie Bäumer ("3 Tage in Quiberon"). SAT.1 zeigt die wunderbare Komödie nun in einer Wiederholung.

Daniel (Fahri Yardim) ist ein lieber Kerl, vielleicht zu lieb. Er hat nur Augen für seine Freundin und möchte gerne immer wissen, wo sie warum ist. Er hat oft Sehnsucht, schreibt SMS, ruft an und das nervt Mia (Josefine Preuß, "Türkisch für Anfänger"). Sie trennt sich. Thomas (Milan Peschel) kann seinen Freund nicht leiden sehen, möchte ihn wieder an die Frau bringen, und kreativ wie er ist als Computerspiel-Designer heckt er den Plan des Produzenten aus. Er schleust sich (aus reiner Sexgier) und seinen Freund (vielleicht nützt es ja was) unter falschem Namen in Familienaufstellungen ein. Ein bisschen gemein ist das schon, aber herrje ... wie gut das klappt.

Eine allerdings kommt auch öfter dorthin. Anwältin Sylvie (Marie Bäumer) nimmt sich Tausendsassa und Betthüpfer Thomas vor, weil er sich davongeschlichen hat aus ihrem Bett, und das übernimmt sie sonst lieber selbst. Sie droht, ihn auffliegen zu lassen mit demselben Schwung, wie sie bei der Gymnastik das Bein in schwindelnde Höhen wirft. Man erinnert sich an den "Der Schuh des Manitu", wo Marie Bäumer neben Michael Bully Herbig auch äußerst amüsant war. Das packt sie jetzt wieder aus und so wird sie zum Knackpunkt der Komödie.

Denn in dem Moment, wo Regisseure hinüberschwenken von der gut funktionierenden Buddy-Komödie zum Pärchentanz, versanden viele Filme. Geht es um Liebe, wird es dröge und romantisch. Hier nicht. Mit Milan Peschel und Marie Bäumer bleibt es genauso lustig, wie zuvor. Zwischendrin kommt der sensible Daniel zu Wort, der seinen Charakter ernst nimmt und sich in Bernadette (Peri Baumeister, "The Last Kingdom") verliebt, die, wie sich bei der Therapie herausstellt, einige Gemeinsamkeiten mit ihm hat.

Alle erzählten Geschichten sind schlüssig, die Schauspieler funktionieren wunderbar und Peschels Lust an diesem garstigen Kerl ist bemerkenswert. Diese Komödie folgt nicht mal den üblichen Happy-End-Regeln. Nein, sie vermittelt das Gefühl: Egal, was für ein Freak du bist, es gibt jemanden, der zu dir passt. Und das ist ja irgendwie süß.


Quelle: teleschau – der Mediendienst